Berlin Es wird einsam um Karl-Theodor zu Guttenberg. Jetzt glauben offenbar die Kollegen aus dem eigenen politischen Lager ihm nicht mehr, dass er seine Doktorarbeit selbst geschrieben hat."Führende Koalitionskreise" gingen davon aus, dass der Verteidigungsminister "nicht selbst geschrieben hat", berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger unter Berufung auf hochrangige Politiker aus Union und FDP. Schließlich beginne bereits die Einleitung der Dissertation mit einem Plagiat. Und die Einleitung sei "das Persönlichste überhaupt".Harter Tobak, nachdem der Minister tags zuvor die Vorwärtsverteidigung angetreten hatte - deutlich machte, dass ein Rücktritt nicht in Frage kommt. Jetzt fallen die eigenen Leute von ihm ab. Und die Opposition legt nach. "Es entsteht der Eindruck, dass Teile der Doktorarbeit von Ghostwritern der Bundestagsverwaltung geschrieben wurden", giftet Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion.Grund für seine Attacke: der Spiegel enthüllt, dass der Ministerialrat Dr. Dr. Tammler vom Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages eine zehnseitige Ausarbeitung für Guttenberg anfertigte, die dieser komplett in seine Doktorarbeit übernahm - ohne Verweis auf Tammler, der namentlich in keiner von Guttenbergs Quellenangaben zitiert wird. Besonders brisant: Guttenberg hätte den Wissenschaftlichen Dienst ausdrücklich nur für eine "mandatsbezogene Tätigkeit" nutzen dürfen.Die Beweisfront gegen den smarten CSU-Politiker wird auch an anderer Stelle immer bedrohlicher. Nach Medienberichten soll er bei mindestens 19 Autoren abgekupfert haben. Spezialisten der Internet-Seite "Gutten-Plag" haben angeblich bisher auf 247 Seiten der Doktorarbeit Stellen gefunden, die kopiert sind - 62,8 Prozent aller Seiten. Speziell im Internet schwappt eine Welle der Empörung und der Häme über Guttenberg zusammen. In Anspielung auf den bekannten Kopiergerätehersteller wird der Bayer als "Karl-Theodor Xerox" verulkt. Im Englischen steht "Xerox" schlicht als Synonym für "kopieren". Außer dem Imageschaden muss der Freiherr jetzt auch noch mit Hohn und Spott leben.Über 57 Prozent der KURIER-Leser sind übrigens der Meinung, Guttenberg solle zurücktreten.------------------------------BU: Die Plagiatsvorwürfe gegen Minister zu Guttenberg nehmen an Heftigkeit zu. Immer neue Stellen werden aufgedeckt, die anscheinend von ihm kopiert wurden.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com