Wolf, der in verschiedensten Positionen seit einem Vierteljahrhundert mit Gysi zusammenarbeitete: „Es gab immer wieder Streit, aber in der großen Linie waren wir immer einig.“ Gysi habe die Linke stabilisiert, man könne seine persönliche Leistung nicht hoch genug einschätzen: „Ohne ihn gäbe es uns nicht mehr als Partei.“ Der Abgeordnete Steffen Zillich meint: „Er ist eine Persönlichkeit, die nicht oft vorkommt. Er wird uns als Vermittler zwischen der Politik und den Menschen fehlen.“ Er sei traurig, aber der Rücktritt sei nicht überraschend gekommen.
Nicht nur im Abgeordnetenhaus herrscht bei den Linken gedämpfte Stimmung – auch in der Parteizentrale gestehen Mitglieder feuchte Augen ein. Vor allem, als Gysi während seiner Rede die Stimme wegblieb. Landesvorstandsmitglied Antje Schiwatschev: „Es ist traurig, weil es schwierig ist, wenn sich eine so kluge Person zurückzieht. So ein Schritt geht ans Herz.“ Sebastian Koch, Bezirksvorsitzender in Friedrichshain-Kreuzberg: „Gregor ist ein faszinierendes Vorbild, er musste viel ertragen. Das hat er mit Bravour gemeistert.“ Die Partei stehe jetzt vor der Ungewissheit, was nach Gysi kommt. Andererseits sei sie gezwungen, seinen Abgang als Chance zu begreifen.
„Ich hoffe, dass er kürzer tritt“, sagt Uta Wagner, die für den Bundesvorstand arbeitet. Sie gönne es ihm, dass er als Fraktionschef aufhöre: Gleichzeitig setzt sie darauf, dass Gysi die Partei weiter unterstützt: „Er ist ja noch da.“
Im Abgeordnetenhaus sagt Fraktionsreferent Dieter Zahns: „Es war der richtige Zeitpunkt.“ Man könne jetzt bis zum Herbst nachdenken, wie sich die Partei ohne Gysi ordentlich präsentieren kann. Berlins Linke-Chef Klaus Lederer meint, dass das schwierig wird: „Wer auch immer in die Fußstapfen von Gregor im Bundestag treten wird, wird eine große Lücke zu füllen haben.“ GL
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