Gran Canaria

Wo die Liebe Party macht

Wer Single ist und auf der Suche nach einem Partner, sollte einen Bogen um Gran Canaria machen. Für Pärchen aber ist die Insel ein Paradies.

BK
Lesezeit 4 Min

Zärtlich streichelt Helene den kleinen Finger von Reiner, wirft ihm verliebte Blicke zu. Der 19-Jährige schiebt seine Hüfte nah an den Po seiner Freundin. Beide zucken wild, Helenes Arm schnellt stakkatoartig in die Luft. Die beiden sprechen nicht viel, ihre nicht enden wollenden Berührungen sagen genug. Wie den beiden Mainzern geht es vielen, hier im „Club Ozono“. „Sun is up“ von Inna, einer der Hits des Sommers, pumpt aus den Boxen, die Masse hüpft. Geflirtet wird hier aber nur mit dem Partner.

„Wir sind seit vier Monaten zusammen“, sagt Reiner lächelnd, „ich glaube, ich habe die erste große Liebe meines Lebens gefunden. Gran Canaria ist unser erster gemeinsamer Urlaub, denn wir wollten nicht irgendwohin fliegen, wo nur Singles sind.“ Sie haben die richtige Wahl getroffen.

Ortswechsel ins „Kabash“, dem Shopping-Center von Playa del Inglés. Hier sind die meisten Bars, Pubs und Clubs. Ab 23 Uhr ist die Hölle los – auch Paare wollen Vorglühen. Die Preise: anständig! Die meisten Kneipen bieten Happy Hour an, ein Bier (also zwei) für 6 Euro, Longdrinks 5 Euro.

Im „Rogers“ treffen wir Olivia und Robin aus Essen. Auch sie schmiegen sich verliebt aneinander. „Für mich ist sie die Schönste der ganzen Welt“, schwärmt der Kfz-Mechatroniker. „Auf Ibiza oder in der Türkei oder auf Mallorca, wo wir auch schon waren, wird Olivia ständig angesprochen, Männer wollen ständig mit ihr tanzen.“ Das hat schon oft zu Komplikationen geführt, bestätigt Olivia. Auch nach sieben Jahren Beziehung. „Weil ich dann eben mit den Jungs getanzt habe, wenn Robin nicht wollte.“

Auf Gran Canaria haben die beiden ihre Ruhe, nur ab und zu linst doch ein verirrter Single herüber. Die beiden ziehen weiter ins „Titanic“, eine der typischen Touristen-Discos mit Chart-Musik am Regler-Anschlag.

Auch im „Jumbo“, fünf Taxi-Minuten (sehr billig auf Gran Canaria) entfernt, ist es laut, sehr laut sogar. In dem zweiten aus dem Boden gestampften Shopping-Center feiert die andere Seite der Pärchenwelt, hier lassen es Homosexuelle in mehr als zwanzig Schwulenbars krachen.

Wie Jörg aus Pankow und sein Freund Manuel. Die beiden sind zum achten Mal auf der Insel. „Gran Canaria ist das schwule Urlaubsziel schlechthin. Selbst Berlin kann mit seiner Gay-Szene mit dem schwulen Leben hier kaum mithalten. So viele Homosexuelle auf einen Fleck gibt es in keinem anderen Gebiet.“

Während er das erklärt, nestelt ein Fremder im „Chupa Chupa“ an seinen Hosentaschen, reibt seinen muskelbepackten Waschbrettbauch an Jörgs Rücken. Sein Liebster Manuel lacht – auch er flirtet viel zu offensichtlich mit einem durchtrainierten Latin Lover: „Schwule sind eben offener."

Jene Offenheit ist auch das Lebens-Credo von Birgit und Wolfgang. Für sie ist Gran Canaria eine einzige Paar-Party. Die beiden sind Swinger mit Herz und Seele. Der PR-Berater erklärt: „In den letzten zwei, drei Jahren ist die Partnertausch-Szene hier explodiert. Mittlerweile gibt es acht Kennenlern-Bars und fünf Clubs, in deren Räumlichkeiten dann gefeiert wird.“

Gefeiert? „Na klar, auch wir zappeln ab, auch wir trinken gern mal einen. Nur, dass dann später oder auch schon auf der Tanzfläche Hüllen und Hemmungen fallen.“
Soweit wird es bei Helene und Reiner nicht kommen. Gegen 4 Uhr verlassen sie den „Club Ozono“ Richtung Hotel. Noch immer streichelt die Studentin den kleinen Finger ihres Freundes, noch immer wirft sie ihm verliebte Blicke zu. In seinen Augen glitzert die Liebe, er wird es ihr im Hotel beweisen – dem Ende der Partynacht auf der Pärcheninsel...

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