Denn die Berliner Behörden holen bei Temposündern die Lupe raus und schauen ganz genau hin. Wer dann am Handy rumspielt, während er fährt, muss doppelt blechen und bekommt zusätzlich einen Punkt in Flensburg.
Der Kampf gegen den gefährlichen Handy-Trend im Straßenverkehr wird intensiviert. Bei mobilen Polizei- und Streifenkontrollen wird schon länger darauf geachtet, wer am Steuer telefoniert.
Doch die Auswertung der Blitzerfotos hat in Berlin eine neue Qualität erreicht. Neben der Jagd auf Temposünder „eröffnet die Bildauswertung der mit Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungen sowie Radarfahrzeuge gefertigten Beweisfotos die Option, erkennbare Verstöße gegen das Handy-Verbot im Tatvorwurf ergänzend zu berücksichtigen“, erklärt Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU).
Heißt: Das Bildmaterial aus den 14 festen Blitzern und den 41 mobilen Blitzern (Zivilwagen) in Berlin wird systematisch nach Handyverstößen abgesucht.
Die ausgeweitete Jagd soll Handysünder langfristig abschrecken und gleichzeitig die Berliner Haushaltskassen aufbessern. Immerhin flossen im vergangen Jahr allein durch die festen Blitzer über 4,7 Millionen Euro Bußgelder in die Landeskassen.
Zukünftig soll das Netz sogar noch ausgebaut werden. Krömer kündigte Anfang des Jahres an: „Wir denken darüber nach, ob wir weitere Geräte in der Stadt aufstellen.“
2013 wurde das Strafmaß bei Handysündern von 40 auf 60 Euro angehoben, dazu gibt es einen Punkt. Trotzdem dürfte die Dunkelziffer weiter hoch sein.
Dazu Peter Trapp (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses, zum KURIER: „Die Berliner Polizei führt erfolgreich Sonderaktionen durch, bei denen auch das Telefonieren am Steuer kontrolliert wird. Wenn man dann sieht, dass bei solchen angekündigten Aktionen schon viele Handy-Sünder erwischt werden: Wie muss es dann erst an anderen Tagen sein?“
Und weiter: „Ich fände es deshalb überlegenswert, sich die bisher bei der Polizei gesammelten Erfahrungen noch einmal vorzunehmen. Die Frage dabei müsste lauten, ob das aktuelle Strafmaß von 60 Euro Bußgeld und einem Punkt wirklich ausreicht.“
Laut Krömer sei das derzeitige Strafmaß aus Sicht des Senats „angemessen“. Immerhin seien auch schon erste Erfolge sichtbar. Denn die schärfere Verfolgung von Handysündern schlägt sich auf die Unfallzahlen nieder.
Während 2013 noch 38 Unfälle durch Handynutzer am Steuer verursacht wurden, waren es im vergangenen Jahr deutlich weniger (22) – und im ersten Halbjahr 2015 nur noch 8 Unfälle.
Zwischen 2012 und 2014 ging die Zahl der erwischten Handysünder am Steuer um knapp 3.200 auf 18.840 Ordnungswidrigkeiten zurück.
Dagegen steigen die Zahlen bei telefonierenden Radfahrern rapide an (2010: 1012; 2014: 1954.) Dieses Problem soll durch zusätzliche Fahrradstreifen und mehr mobile Polizeikontrollen bekämpft werden. MOW, LEX
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