Mitglieder des Amri-Untersuchungsausschusses haben jetzt Einsicht in ein bislang unveröffentlichtes Tatortvideo erhalten. Es wurde unmittelbar nach dem Anschlag aufgenommen und ist von schlechter Qualität. Der RBB und dessen Politikmagazin „Kontraste“ veröffentlichten die Aufnahmen exklusiv.
Eines der Videos ist 34 Sekunden lang. Es wurde mit einem Handy im dem Weihnachtsmarkt gegenüberliegenden Einkaufszentrum Bikini-Haus gedreht. Die Aufnahmen entstanden unmittelbar nach dem Terroranschlag. Die Aufnahme zeigt eine zunächst unübersichtliche Szenerie. Doch es ist zu erkennen, dass etwa ein halbes Dutzend Personen Sekunden nach dem Attentat aus unterschiedlichen Richtungen auf den zum Stillstand gekommenen Lkw zulaufen. Ein Mann fällt dabei auf. Er rennt von links ins Bild, orientiert sich kurz und nimmt dann offenbar etwas im hinteren Bereich der Fahrerseite des Lkw wahr. Er rennt dann auf eine Person zu. Es sieht so aus, als wolle er einem Verletzten helfen. Genau zu erkennen ist das aber nicht.
Ein weiterer Mann läuft von einem Auto, das auf der Budapester Straße steht, in Richtung des stehenden Lasters. Als er ganz nahe am Lkw und vor offenbar am Boden liegenden, verletzten Menschen ist, sieht man, dass er mit einem Handy das Geschehen vor ihm filmt. Des weiteren ist ein Mann zu erkennen, der in Richtung Bahnhof Zoologischer Garten läuft. Die Schuhe des Mannes haben weiße Sohlen. Das könnte Amri sein, fest steht das aber nicht. Den Aufnahmen zufolge könnte das Video bestätigen, dass der Attentäter Hilfe beim Anschlag hatte.
Terrorist Amri verübte am 19. Dezember 2016 ein Blutbad auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Er wurde vier Tage später in Italien von der Polizei erschossen.
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Auf dem zweiten Video ist der Attentäter Anis Amri auf dem Weg zur U-Bahn in einem Durchgang zu sehen. Er nähert sich langsam der Überwachungskamera, die knapp unter der Decke befestigt ist. Als er sie entdeckt, zeigt er seinen rechten Zeigefinger, das Zeichen der IS-Terroristen.
Bereits im März vergangenen Jahres wollte der Amri-Untersuchungsausschuss das Video vom Tatort des Weihnachtsmarkt-Anschlags in Berlin einsehen. Doch erst jetzt liegen die Aufnahmen vor. Beim RBB übt das Mitglied des Amri-Untersuchungsausschusses Konstantin von Notz von Bündnis 90/Die Grünen Kritik an der Praxis. Dass das erst jetzt kommt, irritiere maximal, sagte er in einem Interview mit dem RBB. Er kritisiert in dem Zusammenhang auch ausdrücklich die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden mit dem Bundestagsuntersuchungsausschuss. Für Konstantin von Notz passt der Umgang der Sicherheitsbehörden mit diesem Video ins Bild. „Wir haben den Eindruck, dass man vonseiten der Ermittlungsbehörden versucht, so wenig Steine wie möglich umzudrehen, weil man Sorge hat, was man darunter finden kann.“ Der Bundestagsabgeordnete forderte, dass der Ausschuss diese Bilder akribisch auswertet. Denn sie könnten tatsächlich Aufschluss darüber geben, ob Anis Amri das Attentat – wie bislang von der Generalbundesanwaltschaft angenommen – allein begangen hat oder ob es doch Mitwisser, vielleicht sogar Mittäter, gegeben hat.
Die Aufnahmequalität sei nach Aussagen des Bundeskriminalamtes, bedingt „durch die schwachen Lichtverhältnisse zum Zeitpunkt“, zu schlecht und eine wie auch immer geartete „Verbesserung oder Aufbereitung“ nicht möglich.
Die Nachricht von der Verzögerung der Ermittlungen sorgte auch in den sozialen Netzwerken für Irritationen. So schreibt ein Nutzer: „Der Rest der Bevölkerung wiederum hat ein Anrecht darauf, umfassend und objektiv informiert zu werden. Um bei Wahlen korrekt entscheiden zu können. Auch und ganz besonders die Angehörigen. Und sie können wählen, was sie wollen, das BKA und die Bundesanwaltschaft benehmen sich wie ein Staat im Staate. Leider wird es wieder passieren. Auch die Schlamperei der Behörden. Ich habe aber den Eindruck dass es sich um gar keine Schlamperei handelt, sondern um ein ganz bewusstes Vorgehen eben dieser Behörden.“
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