Heilige Gertraude

Senat lässt sie im Lagerhaus schmoren

Steinerne Brückenbrüstung, auf der sie stand, ist nicht mehr stabil genug.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 2 Min
Die Figur der Heiligen Gertraude: Sie reichte einem durstigen Wanderer einen Krug.

Die Figur der Heiligen Gertraude: Sie reichte einem durstigen Wanderer einen Krug.

© imago/blickwinkel

Die 1896 gegossene Bronzefigur war im April 2017 derart heimlich abgebaut worden, dass Anwohner Metalldiebe vermuteten und die Polizei riefen. Dann kam raus, dass die Figur im Depot des Landesdenkmalamts in Friedrichsfelde gelandet war. Angeblich zur Restaurierung.

Tatsächlich ist die Figur in gutem Zustand und wurde nur gereinigt, war jetzt aus der Senatskulturverwaltung zu erfahren, aber die steinerne Brückenbrüstung, auf der sie stand, ist für ihr Gewicht nicht mehr stabil genug.

Wann die Brüstung saniert wird, ist unklar: Die Senatsverwaltung für Verkehr teilte mit, dass das Ausmaß des Schadens noch nicht festgestellt wurde, daher weder die Kosten noch ein Zeitplan genannt werden könnten. Da die Fußgängerbrücke intakt sei, hätte das Projekt angesichts vieler anderer Sanierungsnotwendigkeiten keine „übergeordnete Priorität“.

Die Heilige, Tochter eines fränkischen Hofmanns und Äbtissin des Klosters Nivelles, lebte im 7. Jahrhundert. Wegen ihrer karitativen Tätigkeit wurde sie unter anderem zur Schutzpatronin der Reisenden und Pilger – deshalb reicht ihre Berliner Figur auch einem Wandersmann einen Krug.

Im 2. Weltkrieg wurde sie von einem Bronzegießer versteckt und so vor dem Einschmelzen gerettet. Seit 1954 stand sie dann wieder auf der Brücke. Zu ihren Füßen sitzen Ratten und Mäuse – vom vielen Anfassen blank, weil die Berührung für Reichtum sorgen soll.

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