Washington - Gebannt schaut die Welt auf den Golf von Mexiko: Erstmals seit drei Monaten strömt kein Öl mehr aus dem Bohrloch in 1500 Metern Meerestiefe - vorerst!"Aber es ist viel zu früh, um zu feiern", dämpfte BP-Topmanager Doug Suttles gestern voreiligen Optimismus. Nach vielen Fehlschlägen war es Konzern-Experten am Donnerstag um 21.20 MESZ endlich gelungen, eine Abdichtkappe über das Leck zu stülpen. Zunächst bleibe das Bohrloch lediglich zu Testzwecken versiegelt. Der provisorische Verschluss dauere möglicherweise nur 48 Stunden, danach müssten Schiffe wieder das Öl aufnehmen, erklärte BP-Manager Kent Wells. Alle sechs Stunden werde jetzt gemessen, ob das Steigrohr in der Tiefe dem Druck des Öls standhält, oder ob es neue Lecks gebe. Zwar war es den Ingenieuren gelungen, mithilfe von ferngesteuerten Robotern alle drei Ventile eines meterhohen Auffangzylinders zu schließen. "Doch die nächsten Stunden sind kritisch für das weitere Vorgehen", bekannte Manager Wells. Die Tests seien vergleichbar mit einem Daumen, der auf das Ende eines Gartenschlauchs drücke. Wenn sich der Druck nicht erhöhe, gebe es anderswo noch eine Öffnung ...Selbst wenn die neue Vorrichtung wie nach Plan funktionieren sollte - es ist nur eine Zwischenlösung. Den vollständigen Verschluss der Öl-Quelle sollen Entlastungsbohrungen mehrere Kilometer unter dem Meeresboden bringen. Damit wird aber frühestens Ende Juli oder Anfang August gerechnet. Bisherige Kosten für BP: 3,5 Milliarden Dollar (2,8 Mrd. Euro). Um die Öl-Katastrophe zu finanzieren, muss der britische Öl-Konzern Firmenteile verkaufen, voraussichtlich schon zum Ende dieses Monats.Greenpeace-Meeresbiologe Christian Bussau warnte vor den unermesslichen Naturschäden: "Wir müssen davon ausgehen, das eine Ölmenge zwischen 400 000 und 800 000 Tonnen Öl dort freigesetzt worden sind." Die Lehre aus dem Unglück könne nur sein: "Raus aus der Tiefsee ..."Bisher ist so viel Öl in den Golf von Mexiko geflossen, dass 45 000 Helfer mit den Rettungs- und Aufräumarbeiten mindestens noch bis in den Herbst beschäftigt sind. Rund 900 Kilometer Küste sind verseucht - alle fünf Bundesstaaten am Golf (Louisiana, Alabama, Florida, Mississippi und Texas) sind betroffen. Über 2000 Vögel, 500 Meeresschildkröten, 60 Meeressäuger kamen schon im Öl-verseuchten Wasser um.------------------------------Zwischenzeile: DECKEL IST WIE EIN DAUMEN AUF DEM GARTENSCHLAUCHZwischenzeile: LEHRE AUS DEM UNGLÜCK: RAUS AUS DER TIEFSEE!------------------------------BU: Dicht! Ob der Stöpsel hält, zeigt sich in 2-3 Tagen.
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