Geschlechterkampf

Darf ich als Frau hier rein?

Türkische Männercafés und Sportsbars haben den Ruf, reine Macho-Treffpunkte zu sein.

Jessica Heyer
Lesezeit 3 Min
Reporterin Jessica Heyer konnte in der Sportsbar Finale ganz problemlos Kippen kaufen.

Reporterin Jessica Heyer konnte in der Sportsbar Finale ganz problemlos Kippen kaufen.

© Volkmar Otto

Die erste Sportsbar, die ich aufsuche, liegt in der Neuköllner Sonnenallee. Es ist mittags, der junge Mann hinter dem Tresen reagiert freundlich, als ich den Laden betrete und nach Zigaretten frage. Er hilft mir sogar, als ich Probleme mit dem Automaten habe. Dass ich Reporterin bin, weiß er nicht. Ich sage ihm, dass ich mich wundere, hier bedient zu werden.  Er kann das gar nicht verstehen.

Top! Im Salamas in Friedrichshain wurde Testerin Jessica sehr freundlich empfangen.

Top! Im Salamas in Friedrichshain wurde Testerin Jessica sehr freundlich empfangen.

© Volkmar Otto

Eine Frau zwischen 10 Männern

„Frauen sind in meiner Bar jederzeit willkommen“, sagt der Wirt. Aber es stimme schon: Frauen finde man eher selten in so einem Lokal. Auch bei ihm sei das so. „Sportbars sind eher eine Geschichte für Männer.“


Geschlechterkampf 2018

Ganz Deutschland spricht über das älteste Thema der Welt: Mann und Frau, Frau und Mann. Es gibt die sogenannte #MeToo-Debatte über alltäglichen Sexismus, aber auch die Frage, wie frei Frauen in muslimisch geprägten Migranten-Milieus leben können. Was ist Vorurteil und Gerede, was lässt sich durch Erfahrung belegen? Der KURIER wollte das an einem Beispiel ermitteln. 


Der nächste Laden befindet sich in Kreuzberg an der Reichenberger Straße.  Sein Name: Arena. Ich staune. In dem Café sitzt tatsächlich eine Frau – zwischen etwa zehn Männern. Niemand scheint sich an ihrer Gegenwart zu stören. Im Gegenteil. Man(n) trinkt Bier oder Tee, unterhält sich lebhaft.

Selbst dem Wirt, einem älteren Türken, scheint es völlig egal zu sein, dass sich mit mir nun eine zweite Frau in die Männergesellschaft mischt. „Hallo“, sagt er freundlich – und gibt die gewünschten Zigaretten kommentarlos heraus.

Nicht alle Männercafés sind frauenfeindlich

Im Café Liman nahe des Kottbusser Tors sitzen wieder nur Männer. Aber auch hier werde ich freundlich bedient und bekomme Zigaretten. Mein Erscheinen löst keine Reaktionen aus. Ich habe nicht das Gefühl, hier als Frau unerwünscht zu sein. Doch in der nächsten Sportsbar, dem Salamas in der Niederbarnimer Straße (Friedrichshain), gibt es ein Problem. Nein, als weiblicher Kunde bin ich dort gerne gesehen. Nur meinen Zigaretten-Wunsch kann der Wirt nicht erfüllen. Er hat den Automaten abgeschafft. „Hat sich wirtschaftlich nicht gelohnt“, bedauert er und erklärt mir den Weg zum Späti.

Auch in der Sportsbar Arena in Kreuzberg lief alles reibungslos. 

Auch in der Sportsbar Arena in Kreuzberg lief alles reibungslos. 

© Volkmar Otto

Kein Rauswurf, keine Anfeindungen: Ich bin froh, dass offensichtlich nicht alle Männercafés so frauenfeindlich sind, wie es ihrem Ruf entspricht. Aber was wäre wenn? Wie würde ich als junge Frau reagieren, wenn  man mir sagte, ich hätte in einem Lokal nichts zu suchen? Ich will mein Schicksal herausfordern, gehe noch in eine letzte Kreuzberger Sportsbar in der Nähe der Redaktion.

Als ich das Lokal betrete, fallen mir zuerst Männer auf, die an den Tischen Karten spielen und rauchen. Etwas unwohl fühle ich mich, einige scheinen sich zu fragen, was ich hier will. Dann sehe ich eine blonde Frau hinterm Tresen. Sie lächelt, als ich nach Kippen frage. „Da drüben ist ein Automat“, sagt sie. 

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