Kaltstart

Frankreich macht ernst: Kein Handy in der Oberstufe – doch die Schulen kriegen es nicht hin

Ab September soll in Frankreich auch bei den 15- bis 18-Jährigen das Handy aus bleiben. Die Lehrergewerkschaft hält den Termin für nicht haltbar.

Foto von Autor/Autorin: Tobias Esters
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Ein gelbes Verbotsschild am Zaun einer deutschen Schule – in Frankreich soll dieses Verbot ab September auch für die 15- bis 18-Jährigen gelten (Symbolfoto).

Ein gelbes Verbotsschild am Zaun einer deutschen Schule – in Frankreich soll dieses Verbot ab September auch für die 15- bis 18-Jährigen gelten (Symbolfoto).

© Christian Ohde/IMAGO

Frankreichs Gymnasien sollen von diesem Monat an handyfrei sein – und viele wissen nicht, wie sie das schaffen sollen. Präsident Emmanuel Macron hat das Verbot für die Lycées abgesegnet, also für die 15- bis 18-Jährigen. Der Zeitplan: Ab dem 1. September geht’s los. Der Haken: In vielen dieser Schulen ist das Smartphone längst Teil des Betriebs.

Massive Probleme zum Start des Handyverbots

Jerome Fournier, nationaler Sekretär der Lehrergewerkschaft SE-Unsa, hält den Termin für nicht haltbar. Zum 1. September aus dem Stand sei das Verbot nicht zu machen, sagte er dem britischen Guardian: Jede Schule müsse ihre Hausordnung ändern, und das bedeute Anhörung, Abstimmung, Beteiligung der Schülerschaft.

Dazu kommt ein Problem, das die Schulen sich selbst eingerichtet haben.

Stundenplan, Raumwechsel, Hausaufgaben – all das erfahren französische Oberschüler über Schul-Apps auf dem Handy. An manchen Schulen öffnet das Smartphone sogar die Mensa und leiht Bücher in der Bibliothek aus, berichtet Fournier. Ein Verbot trifft dort also nicht nur das Daddeln in der Pause.

Emmanuel Macron bei einem Auftritt im Ausland: Das Handyverbot für die Lycées hat er vor kurzem abgesegnet.

Emmanuel Macron bei einem Auftritt im Ausland: Das Handyverbot für die Lycées hat er vor kurzem abgesegnet.

© Atila Altuntas/IMAGO

Und dann sind da die Älteren: An Lycées laufen Ausbildungsgänge und Hochschulkurse, in denen 20-Jährige sitzen – für ihre Arbeit brauchen sie das Telefon.

Offen ist auch, wo genau das Verbot greifen soll: im gesamten Gebäude, in den Gängen, mit Ausnahme des Schulhofs? Fournier warnt vor einer Nebenwirkung. Wer telefonieren will, gehe vor das Tor, also auf die Straße. Dann wären Sicherheit und Verkehr das nächste Thema.

Handyverbot in Frankreich seit 2018

Frankreich betritt gerade kein unbekanntes Gebiet. Tatsächlich gilt das Handyverbot an Grundschulen und Colleges, also bis 15 Jahre, bereits seit 2018. Neu ist der Zugriff auf die Oberstufe. Neu ist auch der Anlass.

Macrons eigentliches Vorhaben war ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige. Der Verfassungsrat stoppte die erste Fassung im August: Der Begriff der sozialen Medien war so weit gefasst, dass auch Seiten mit bloßer Kommentarfunktion hätten darunterfallen können – ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Meinungsfreiheit. Kritisch sah das Gericht zudem die Altersprüfung für sämtliche Nutzer.

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