Berlin - Sie steckt in der schlimmsten Krise ihrer steilen Karriere: Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sieht sich täglich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Aus Sicht der SPD ist Aigner "doppelt gescheitert". Gestern forderte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin Bundeskanzlerin Merkel auf, Aigner zu entlassen. Die Ministerin erkenne die wahren Probleme nicht und sei "fehl am Platze". Anders als von Aigner behauptet, sei im Dioxin-Skandal keineswegs alles wunderbar gelaufen.Die SPD verschärfte ihren Ton. Parteichef Sigmar Gabriel forderte Innenminister Thomas de Maizière auf, "die offensichtlich überforderte Aigner" zu unterstützen und das Bundeskriminalamt gegen die "Futtermafia" einzusetzen. Derzeit werde "jede Dönerbude durch das Gesundheitsamt schärfer kontrolliert als die Futterindustrie".Offiziell stellten sich FDP und CSU vor Aigner. Laut FAZ.net regt sich aber selbst in der Bundesregierung Unmut. Kanzlerin Angela Merkel sei unzufrieden mit ihrem Krisenmanagement, ebenso Fraktionschef Volker Kauder. Tenor der Kritik: Aigner hätte deutlicher "die Initiative an sich ziehen müssen".Angesichts der massiven Kritik tritt Aigner die Flucht nach vorne an. Sie will heute einen neuen Aktionsplan mit schärferen Kontrollen vorstellen. Die SPD-regierten Länder legten einen eigenen Forderungskatalog vor. Er sieht eine Zulassungspflicht für Futtermittelbetriebe vor. Eine "Bundesaufsicht für Lebensmittel", fordert der Verbraucherzentralen-Bundesverband. Ein "Reinheitsgebot" für Futtermittel will Renate Künast (Grüne). "Foodwatch" schlägt eine "Beprobungspflicht" für alle Futtermittel-Chargen vor.Unterdessen wurde bekannt, dass 180 Dioxin-Schweine bereits in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) geschlachtet und verarbeitet wurden. Die Kieler Agrarministerin Juliane Rumpf (CDU) warnte vor den "verheerenden Folgen" einer Insolvenz der Futterfett-Firma Harles und Jentzsch für die Bauern. Der Insolvenzverwalter Heiko Fialski (Hamburg) prüft, ob die Firma eingeschränkt weiterarbeiten kann, damit die Interessen der Gläubiger besser gewahrt werden.------------------------------
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com