Heinz Buschkowsky

Neukölln ist nicht mehr sein Revier

Die Gesundheit! Berlins streitbarster Bürgermeister tritt vorzeitig ab

MIKE WILMS und NORBERT KOCH-KLAUCKE
Lesezeit 2 Min
Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky stellte 2012 sein Integrationsbuch „Neukölln ist überall“ vor. Es wurde ein Bestseller.

Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky stellte 2012 sein Integrationsbuch „Neukölln ist überall“ vor. Es wurde ein Bestseller.

© dpa Lizenz

Der SPD-Politiker machte sich mit seiner drastischen Wortwahl bundesweit einen Namen. Die ständigen Provokationen zur Integrationspolitik verschafften ihm aber auch Feinde.

Es gibt wenige Lokalpolitiker, über die ganz Deutschland redet. Bei Buschkowsky ist das anders – man nennt ihn oft in einem Atemzug mit Thilo Sarrazin und der verstorbenen Richterin Kirsten Heisig.

Wie sie lieferte der Neuköllner Bürgermeister umstrittene Thesen zu Migration und Jugendgewalt. Der Slogan „Multikulti ist gescheitert“ wird Buschkowsky zugeschrieben.

Im Bezirk konnte der Ur-Neuköllner die Defizite einer wegschauenden Integrationspolitik hautnah erleben. Von 320.000 Einwohnern haben 40 Prozent einen Migrationshintergrund.

Was der Bezirkschef (1991/92 und dann wieder ab 2001) daraus folgerte, brachte linke Sozialdemokraten regelmäßig auf die Palme.

Hier einige Kostproben:
„Kommt das Kind nicht zur Schule, kommt das Kindergeld nicht aufs Konto.“

,„Falschparken wiegt bei uns schwerer als Schulschwänzen“,

„Wir müssen dort, wo alle Regeln für einen unverbindlichen Ulk gehalten werden, hin und wieder die Ohren langziehen.“

Nach 15 Jahren an der Spitze des Bezirks ging Buschkowsky kürzlich zu einem Gesundheits-Check. Das Ergebnis schmeckte ihm, der ja mindestens bis 2016 im Amt bleiben wollte, gar nicht.

Er müsse jetzt „von der 80-Stunden-Woche runterschalten“. Ein Unding in seinem Job. Da sei nur „ganz oder gar nicht“ möglich.

Der SPD-Abgeordnete Joschka Langenbrinck zeigte sich „nicht überrascht“ von der Rücktritts-Nachricht.

Eine Grünen-Politikerin: „Vor zwei Wochen habe ich Buschkowsky erlebt. Er wirkte fahrig, machte keine klaren Ansagen wie einst. Er war nur ein Schatten seiner selbst.“

Der Regierende Michael Müller (SPD) würdigte Buschkowsky als „einen der profiliertesten Köpfe der Berliner SPD“.

Fraktionschef Raed Saleh: „Ich freue mich besonders, dass die Partei gelernt hat, ihm zuzuhören.“

Buschkowskys letzter Arbeitstag ist schon in der nächsten Woche. Am 1. April tritt er offiziell ab.

Seine Nachfolgerin soll Neuköllns Schulstadträtin Franziska Giffey (36, SPD) werden.

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