Gewinner, Verlierer

Die große Fußball-WM-Bilanz

Sascha Langenbach
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Träume, Tore, Tränen: Die Bilanz einer Fußball-WM ist oft von viel Glück, von wenigen Zentimetern und der Tagesform abhängig. So wird aus einem vermeintlichen Gewinner schnell ein totaler Versager. Oder aus einem Land, das gerade mal so viele Einwohner zählt wie Berlin, ein Beinahe-Finalist (Uruguay). Wer im Spiel der Spiele zum Gewinner und wer zum Verlierer mutierte - KURIER-Reporter Sascha Langenbach zieht Bilanz.------------------------------1 Fragen Sie mal Ihre Kollegen, welcher WM-Spieler am meisten imponiert hat. Ja, ja, den Thomas Müller finden alle niedlich. Der beste Spieler des Turniers ist aber eindeutigBastian Schweinsteiger. Der 26-jährige Bayern-Spieler steigerte seinen Marktwert durch die Hammer-Spiele gegen England und Argentinien auf 35 Millionen Euro - hat transfermarkt.de errechnet. Das deutsche Team ist jetzt 350 Millionen Euro wert.2 Womit wir flott beim nächsten Gewinner wären: Bayern München. Zehn Spieler hatte der Club im Viertelfinale. Das ist Weltklasse!3 Das freut auch Adidas, Sponsor unserer Elf und Bayern-Anteilseigner: 1,5 Milliarden Euro setzte das Unternehmen mit Trikots, Bällen und Schuhen um. Im Vergleich zu 2006 ein Plus von 25 Prozent, berichtet überwältigt Vorstands-Boss Herbert Hainer.4 Aus Gewinner-Stoff ist auch der blaue Glücks-Pulli(Babykaschmir, 199 Euro) von Jogi Löw von Strenesse: Designerin Gabriele Strehle lässt das Stück fix nachstricken, Lieferzeit vier bis sechs Wochen.5 Noch mehr Stoff: So viele Deutschland-Fahnen gab es noch nie zu sehen. Allerdings zum Missfallen von Brandenburgs Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg. Der mag Schwarz-Rot-Gelb nicht, ließ für sein Dienstgebäude eine korrekte Schwarz-Rot-Goldene anfertigen und zahlte sie aus eigener Tasche.6 Gigantische Wochen bis zum Abwinken haben die deutschen Bierbrauer hinter sich:Bei Krombacher zum Beispiel war der Juni 2010 der besteMonat in der Geschichte der Brauerei, Veltins verkauft vor einem Deutschland-Spiel so viel wie an Silvester oder Ostern. Glücks-Formel der Bierbrauer: 22 plus 22. Heißt: Richtig vielgetrunken wird, wenn es um22 Uhr noch 22 Grad Celsius hat.7 Völlig besoffen vor Glück sind noch immer die trötenden "Schland o Schland"-Barden von Uwu Lena. Platz 5 in der Hitparade, offizieller Flughafen-Abholsong von Jogis Team und harte Taler in der Studenten-Kasse.8Glücklich sind auch die Verantwortlichen vom Fernsehen: Beim Spiel gegen Du-weißt-schon-Wen am Mittwoch schauten 31,1 Millionen Deutsche zu. Erstmals wurde die30er-Mauer geknackt!9 Apropos Fernsehen: Wen halten Sie für das beste Moderatoren-Team? Einverstanden mit Jürgen Klopp und Günther Jauch bei RTL? Sehr witzig, sehr kompetent, das passte!10 Und natürlich hat auch Südafrika gewonnen! Von wegen "Weltcup der Gewalt", unfertige Stadien, zu weit weg für Fans und so: Die WM war die Bewerbung für kommende Olympische Spiele. Es wären die ersten in Afrika. Die Enkel von Nelson Mandela hätten sie verdient!11 Die Spiele nach Afrika zu geben, das ist auch ein Verdienst von Fifa-Boss SeppBlatter. Kritiker mögen sich winden und sträuben. Aber da hat der Fifa-Präsident ausnahmsweise mal was gut gemacht. Er ist damit ohne Frage ein echter Gewinner.Andererseits ist er auch ein Verlierer, denn ...------------------------------1 Es ist Quatsch, dass eine Fußball-WM soziale Ungerechtigkeiten, Armut und Rassismus im ehemaligen Land der Apartheid beseitigen könnte. Dahat Präsident Sepp Blatterden Mund mal wieder zu vollgenommen. Den großen Sympathie-Preis wird der Strippenziehende und Sprüche kloppende Schweizer ganz bestimmt nicht mehr gewinnen.2 Übrigens an den Mund genommen: Ein Glück, dass dieses Vuvuzela-Getröte vorbei ist! Ja, mag sein, dass das Afrikaner gerne hören. Bei uns kenne ich keinen, der tausendfaches Elefanten-Gepupse mag.3 Natürlich gehören noch mehr Tiere zu den Verlierern. Die grässliche Grinsefresse von Zakumi, dem Maskottchen, mussten wir zum Glück so gut wie nie sehen. Ein Marketing-Albtraum.4 Und dass wir den achtarmigen Blödmann Paul nach seinem schleimigen Verräter-Tipp gegen Du-weißt-schon-Wen nicht mehr leiden können, ist eh klar. Die besten Oktopus-Rezepte unter www.chefkoch.de5 Sportlich gesehen gibt eseine ganze Reihe von Verlierern. So können wir im verbleibenden Sommer mit unseren Trikots ganz locker durch Frankreich joggen (und Italien!).6 Und wer waren noch gleich diese Typen namens Messi, Rooney, Kakß, Pirlo undRibéry? Gracias, Ciao, Salut und Goodbye!7 Urlaub hat endlich auch dieses vollbärtige Rumpelstilzchen aus Buenos Aires. Diego Maradona forderte schon in Minute 1 eine Karte gegen Schweinsteiger. Wie unsport-lich! Dafür haben wir dir schön einen eingeschenkt, ha-ha!8 Ein wenig unsportlich waren auch die Abschiedsgrüße von Philipp Lahm ("Gebe die Kapitänsbinde nicht freiwillig her!") an Michael Ballack. Aber was soll der 33-Jährige da machen. Torsten Frings zu Lahm schicken? Andere gehen zum Abschluss der Karriere nach Dubai, Ballack zu Bayer.9 Und dann diese Schiedsrichter: Das Tor von Frank Lampard nicht gesehen, seltsame Abseits-Entscheidungen getroffen, Handspiel nicht geahndet. 2014 sollen Chip-Ball und Video-Beweis kommen.10 Keinen Karriereschub gab es bei dieser WM für Oliver Kahns Co-Kommentatorin Katrin Müller-Hohenstein. Erst faselte sie was vom "inneren Reichsparteitag"; dann flog auf, dass sie nebenher mit Werbung für die Firma Weihenstephan Extra-Kohle macht. "Frau Müller-Riefenstahl" (Kollegen-Häme) wird es beim ZDF schwer haben.11 Ganz, ganz bitter wird es auch künftig für die Mannschaften aus Afrika. Südafrika nett, aber ein Flop. War Nigeria dabei? Algerien verhalf Slowenien zu drei Punkten. Die Leibchen von Kamerun und der Elfenbeinküste waren hübsch anzusehen. Und dann versemmelt Asamoah Gyan Ghanas Zukunft mit seinem schrottigen Elfer.Was bleibt, sind tolle Spiele des deutschen Teams. Und der falsche Weltmeister.------------------------------BU: Herrliche Tage durften wir erleben. Auch dank Uwu Lena: Mit "Schland o Schland" trafen sie den Ton des jungen Deutschland.BU: Hand aufs Ohr, äh: aufs Herz - das Getröte der Vuvuzelas zerrte an unser aller Nerven.BU: Adidas-Boss Herbert Hainer machte 1,5 Milliarden Euro Umsatz!BU: Gegen Adidas sahen die Kicker im Dress von Nike schlecht aus. England, Brasilien, Portugal vorzeitig raus - einzig Holland kam ins Finale.BU: Kuschelweich in Hellblau: Jogi Löw wurde auch wegen des Glücks-Pullis zum Trainer mit dem größten Stil gewählt - hier mit Hansi Flick.BU: Katrin Müller-Hohenstein vergriff sich erst im Ton und vergaß dann, einen Werbe-Job anzumelden.

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