Würden Sie sich an einem Ort aufhalten, an dem jeder zweite Gast beleidigt wird und jeder vierte sexuelle und körperliche Gewalt erfährt? Sicher nicht! Doch in sozialen Medien wie Facebook, X, Instagram, TikTok und YouTube ist dieses Verhalten Alltag.
Laut einer aktuellen Studie sind besonders junge Frauen in sozialen Netzwerken gefährdet, sexuelle Übergriffe zu erfahren. Auch Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund und queere Menschen seien dort Gewaltdrohungen und Beleidigungen ausgesetzt. Jeder zweite Nutzer wurde laut der Studie online schon mal beleidigt, knapp jede vierte mit körperlicher oder sexualisierter Gewalt konfrontiert. 86 Prozent der Befragten finden, dass Social-Media-Plattformen mehr Verantwortung übernehmen müssten.
Das Problem: Social-Media-Plattformen profitieren von diesem Hass. Je mehr wir reagieren, kritisch kommentieren, liken und posten, desto besser für sie. Neugier und Emotionen halten das Geschäft am Laufen. Wenn der Mega-Konzern Meta (Instagram, WhatsApp, Facebook) wollte, würden alle Hass-Inhalte noch heute aus ihren Netzen verschwinden. Aber sie wollen es nicht. Sie haben kein Interesse daran, etwas zu ändern. Und sie reagieren nur, wenn sie dazu gezwungen werden.
Der Digital Service Act soll sicherstellen, dass illegale Inhalte schneller entfernt werden
Viele Staaten versuchen jetzt, die Gesetze zu verschärfen, damit gefährliche Inhalte schneller von diesen Plattformen verschwinden. So wie der Digital Services Act. Das EU-Gesetz soll dafür sorgen, dass illegale Inhalte wie Hassreden schneller online entfernt werden.
79 Prozent der Befragten finden übrigens, dass Social-Media-Plattformen auch finanzielle Verantwortung für die durch Hass im Netz entstehenden gesellschaftlichen Schäden tragen sollten. Das finde ich auch. Doch Meta und Co. haben tiefe Taschen. Sie werden erst etwas ändern, wenn die Strafen richtig weh tun.■
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com