Hunderte Mieter haben Angst

Giftalarm im Märchenviertel

Berlin Märchenviertel heißt die Gegend nahe des S-Bahnhofs Köpenick wegen der Straßennamen. Es fällt aber von oben kein Gold, stattdessen lauert dort offenbar ein erhebliches Risiko für die Gesundheit.

BK
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Märchenviertel-Bewohner zeigen ihre Briefe von Vermieter GSW. Sie zahlen Miete für die Dachböden.

Märchenviertel-Bewohner zeigen ihre Briefe von Vermieter GSW. Sie zahlen Miete für die Dachböden.

© Klaus Oberst Lizenz

Letzte Woche flatterten hunderten Bewohnern ein Schreiben von Vermieter GSW ins Haus, wonach Dachböden nicht mehr betreten werden dürfen. Es werde „befürchtet“, dass einst „gesundheitsschädliche Chemikalien“ verwendet wurden. Sylvia R. (42) wohnt seit 14 Jahren in der Mittelheide, sagt geschockt: „Ich habe einen 13-jährigen Sohn, der unter Asthma und Allergien leidet. Woher er das hat, konnte bisher niemand erklären.“

Um welche Gifte es sich handeln könnte, teilte die GSW nicht mit, worauf Sylvia R. sauer ist: „Anstatt uns zu informieren und Miete zu mindern, werden nur Schlösser ausgetauscht.“ Nachbar Werner T. (70): „In den 80er- Jahren wurde auf den Dachböden die DDR-Holzschutzmittel Kombinal und Hylotox verwendet. Es gab ja nichts anderes.“

So bestand Hylotox IP zu mindestens fünf Prozent aus dem krebserregenden Pilzgift PCP. Chronische Belastungen führen zu Leberschäden, Atemwegserkrankungen. Eine andere Hylotox-Variante enthielt das Insektizid DDT, das 1977 im Westen verboten wurde. Sylvia R. fordert: „Wir wollen endlich Klarheit.“ Für die GSW wird’s teuer – wie die „Entgiftung“ von Schloss Köpenick zeigt. Die kostete bei der damaligen Sanierung 11,5 Millionen Mark.

SCHA

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