„Gruppe Freital“

Angeklagt: Der Hass!

Sieben Männer und eine Frau terrorisierten Flüchtlinge und Politiker.

BK
Lesezeit 3 Min
Die Angeklagten, 19 bis 39 Jahre alt, wurden in Handschellen ins Gericht geführt.

Die Angeklagten, 19 bis 39 Jahre alt, wurden in Handschellen ins Gericht geführt.

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Der erste Terrorprozess der sächsischen Justiz startete mit großer Aufregung, Sprengstoffhunde hatten am frühen Morgen angeschlagen – letztlich ein Fehlalarm. So standen erst eine Stunde später als geplant die Neonazis der „Gruppe Freital“, sieben Männer und eine Frau, vor dem Oberlandesgericht Dresden. Angeklagt unter anderem wegen versuchten Mordes und Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung.

Die Nervosität war groß, schärfste Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gebäude, das eigentlich für die Erstaufnahme für Flüchtlinge geplant war und jetzt als Gerichtssaal dient. Für einen Prozess, in dem es um Anschläge gegen Flüchtlinge geht.

Eine von Polizei gesicherte Asylunterkunft im sächsischen Freital. 

Eine von Polizei gesicherte Asylunterkunft im sächsischen Freital. 

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Die „Bevölkerung verunsichern“ und ein „Klima der Angst“ hätten die Angeklagten erzeugen wollen, sagte der Vertreter des Generalbundesanwalts, Jörn Hauschild. Ziel der Gruppe sei es gewesen, ihre „rechtsextremistische Gesinnung mittels Anschlägen durchzusetzen“.

Spätestens im Juli 2015 sollen sich die acht zu einer rechtsterroristischen Vereinigung zusammengeschlossen haben. Zu der Zeit, als rassistischer Proteste gegen eine Flüchtlingsunterkunft in der sächsischen Kleinstadt Freital aufbrandeten.

Der Hamburger Timo S. ist als Rädelsführer der rechtsextremen Gruppe angeklagt.

Der Hamburger Timo S. ist als Rädelsführer der rechtsextremen Gruppe angeklagt.

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Als führender Kopf gilt der aus Hamburg stammende Neonazi Timo S. Sein Gesinnungsgenosse, der Dresdner Patrick P. sei für die technischen Details der Anschläge zuständig gewesen. Er habe die Sprengsätze vorbereitet. Bei den fünf angeklagten Anschlägen kamen illegale Böller aus Tschechien zum Einsatz, von denen einige die 130-fache Sprengkraft der in Deutschland zulässigen Pyrotechnik besaßen. 

Mike S. versteckte sich unter seiner Kapuze, als der den Gerichtsraum betrat.

Mike S. versteckte sich unter seiner Kapuze, als der den Gerichtsraum betrat.

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Die Beschuldigten attackierten laut Anklage Flüchtlingsunterkünfte in Freital, ein Parteibüro der Linken und das Auto eines Linke-Politikers in der Kleinstadt sowie ein alternatives Wohnprojekt in Dresden. Bei einem der Sprengstoffanschläge verletzten herumfliegende Glassplitter einen Syrer am Auge und im Gesicht. Dass niemand schwerer verletzt wurde oder zu Tode kam, ist nur glücklichen Umständen zu verdanken.

Maria K. , einzige Frau in der Nazi-Truppe, räumte in, Schuld auf sich geladen zu haben.

Maria K. , einzige Frau in der Nazi-Truppe, räumte in, Schuld auf sich geladen zu haben.

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„Wir sind bedroht und eingeschüchtert worden“, sagte eine Betroffene am Rande des Prozess’ der Leipziger Volkszeitung. „Ja, die Angeklagten haben Freital terrorisiert.“ Sie hätten den Tod von Menschen in Kauf genommen, ganz bewusst. Der Vorsitzende Richter Thomas Fresemann hatte die Anklageverlesung entgegen Anträgen der Verteidiger durchgesetzt. Die hatten sowohl die Besetzung des Gerichts bemängelt als auch einen Befangenheitsantrag gegen Fresemann stellen wollen.

Timo S., Patrick F. und Philipp W. sitzen seit November 2015 in U-Haft, Rico K., Sebastian W., Philipp W., Justin S., Maria K. und Mike S. seit April 2016. Wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung drohen ihnen bis zehn Jahre Haft. Versuchter Mord kann mit bis zu 15 Jahren bestraft werden.

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