Gold-Fieber

Die Jagd nach dem Nazi-Zug

Wie Menschen in Polen den Tumult um den vermeintlichen Schatz erleben

BARBARA KOWALLIK und JÜRGEN KOWALLIK
Lesezeit 2 Min
Eine alte Mine in Walbrzych.

Eine alte Mine in Walbrzych.

© dpa Lizenz

Schatzsucher und Neugierige geben sich die Klinke in die Hand. Und obwohl noch nichts bestätigt, noch nichts geborgen ist, streiten sich schon die ersten darum, wem der Schatz gehören könnte.

Dorota S. (Name geändert) spürt die Änderungen hautnah. Sie ist Angestellte in einem Hotel. „Es sind viele Touristen, darunter auch Schatzjäger, unterwegs. Der vergangene Sommer war gut. Doch jetzt haben wir viel mehr Gäste in den Hotels“, sagt Dorota S. dem KURIER. „Von zwei Engländern weiß ich genau, dass sie professionelle Schatzjäger sind. Sehr gierig. Sie wohnen in einem anderen Hotel, aber sie sind in der ganzen Stadt bekannt.“

Alles fing an, nachdem ein Pole und ein Deutscher die Entdeckung eines gepanzerten Nazi-Zugs in der Gegend von Walbrzych (Waldenburg) in Niederschlesien gemeldet hatten. Verschüttet in einem von Zwangsarbeitern angelegten Tunnelsystem.

Kilometerlange Stollen im Felsen. Dort wollten die Nazis unterirdische Rüstungsfabriken und ein bombensicheres Führerhauptquartier verbergen. Doch als das Kriegsende nahte, sprengten die Nazis einige der Stollen. In einem angeblich ein Zug voller Gold. Vielleicht sogar das Bernsteinzimmer.

Jetzt sind in den Wäldern Schatzjäger mit Detektoren unterwegs. Die Polizei patrouilliert und Experten warnen, die Stollen könnten vermint sein. Auch bei den Einwohnern dreht sich alles ums Gold. Dorota S.: „Ob im Gemüse- oder im Fleischerladen, Mütter auf den Spielplätzen. Überall wird davon gesprochen.“

Ob es das Gold wirklich gibt? „Die Meinung ist geteilt. Manche sind skeptisch, halten die Geschichte für das Ungeheuer von Loch Ness. Andere glauben daran“, sagt Dorota S.

Streit um die Besitzrechte gibt es schon. Der russische Jurist Michail Ioffe zur „SZ“: „Falls Eigentum vom Territorium der Sowjetunion entfernt wurde, muss es Russland übergeben werden.“

Auch der Jüdische Weltkongress hat Ansprüche angemeldet. Geschäftsführer Robert Singer sagt, sollte das Nazi-Gold von ermordeten Juden stammen, sollten es die Erben erhalten. Wenn es keine Erben mehr gäbe, sollten polnische Holocaust-Überlebende damit entschädigt werden.

Auch Polen selbst streckt die Hand aus. Vize-Kulturminister Piotr Zuchowski: „Die Analyse, die wir mit unseren Anwälten durchgeführt haben, kam zum Ergebnis, dass der Zug, wenn er gefunden wird, zum polnischen Staatsschatz gehört.“

Auch auf unterer Ebene gibt’s Begehrlichkeiten. Dorota S.: „Unsere Nachbarstadt Breslau argumentiert, dass der Zug von dort losgefahren wäre…“

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