Rathenow - Eine Stadt in Trauer. Zwei Jungen (beide 15) sind tot, weil sie ein großes Graffiti sprühen wollten. Eines der sogenannten Königsklasse. An einen Zug, der damit anschließend durch Europa saust. Bernhard K. und Oliver Z. riskierten Kopf und Kragen dabei. Und verloren ihr junges Leben bei ihrer Mutprobe."Wir sind total erschüttert und hoffen, dass die anderen Jugendlichen jetzt aufwachen", sagt Andreas Buchholz, Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Rathenow. Er machte die Graffiti-Tragödie gestern in seiner Sonntagsmesse zum Thema. Pfarrer Buchholz spendete Trost, sprach auch mahnende Wort. Seit geraumer Zeit bemühen sich Kirche und Kommune um die Sprayer der Stadt.Rathenow ist so etwas wie die kleine Graffiti-Hochburg in Brandenburg, mit etwa 200 Anhängern. "Wir sind da dran", sagt Andreas Buchholz. Der Jugendpfarrer Wolf Schöne kümmert sich um die Jugendlichen und beim Diakonischen Werk gibt es ein Graffiti-Projekt.Bernhard K., genannt Remo, und sein Freund Oliver Z. gehörten schon zum Kern der Szene. Am Freitagmorgen wurden die Schüler an der Havelbrücke von Rathenow von einem ICE erfasst. Sie wollten offenbar einen stehenden Güterzug besprühen. Als der plötzlich anfuhr, sprangen sie vor Schreck auf das andere Gleis und direkt vor den ICE 375 aus Berlin. Bernhard war sofort tot, Oliver wurde der rechte Arm abgerissen. Er starb im Krankenhaus (KURIER berichtete).Der Tod der beiden Jungen ist kein Einzelfall (s. Kasten). Jedes Jahr sterben etwa 40 junge Menschen auf Bahnanlagen - viele sind Sprayer, denen es dabei um ein Graffiti der Königsklasse geht.------------------------------BU: Bernhard K. liebte sein Hobby. Polizisten nach der Tragödie fanden seine Spraydosen auf den Gleisen.
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