Geschäft mit der Not?

Das Hostel, das den Politiker-Zorn entfacht

Carsten Spallek (CDU) macht wütend, wie Flüchtlinge dort leben müssen ...

Mike Wilms
Lesezeit 2 Min
Das Hostel wurde vom Lageso als Flüchtlingsunterkunft beschlagnahmt.

Das Hostel wurde vom Lageso als Flüchtlingsunterkunft beschlagnahmt.

© Sabeth Stickforth Berlin Lizenz

Er missbilligt die Unterbringung auf engstem Raum – und das Geschäft mit der Not. Das bringt ihm Ärger.

Asylbewerber hoffen nach dem Trauma ihrer Flucht auf ein friedliches Leben. Doch ob sie in dieser Unterkunft in Mitte gut schlafen können, ist fraglich. Spallek berichtet von massiver Überbelegung – und horrenden Mieten.

Das Lageso bezahlt 20 Euro pro Tag und Person. Das macht bei 700 Flüchtlingen 14.000 Euro am Tag – und 420.000 Euro im Monat.

Spallek sagte bei Stern-TV: „Ich finde es widerwärtig, hier wird die Ware Mensch vermarktet.“ Er spricht von einer „unverschämten Abzocke“.

Das Grundproblem: Weil immer mehr Flüchtlinge kommen, sind die Unterkünfte knapp.

Bei jetzt 30.000 Asylsuchenden in Berlin sehen sich die Behörden gezwungen, auch mit Geschäftemachern zu kooperieren – aber irgendwann muss Schluss sein.

Spallek prangert an, dass im Vergleich zum alten Gäste-Betrieb „das Dreieinhalbfache an Menschen“ in den Hostel-Gebäuden leben muss. Das berge bei einem Brand erhebliche Gefahren.

In einer Mitteilung heißt es, man habe dem Lageso noch am 7. September „dringend davon abgeraten“, das Hostel noch stärker zu belegen. Doch: „Das Lageso hat diese Warnung ignoriert.“

Die Hostel-Chefin will die harschen Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Sie hat Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Spallek eingereicht. Er habe den Ruf des Hostels „in der Öffentlichkeit entblößt“ und falsche Angaben gemacht.

Das Hostel sei schon 2013 vom Lageso beschlagnahmt worden. Man habe also keinen Einfluss auf die Belegung. Und auch beim Brandschutz sei trotz 700 Menschen alles in Ordnung.

Hintergrund: Spallek lag mit dem Hostel schon 2013 in Konflikt, als es von sich aus die Unterbringung von 450 Flüchtlingen beantragte. Das lehnte der Bezirk ab, was später auch gerichtlich bestätigt wurde.

Das Lageso konnte das Problem aber durch Beschlagnahmung umgehen. Mit der Begründung, dass die drohende Obdachlosigkeit von Flüchtlingen mehr zählt als das Planungsrecht des Bezirks.

Für Spallek bleibt das Thema ein Herzensanliegen. Er greift sogar zu dem Vergleich, man dürfe Menschen nicht schlechter unterbringen als Hunde. MOW

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