Er ist am Dienstag der Mann des Tages. Auch wenn so mancher nicht mehr an ihn glauben mag: Es gibt ihn – den Weihnachtsmann! Er ist sogar ein Berliner! Im „Laienpuppentheater“ am Hellersdorfer Kastanienboulevard, wo Knecht Ruprecht ehrenamtlich arbeitet, empfing er den KURIER-Reporter auf ein Käffchen. Bürgerlich heißt er Michael Rosensky. Sein stattlicher weißer Bart und die weiße Haarpracht lassen keinen Zweifel aufkommen: Er ist der Weihnachtsmann!
KURIER: Ganz ehrlich, sind Sie auch wirklich der Echte?
Weihnachtsmann (hat eine tiefe, freundliche Stimme): Natürlich! Für viele Berliner Kinder und Erwachsene, bei denen ich jetzt vorbeikomme, bin ich es. Ich brauche keine Maskerade wie so manche Kollegen, die mir helfen. Fassen Sie Mal meinen Bart an! Sehen Sie, der ist echt!
Darf man ihr Alter erfahren?
Aber sicher! Ich bin 1000 Jahre alt. Laut Personalausweis kam ich aber erst vor 65 Jahren zur Welt.
Wird man eigentlich als Weihnachtsmann geboren?
Nein, man wird es. Ich war Bauarbeiter, Polizist, bin nun Journalist, habe einen kleinen Buchverlag – und zum Jahresende werde ich der Weihnachtsmann. Als solcher trat ich erstmals vor 30 Jahren bei meiner damals neunjährigen Tochter Ulrike auf. Sie wollte, dass der Weihnachtsmann wieder zu ihr kommt. Also zog ich mir den roten Bademantel meiner damaligen Frau an.
Bei jedem Besuch liest Rosensky eine Geschichte.
© Volkmar Otto
Und wie ging es weiter?
Es kam eine lange Pause. Erst seit acht Jahren, wo ich neben dem weißen Bart nun auch die richtige Leibesfülle für den Job habe, bin ich richtig auf Weihnachtsmann-Tour. Durch meine Tätigkeit beim Puppentheater hat man mich durch mein Aussehen dafür entdeckt, ich werde für Auftritte in Kitas oder Altenheimen gebucht. Sogar ein Charlottenburger Polizeiabschnitt wollte mich. Los geht es mit dem Einsatz schon Ende November. 42 Bescherungen habe ich in diesem Jahr bereits absolviert.
Und heute, am Heiligen Abend, haben Sie erst recht viel zu tun.
Ja, über zehn Besuche stehen an. Los geht es am Union-Stadion, in desen Nähe eine Familie wohnt. Dann fahre ich nach Pankow, Hellersdorf und Bernau. Zum Schluss kommen die Familien meiner zwei Kinder dran. Und da freue ich mich, wenn ich auch meine fünf Enkel und die meiner Lebensgefährtin bescheren darf.
Wie schaffen Sie eigentlich ihre Touren quer durch Berlin?
Da es dieses Jahr wieder keinen Schnee zu Weihnachten gibt, muss ich auf meinen Rentierschlitten verzichten. Ich nehme die U- oder die Straßenbahn. Für schwer erreichbare Ziele habe ich noch einen speziellen roten Schlitten, einen kleinen Nissan, mit dem mich meine Lebensgefährtin Marianne zu den Familien fährt, während ich mich gründlich auf den Besuch vorbereite. Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Kind mit dem falschen Namen anzusprechen. Zum Glück ist es mir das noch nie passiert.
Wie lange dauert ein Besuch?
Etwa 30 Minuten.
Und was erleben Sie da?
Da sehe ich in strahlende Kinderaugen, erlebe die Freude der Kleinen. Bevor es mit dem Geschenkeverteilen losgeht, singe ich mit den Kindern und der Familie Lieder, lese Geschichten vor. Ich finde, dass ist eigentlich das Wichtigste am Weihnachtsfest.
Nervt Sie der Geschenke-Rummel?
Etwas. Die Kinder werden mit Geschenken oft überhäuft. Wozu braucht ein Sechsjähriger schon ein Smartphone? Aber ich bin der Weihnachtsmann und kein Pädagoge. Zum Glück erlebe ich, dass viele Eltern und Großeltern ihren Kindern und Enkeln auch wieder Holzspielzeug oder Bücher schenken.
Seine Freundin Marianne ist bei jeder Tour dabei.
© Volkmar Otto
Gibt es noch andere Dinge, die Sie am Weihnachtsfest nerven?
Ja, der ganze Einpackwahnsinn. Wird am Ende alles nur weggeworfen. Mich ärgert vor allem, dass der ganze Plastikkram die Meere verunreinigt. Sie müssen wissen: Meine Lieblingstiere sind die Schweinswale, und die werden in der Ostsee immer weniger. Für Umweltverschmutzer gibt es von mir nur eins: die Rute!
Was war der berührendste Moment, den Sie als Weihnachtsmann erlebten?
Als ich in einer Kita war und ein Kind sich von mir wünschte, dass sich seine Eltern nicht scheiden lassen sollen.
Was machen Sie eigentlich nach Weihnachten?
Da kommt mein Bart ab. Erst im Mai lasse ich ihn wieder wachsen, damit er rechtzeitig zu Weihnachten die richtige Größe hat.
Hat ein Weihnachtsmann auch Wünsche?
Ja. Ich würde mich freuen, wenn das Hellersdorfer Laienpuppentheater mehr ehrenamtliche Helfer und Spenden bekommt, damit es weiter für Kita- und Schulkinder spielen kann. Und im kommenden Jahr möchte ich an dem großen Weihnachtsmanntreffen in Skandinavien teilnehmen.
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