Heiner Geißlers Zorn auf die Goldelse

Denkt mal über Sprengung nach!

Mittes Bürgermeister verteidigt das Denkmal: Es gehöre zu Berlin wie der Fernsehturm

NORBERT KOCH-KLAUCKE
Lesezeit 4 Min
Die „Goldelse“ im Tiergarten. Sie strahlt als Berliner Wahrzeichen, ist Fotomotiv für Millionen von Touristen aus aller Welt.

Die „Goldelse“ im Tiergarten. Sie strahlt als Berliner Wahrzeichen, ist Fotomotiv für Millionen von Touristen aus aller Welt.

© dpa Lizenz

Heiner Geißler ist ein streitbarer Geist, ein Querdenker und Provokateur. Jetzt zeigt der einstige CDU-General und Familienminister und heutige KURIER-Kolumnist, dass er mit seinen 85 Jahren keine Spur leiser geworden ist.

Geißler sagte erneut: Er würde, wenn er könnte, die Siegessäule sprengen lassen, weil er sie „saublöde“ findet. Die „Goldelse“ im Tiergarten. Sie strahlt als Berliner Wahrzeichen, ist Fotomotiv für Millionen von Touristen aus aller Welt.

Sogar Barack Obama fand das Denkmal am Großen Stern so bedeutend, dass er dort 2008 als US-Präsidentschaftskandidat eine Rede hielt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Franzosen die Siegessäule sprengen lassen. Jetzt ist es zum wiederholten Mal Heiner Geißler – im Interview des aktuellen Magazins der Süddeutschen Zeitung.

Auf die Frage, ob es in Deutschland ein Denkmal gebe, das er gerne sprengen würde, sagte CDU-Politiker Geißler: „Die Siegessäule in Berlin würde ich sofort sprengen. Dieses Denkmal beleidigt meinen Intellekt.“

Man sprengt doch nicht Berlins Wahrzeichen Manuela Gleich (39), Angestellte aus Stuttgart: „Sprengen ist doch eine absolute Katastrophe. So eine Äußerung zu einem Denkmal macht man nicht! Das ist das Wahrzeichen von Berlin. Mein Sohn wollte unbedingt die Viktoria sehen.“

Man sprengt doch nicht Berlins Wahrzeichen Manuela Gleich (39), Angestellte aus Stuttgart: „Sprengen ist doch eine absolute Katastrophe. So eine Äußerung zu einem Denkmal macht man nicht! Das ist das Wahrzeichen von Berlin. Mein Sohn wollte unbedingt die Viktoria sehen.“

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Der Vorschlag ist mir unverständlich Harald Schabrenner (46), Beamter aus München: „Das wäre so, als wolle man in München die Bavaria umschmeißen. So etwas ist unverständlich. Die Säule nimmt Bezug auf die Geschichte Preußens – auch eine Geschichte von Krieg.“

Der Vorschlag ist mir unverständlich Harald Schabrenner (46), Beamter aus München: „Das wäre so, als wolle man in München die Bavaria umschmeißen. So etwas ist unverständlich. Die Säule nimmt Bezug auf die Geschichte Preußens – auch eine Geschichte von Krieg.“

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Geißler will doch nur provozieren Frauke Löll (40), Beamtin aus Berlin: „In dem Alter darf man so was sagen, er will doch nur Intellektuelle provozieren. Ich nehme das nicht ernst. Interessant ist für mich, dass der Standort der Siegessäule gewechselt hat.“

Geißler will doch nur provozieren Frauke Löll (40), Beamtin aus Berlin: „In dem Alter darf man so was sagen, er will doch nur Intellektuelle provozieren. Ich nehme das nicht ernst. Interessant ist für mich, dass der Standort der Siegessäule gewechselt hat.“

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Die Viktoria blickt nach vorn, das ist gut so! Felicity Warren (22), Studentin aus Reno (USA): „Das Monument hilft uns, an die Kriege im 19. Jahrhundert zu denken. Es gehört genau hierher in die Mitte Berlins. Der Blick der Viktoria geht nach vorn – das ist gut so. Sprengen ist Quatsch!“

Die Viktoria blickt nach vorn, das ist gut so! Felicity Warren (22), Studentin aus Reno (USA): „Das Monument hilft uns, an die Kriege im 19. Jahrhundert zu denken. Es gehört genau hierher in die Mitte Berlins. Der Blick der Viktoria geht nach vorn – das ist gut so. Sprengen ist Quatsch!“

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Die Friedenstaube auf dem Kopf ist klasse Thomas Galla (48), Angestellter aus Dortmund: „Geißlers Äußerung ist total unverständlich. Das ist ein Kulturdenkmal, das sich auf die deutsche Geschichte bezieht. Ich finde vor allem die Friedenstaube auf dem Kopf der Viktoria klasse.“

Die Friedenstaube auf dem Kopf ist klasse Thomas Galla (48), Angestellter aus Dortmund: „Geißlers Äußerung ist total unverständlich. Das ist ein Kulturdenkmal, das sich auf die deutsche Geschichte bezieht. Ich finde vor allem die Friedenstaube auf dem Kopf der Viktoria klasse.“

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Geißler hat mit der Siegesgöttin Viktoria große Probleme. „Die Goldelse oben drauf ist eine unproportionierte saublöde Figur.“

Zum Glück kann das Victoria von Großbritannien und Irland (1840-1901) nicht mehr hören, die als Gemahlin von Kaiser Friedrich III. deutsche Kaiserin und Königin von Preußen war. Denn die Goldelse trägt ihre Züge.

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Für Geißler ist die Siegessäule keine Sehenswürdigkeit. Er wettert: „In der Säule sind Kanonenrohre eingelassen aus den Kriegen der Preußen gegen die Württemberger, Österreicher und Franzosen. Unten auf dem Relief schlitzt ein preußischer Ulan einem französischen Kürassier mit dem Bajonett den Bauch auf, die Gedärme quellen raus, und die Umstehenden lachen. Das steht mitten in Berlin, und kein Mensch ist in der Lage, das zu beseitigen.“

Mittes Bürgermeister Dr. Christian Hanke (SPD) kann die ganze Aufregung nicht verstehen. „Ich schätze Heiner Geißler sehr“, sagt er dem KURIER. „Die Siegessäule sieht niemand mehr als Kriegerdenkmal. Sie steht heute für ein friedliches Europa, gehört zu Berlin wie der Fernsehturm oder das Brandenburger Tor.“

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