Heftige Diskussion

Ist der Alex wirklich ein Ort der Verrohung?

Nachts habe er dort Angst, sagt Sebastian Czaja (FDP). Dafür gibt es auch Kritik.

Philippe Debionne und Andreas Kopietz
Lesezeit 2 Min
Wie sicher ist es am Alexanderplatz? Darüber wird aktuell heftig gestritten. Dieser Sensenmann ist zum Glück nur ein Schauspieler.

Wie sicher ist es am Alexanderplatz? Darüber wird aktuell heftig gestritten. Dieser Sensenmann ist zum Glück nur ein Schauspieler.

© dpa

In Berlin müsse man Sicherheit „nach Ort und Uhrzeit differenzieren“, hatte Czaja gesagt. So gebe es in unserer Stadt Plätze „wie den Alex“, an denen er sich „nicht zu jeder Tageszeit“ aufhalte. Tatsächlich gehört der Alexanderplatz trotz einer mittlerweile eingerichteten Polizeiwache und einer (zumindest statistisch) sinkenden Zahl an Gewaltdelikten noch immer zu Berlins Brennpunkten. 

Müller wirft Czaja Populismus vor

„Selbstverständlich verstehe ich die ungewöhnlich große Angst vieler Menschen am Alex“, sagt auch Burkard Dregger, Vorsitzender der Berliner CDU-Fraktion, zum KURIER. Persönlich habe er allerdings keine Angst.

Robert Drewnicki, Leiter des Referats Politische Grundsatzangelegenheiten und Strategien in der Senatskanzlei und engster Mitarbeiter des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD), warf Czaja via Facebook dagegen Populismus vor.

FDP-Politiker Sebastian Czaja hat ausgesprochen, was viele denken: Am Alexanderplatz fühlt man sich vor allem nachts nicht mehr sicher.

FDP-Politiker Sebastian Czaja hat ausgesprochen, was viele denken: Am Alexanderplatz fühlt man sich vor allem nachts nicht mehr sicher.

© Markus Wächter / Waechter

Er sei „täglich auf den Weg von und zur Arbeit am Alex“, schreibt Drewnicki. Und weiter: „Herr Czajas subjektiv-populistisches Sicherheitsgefühl ist eben nur das: Subjektiv und populistisch.“ Es sei traurig, was FDP-Mann „Czaja aus dieser Partei macht!“ 

„Bange machen gehört sich nicht für Spitzenpolitiker“

Unterstützung bekommt Czaja dagegen ausgerechnet von der Vize-Chefin der Berliner Jusos, Heike Hoffmann. Trotz der neuen Polizeiwache habe sie nicht das Gefühl, sich am Alex „frei bewegen zu können“, schreibt sie ebenfalls bei Facebook.

Und dann direkt an ihren Parteifreund Robert Drewnicki gerichtet: „Schön, dass du am Alex keine Angst hast, leider geht es nicht uns allen so.“ Man werde „angepöbelt und angemacht“, so die 20-Jährige weiter. Dann schreibt sie klar und deutlich: „Und ja, dann habe ich Angst!“

Bodo Pfalzgraf, Berliner Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, ist zwar der Meinung, dass „das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ernst genommen werden muss“, wie er dem KURIER auf Anfrage sagte. Dennoch werde Czaja seiner Verantwortung nicht gerecht: „Bange machen gehört sich nicht für Spitzenpolitiker.“

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