Der Rentner dokumentiert mit seiner Fotokamera Berlins größte Kunstwerke bereits seit über 40 Jahren und hat deren Vergessenheit den Kampf angesagt. Heute nimmt er den KURIER mit auf eine Reise durch die Stadt und sein persönliches Archiv. Das beherbergt bereits Tausende von Fotos der beeindruckendsten und teils längst verschwundenen Motive.
Das erste Wandgemälde Berlins von 1975. Titel: Der Weltbaum I – Grün ist Leben. Mittlerweile verblasst Ben Wagins politischer Entwurf immer mehr, ist aber noch im Siegmundshof 21 zu bestaunen.
© Norbert Martin Lizenz
Phoenix (1989): Eines von Martins Lieblingswerken stellt tatsächlich die „Phoenix“ dar. Das Gemälde in der Wintersteinstraße 20 wirkt durch die Häuserfront besonders echt und dreidimensional.
© Norbert Martin Lizenz
Der Reißverschluss (1979): Ursprünglich sollte die gemalte Hausfassade in den Vordergrund und die originale Backsteinwand in den Hintergrund. Doch für den Auftraggeber waren die Kosten der Mehr-Malerei wohl zu hoch. Künstler Gert Neuhaus sah sich deshalb gezwungen, seinen Reißverschlussentwurf in der Zillestraße 98-100 als Negativ zu malen.
© Norbert Martin Lizenz
Die Dussmann-Villa (entfernt: 1997): Damals Stasichef Erich Mielkes Gästehaus, heute die Dussmann-Villa (Herzog Villa in Zeuthen). Auftraggeber für das Werk war 1991 die Bayrische Landesbank. Als Dussmann das Haus anschließend kaufte und rauskam, wem das Gebäude ursprünglich gehörte, ließ die Bank das Gemälde (und die Abhörtechnik) 1997 entfernen.
© Norbert Martin Lizenz
Der Rote Baron (1989): Das Doppelgemälde in der Forststraße 43 ist ein Zufallsprodukt. Als der Auftraggeber den Künstler Gert Neuhaus fragte, was er denn da für ein Motiv gemalt habe, antworte der: „Der Rote Baron“. Daraufhin wurde Künstler Neuhaus von seinem Auftraggeber hingewiesen, dass das Flugzeug des Roten Barons aber drei Tragflächen habe...
© Norbert Martin Lizenz
...Neuhaus ärgerte sich und malte anschließend eine Wand weiter den Piloten Manfred von Richthofen als Bruchpilot mit der dritten Tragfläche.
© Norbert Martin Lizenz
Die Elefantengruppe (1987, entfernt: 1997): Ein Kunstwerk, welches heute leider nicht mehr zu bewundern ist – „Die Elefantengruppe“ in der Nähe vom Tierpark. Künstler Wolf-Ullrich Friedrich wurde gefragt, warum er sich denn für dieses Tiermotiv entschieden hätte. Seine Antwort: „Im Hinterhaus ist eine Parteizentrale. Da wären Kamele wohl zu direkt gewesen …“
© Norbert Martin Lizenz
„Für mich ist jedes Werk es wert, abgelichtet zu werden. Sie sorgen dafür, dass Betonbauten nicht all zu trist wirken.“ In der Stadt gibt es wahrscheinlich kein Bild, dass Martins nicht abgeschossen hat. Eine Auswahl derer gibt er in seinem Buch zum besten („Hauswände statt Leinwände – Berliner Wandbilder“, 29,90 Euro).
Was hier dokumentiert ist, wirkt wie ein Blick in die Vergangenheit, denn viele der Wandbilder gibt es schon lange nicht mehr. Durch Wind und Witterung beträgt ihre Lebensdauer gerade einmal 15 - 20 Jahre. „Für die Künstler ist das Kunst auf Zeit“, sagt Martins. Er aber ist seit den ersten Pinselstrichen dabei.
Das erste Wandgemälde Berlins von 1975. Titel: Der Weltbaum I – Grün ist Leben. Mittlerweile verblasst Ben Wagins politischer Entwurf immer mehr, ist aber noch im Siegmundshof 21 zu bestaunen.
© Norbert Martin Lizenz
Phoenix (1989): Eines von Martins Lieblingswerken stellt tatsächlich die „Phoenix“ dar. Das Gemälde in der Wintersteinstraße 20 wirkt durch die Häuserfront besonders echt und dreidimensional.
© Norbert Martin Lizenz
Der Reißverschluss (1979): Ursprünglich sollte die gemalte Hausfassade in den Vordergrund und die originale Backsteinwand in den Hintergrund. Doch für den Auftraggeber waren die Kosten der Mehr-Malerei wohl zu hoch. Künstler Gert Neuhaus sah sich deshalb gezwungen, seinen Reißverschlussentwurf in der Zillestraße 98-100 als Negativ zu malen.
© Norbert Martin Lizenz
Die Dussmann-Villa (entfernt: 1997): Damals Stasichef Erich Mielkes Gästehaus, heute die Dussmann-Villa (Herzog Villa in Zeuthen). Auftraggeber für das Werk war 1991 die Bayrische Landesbank. Als Dussmann das Haus anschließend kaufte und rauskam, wem das Gebäude ursprünglich gehörte, ließ die Bank das Gemälde (und die Abhörtechnik) 1997 entfernen.
© Norbert Martin Lizenz
Der Rote Baron (1989): Das Doppelgemälde in der Forststraße 43 ist ein Zufallsprodukt. Als der Auftraggeber den Künstler Gert Neuhaus fragte, was er denn da für ein Motiv gemalt habe, antworte der: „Der Rote Baron“. Daraufhin wurde Künstler Neuhaus von seinem Auftraggeber hingewiesen, dass das Flugzeug des Roten Barons aber drei Tragflächen habe...
© Norbert Martin Lizenz
...Neuhaus ärgerte sich und malte anschließend eine Wand weiter den Piloten Manfred von Richthofen als Bruchpilot mit der dritten Tragfläche.
© Norbert Martin Lizenz
Die Elefantengruppe (1987, entfernt: 1997): Ein Kunstwerk, welches heute leider nicht mehr zu bewundern ist – „Die Elefantengruppe“ in der Nähe vom Tierpark. Künstler Wolf-Ullrich Friedrich wurde gefragt, warum er sich denn für dieses Tiermotiv entschieden hätte. Seine Antwort: „Im Hinterhaus ist eine Parteizentrale. Da wären Kamele wohl zu direkt gewesen …“
© Norbert Martin Lizenz
Angefangen hat alles 1975. Berlins erstes Wandgemälde überhaupt entstand am S-Bahnhof Tiergarten (Ben Wagins „Weltenbaum“). Martins: „Ich schoss das Motiv aus Begeisterung heraus ab“. Später ging er dann auf die Pirsch und es kamen weitere hinzu. Die Kunst galt zu der Zeit noch als politischer Aktionismus, war aber legal und wurde sogar vom Senat als ABM-Maßnahme ausgeschrieben, um verarmte Künstler in der Stadt zu behalten. Drei Prozent der Bausumme wurden damals nur für Wandmalereien zur Verfügung gestellt.
Mittlerweile ist Martins mit den meisten Künstlern „per Du“ und wird für die Dokumentation offiziell gebucht. Ihre Enthüllung avancierte in den letzten Jahren mehr und mehr zum Spektakel. Namhafte Wohnungsgesellschaften wie HoWoGe oder Solidarität beauftragen heute die Künstler und weihen die Projekte mit viel Tamtam feierlich ein.
Die Entstehungskosten belaufen sich auf 20000 bis 50000 Euro. Gemalt wird mit Acryl und Mineralfarben. In den letzten Jahren fand durch die Strömung des „Street-Art“ die Graffiti-Spraydose immer mehr Anklang. Über 700 Exemplare gibt es zurzeit in der Stadt.
Viel tödlicher als Wind und Wetter sind Sanierungen, Abriss und Neubau. Dafür müssen die Künstler sogar extra unterschreiben, dass die Bilder nicht als Kunst deklariert werden, da sonst eine zukünftige Überbauung oder Übermalung ausgeschlossen werden kann und das Werk somit geschützt ist. Martins wird weiterfotografieren. Auch, wenn viele von den alten Motiven dann nur noch auf Fotopapier zu bewundern sind.
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