Hanna Schygulla (75)

Diese Frau ist ein Geschenk

Sie war Fassbinders Muse, jetzt setzt sie sich für den Nachwuchs ein.

BK
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Hanna Schygulla bei der Verleihung des Deutschen Schauspielerpreises in Berlin.

Hanna Schygulla bei der Verleihung des Deutschen Schauspielerpreises in Berlin.

© imago

Sie ist bist heute dem Film verbunden – vor und hinter der Kamera. Ihre neuen Projekte allerdings setzen nicht glamourös am Roten Teppich an, sondern an der Basis. Seit einiger Zeit arbeitet Schygulla unter anderem mit jungen Flüchtlingen in Filmprojekten. Nun will sie einen Nachwuchspreis etablieren – für grenzüberschreitende und kulturvereinenden Filmprojekte.

Eine Szene aus Le Mariage de Maria Braun.

Eine Szene aus Le Mariage de Maria Braun.

© imago

„Es geht in meinem Alter im Leben nicht mehr ums Beschenktwerden, sondern darum, dass man selbst etwas in die Welt setzt, was bereichern könnte und etwas in Bewegung bringt“, sagt Schygulla, die selbst nach dem Krieg als Flüchtlingskind nach München kam und am 25. Dezember 75 Jahre alt wird.

Fassbinder war es, der sie an sein Theater holte – in seinen Filmen wurde sie zum Star

Sie pendelt zwischen zwei Welten, lebt in Paris und Berlin. Die Flucht aus Schlesien, die Kindheit in Bayern und die frühe Lust am Anderssein, das Verhältnis zum Vater nach der Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft – ein Fremder, der sie nicht in den Arm nehmen kann: Das hat sie geprägt. So habe sie „in der Luft gehangen“, sagte sie , ein Gefühl, das sie zeitlebens begleitete.

Schygulla in einer Filmszene in Berlin Alexanderplatz 1980.

Schygulla in einer Filmszene in Berlin Alexanderplatz 1980.

© imago

Sie pendelt zwischen dem Jungen, den ihr Vater gern gehabt hätte, der schönen Prinzessin, dem Flüchtlingskind und dem Münchner Kindl, dem Dickkopf und der Tagträumerin; später dann zwischen der intellektuellen Romanistik- und Germanistik-Studentin und der „Vorstadt-Marilyn“. Fassbinder war es, der sie an sein Theater holte – in seinen Filmen wurde sie zum Star.

Ihre graue Mähne trägt sie mit Gelassenheit

„Er war sicherlich für meinen Lebenslauf der entscheidendste Mann – denn ohne ihn wäre ich gar keine Schauspielerin geworden. Ich war ja schon von der Schauspielschule abgegangen. Da hat er sich an mich erinnert.“ Nach 20 Filmen mit ihm arbeitete Hanna Schygulla mit Regiegrößen wie Volker Schlöndorff und Jean-Luc Godard. Später stand die vielfach mit Preisen ausgezeichnete Schauspielerin auch selbst hinter der Kamera.

Den Geburtstag werde sie „ganz unaufwendig“ feiern, „im kleinen Kreis“, mit denen, „die ich jetzt zu meinen Berliner Freunden zähle“. Ob sie Angst vor dem Alter hat? Schygulla trägt ihre graue Mähne mit Gelassenheit – Färben ist keine Lösung. „Es ist eine Herausforderung, gerne älter zu werden“, sagt sie. (Sabine Dobel, dpa)

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