Pallasseum in Schöneberg

Sozialpalast gehört jetzt Berlin

Der Senat greift weiter massiv in den Berliner Wohnungsmarkt ein.

Elmar Schütze
Lesezeit 2 Min
Das Pallasseum ist berühmt für seine Fassade mit vielen Balkons voller Satellitenschüsseln.  

Das Pallasseum ist berühmt für seine Fassade mit vielen Balkons voller Satellitenschüsseln.  

© imago/Schöning

Das Pallasseum, auch Sozialpalast genannt, ist eines der markantesten Gebäudeensembles des alten West-Berlin: Charakteristisch ist die Überbauung an der Pallasstraße mit seiner Fassade voller Satellitenschüsseln. Nach Auskunft von Baustaatssekretär Sebastian Scheel (Linke) fand der Kauf präventiv statt. Damit sichere man günstigen Wohnraum langfristig.

„Pallasseum“ als Name zur Imagepolitur

Schon das Vorgängergebäude war legendär. 1910 eröffnete der Sportpalast, berühmt vor allem als Schauplatz der Sechstagerennen (inklusive Sportpalastwalzer). Und als Ort politischer Veranstaltungen. Fataler Höhepunkt war Goebbels’ Rede vom „totalen Krieg“ 1943. 

Nach dem Krieg wurde der Sportpalast wieder aufgebaut. Doch die Halle galt bald als unprofitabel und wurde abgerissen. 1973 bis 1976 entstand ein aus mehreren Gebäuden bestehendes Ensemble, bis zu 15 Etagen hoch, bestückt mit 514 Ein- bis Vierzimmerwohnungen. „Wohnen am Kleistpark“ hieß die Anlage, doch genannt wurde sie eigentlich nur Sozialpalast – eine Anspielung auf die oft auf Transferleistungen angewiesene Bewohnerschaft.

Der Sozialpalast verkam, auch weil wenig in Erhalt und Sanierung investiert wurde. Ende der 90er-Jahre etablierte der Bezirk ein Quartiersmanagement – möglicherweise der entscheidende Schritt zur Rettung. Gleichzeitig wurde ein neuer Name zur Imagepolitur gefunden: Pallasseum.

Vom Deal überrascht

Tatsächlich mag sich die soziale Lage im Kiez verbessert haben, dennoch blieb (und bleibt) die Ecke ein komplizierter Ort. Immer wieder muss die Polizei ausrücken. Die Klientel der Spreewald-Grundschule, die im März zur ersten Grundschule mit Wachschutz wurde, stammt vor allem aus dem Pallasseum.

Eigentümlich wirkt, dass man im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg offenbar vom Deal überrascht wurde – „positiv überrascht“, wie Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) dem KURIER sagt. Schöttler nahm es gelassen und hofft nun, möglichst rasch ins Gespräch mit der Gewobag zu kommen, wie sie sagt.  

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