Gleich in sieben Bundesländern werden in den kommenden Monaten die Karten neu gemischt. Für die Volksparteien steht viel auf dem Spiel. Wer hat welche Chancen? Ein kleiner Überblick

Das Kreuz mit dem Kreuz

BK
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Heute in einer Woche geht's los mit dem ersten Urnengang im Superwahljahr 2011 - insgesamt sieben Landtagswahlen stehen an. Zuerst werden die Hamburger in die Wahlkabinen gerufen, im September setzen die Berliner den Schlusspunkt. Ein spannender Wahl-Marathon. Während in Hamburg der Machtwechsel zugunsten der SPD sicher scheint, könnte es andernorts einige Kopf-an-Kopf-Rennen geben. Die Grünen können darauf hoffen, gleich in zwei Bundesländern erstmals den Regierungchef zu stellen: in Baden-Württemberg und Berlin. Der FDP dagegen stehen einige Zitterpartien bevor. Ein kleiner Überblick mit aktuellen Umfragen.------------------------------HamburgDie SPD reibt sich schon die HändeDen Auftakt im Wahlreigen macht Hamburg. Dort war Ende November die schwarz-grüne Koalition geplatzt. Die Grünen hatten Christoph Ahlhaus (CDU) die Gefolgschaft aufgekündigt, er hatte kurz zuvor Ole von Beust im Bürgermeisteramt beerbt. Am nächsten Sonntag, den 20. Februar, gibt es vorgezogene Bürgerschaftswahlen. Die SPD reibt sich schon die Hände: Während die CDU dramatisch abstürzte - laut Infratest dimap liegt sie bei 23,5 Prozent - steht die SPD mit Spitzenkandidat Olaf Scholz (früherer Bundesarbeitsminister) äußerst komfortabel da: 45 Prozent ergab die Umfrage, so viel hatten die Sozialdemokraten in der Hansestadt seit 1991 nicht mehr. Scholz hat nach derzeitigem Stand freie Partner-Wahl. Noch bekennt er sich zur Grün-Alternativen Liste (GAL), die mit 14 Prozent dabei wäre. Avancen bekommt er aber auch von der FDP, die, mit der jungen Katja Suding an der Spitze, nach längerer Auszeit die 5-Prozent-Hürde wieder erklimmen könnte. Die Linke ist derzeit bei 5,5 Prozent; sie würde in der Bürgerschaft verbleiben.------------------------------BremenNeues Wahlrecht, alte VerhältnisseIm kleinsten Bundesland werden große Überraschungen ausbleiben. Bremen wählt mehrheitlich SPD. Seit 65 Jahren schon regieren die Sozialdemokraten in der Hansestadt, derzeit in einer gut funktionierenden Koalition mit den Grünen unter Bürgermeister Jens Böhrnsen, der bei der Bürgerschaftswahl am 22. Mai erneut als SPD-Spitzenkandidat antreten wird. (Wir kennen ihn übrigens auch als Interims-Bundespräsident nach dem Rücktritt von Horst Köhler.) Böhrnsen wird also aller Voraussicht nach im Amt bleiben. Wohl aber wird die SPD einen erstarkten Juniorpartner an ihrer Seite haben - die Grünen haben bei den Umfragen zugelegt. Die Bremer CDU geht mit Rita Mohr-Lüllmann erstmals mit einer Frau an der Spitze ins Rennen. Spannend für die Bremer: Das neue Wahlrecht! Sie können fünf Stimmen abgeben - allein für einen Kandidaten oder verteilt auf mehrere. Aufgrund der vielen Stimmen wird es keine Wahlzettel geben, sondern ein Wahlheft. Eine weitere Neuerung: Auch 16- und 17-Jährige sind wahlberechtigt.------------------------------Rheinland-PfalzDer Thron von König Kurt wackeltSeit 17 Jahren regiert Kurt Beck in Rheinland-Pfalz; damit ist er der am längsten amtierende Ministerpräsident. Seine Partei, die SPD, hat seit fünf Jahren sogar die absolute Mehrheit im Landtag. "König Kurt" will an der Macht bleiben. Doch ganz so einfach werden es ihm seine Landeskinder diesmal nicht machen. Der Thron wackelt gewaltig - laut ZDF-Politbarometer käme die SPD bei der Wahl in sechs Wochen nur noch auf 37 Prozent. Die Grünen aber könnten als Koalitionspartner für eine fünfte Amtszeit Kurt Becks sorgen. Sie sind zwar derzeit gar nicht im Landtag, würden aber laut Umfrage mit 13 Prozent wieder triumphal einmarschieren. Um die Grünen buhlt aber auch die CDU, die die energische Julia Klöckner, Staatssekretärin im Bundesagrarministerium, als Spitzenkandidatin in Stellung gebracht hat. Die Christdemokraten können mit 35 Prozent rechnen, in Mainz könnte es also auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinauslaufen. Für FDP und Linke steht eine Zitterpartie an, beide hangeln nach den aktuellen Umfragen an der 5-Prozent-Klippe.------------------------------Mecklenburg-VorpommernGrüne stehen vor einem NeueinstiegSeit 2006 führt SPD-Mann Erwin Sellering die Regierungsgeschäfte in Mecklenburg-Vorpommern an der Spitze einer rot-schwarzen Koalition. Der gebürtige Westfale hat gute Chancen, im Amt zu bleiben. Laut jüngster Forsa-Umfrage zur Wahl am 4. September bleibt die SPD stärkste Kraft mit 32 Prozent. Gefolgt von der CDU mit 29 Prozent, deren Spitzenkandidat (und Innenminister) Lorenz Caffier den Chefposten in der Schweriner Staatskanzlei anstrebt. Die Linke, die mit Fraktionschef Helmut Holter zum ersten Mal mit eigenem Spitzenkandidaten in die Wahl zieht, musste mit einem Umfragewert von 15 Prozent einen Tiefschlag einstecken. Die Grünen könnten erstmals ins Parlament einziehen, sie liegen bei 8 Prozent. Damit wäre auch ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis möglich. Die FDP kommt auf 6 Prozent. Die rechtsextreme NPD liegt bei 5 Prozent, könnte im Herbst raus sein.------------------------------BerlinSignale für eine Große KoalitionDie letzte Wahl 2011 haben die Berliner - am 18. September zum neuen Abgeordnetenhaus. Eine angriffslustige Renate Künast, Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, ist angetreten, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) aus dem Amt zu werfen. Was zunächst erfolgversprechend schien: Die Umfragen gaben den Grünen bis 30 Prozent. Mittlerweile hat sich der Hype gelegt - aktuell sind die Grünen bei 24 Prozent. Die stärkste Kraft ist wieder die SPD mit 28 Prozent. Die CDU mit Spitzenkandidat Frank Henkel liegt bei 20 Prozent - und bekommt Avancen für nach der Wahl. Künast zeigte sich allen Koalitionsmöglichkeiten gegenüber offen, auch einem schwarz-grünen Bündnis. Auf Seiten der SPD wiederum sehen Experten Signale, dass die sich vom Koalitionspartner, der Linken (17 Prozent), zur CDU hin umorientiert. Die FDP schafft derzeit die 5-Prozent-Hürde nicht.------------------------------Sachsen-AnhaltSo oder so kommt ein neuer ChefEines ist sicher: Der Chefposten in Sachsen-Anhalt wird auf jeden Fall neu besetzt. CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, der seit 2006 eine Große Koalition mit der SPD anführt, tritt nicht mehr an. Seine Stelle als Landesvater will CDU-Wirtschaftsminister Reiner Haseloff übernehmen, die aktuellen Umfragewerte sehen ihn schon da. Die CDU liegt in der Wählergunst vorn, mit 32 Prozent laut Infratest dimap. An zweiter Stelle steht die Linke mit 28 Prozent. Spitzenkandidat Wulf Gallert könnte sich ebenfalls Hoffnung auf das Ministerpräsidenten-Amt machen, doch die Avancen an den potenziellen Juniorpartner SPD, der bei 22 Prozent steht, prallen ab. Deren Spitzenkandidat (und Finanzminister) Jens Bullerjahn setzt weiter auf das Bündnis mit der CDU. Die Grünen könnten nach 13 Jahren wieder im Magdeburger Landtag sitzen, die Umfrage sieht sie bei 8 Prozent. Die FDP muss zittern, sie ist bei 4 Prozent.------------------------------Baden-WürttembergDie CDU trotzt "Stuttgart 21"Der Streit um "Stuttgart 21" und jede Menge Bürgerwut hat die politische Landschaft in Baden-Württemberg mächtig aufgewirbelt. Ausgerechnet im konservativen Schwabenland, in dem seit 58 Jahren die CDU denMinisterpräsidenten stellt, könnte erstmals ein grüner Regierungschef ins Amt kommen. Doch ganz so düster wie noch vor wenigen Monaten sieht es für den amtierenden Ministerpräsidenten Stefan Mappus nicht mehr aus, die CDU liegt in verschiedenen Umfragen um die 40 Prozent. Die FDP wäre mit 6 Prozent dabei. Damit sind die politischen Lager in etwa gleichauf. Die Grünen mit Winfried Kretschmann an der Spitze bilden die zweitstärkste Kraft mit 25 Prozent, die SPD liegt bei 19 Prozent. Verpasst die Linke den Einzug in den Landtag, wonach es derzeit aussieht, wird Mappus wohl im Chefsessel bleiben. Wobei die CDU auch vom besonderen Wahlsystem im Ländle profitiert.------------------------------Grafik: Diese Landesparlamente werden neu gewählt.

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