„Generationen-Bashing“, das pauschalisierte Lästern über ganze Generationen, kenne ich als Millennial ja nur zu gut. Ich war kaum in meinem Studentenleben angekommen, als ich mich auf einmal gegen Anschuldigungen, vor allem der älteren Generationen, wehren musste: Wir Millennials seien alle selbstverliebt (Stichwort „Me, Me, Me“-Generation), wollen bei allem eine Extrawurst und hängen ständig vor dem Handy.
Es muss wohl daran gelegen haben, dass in den 2010er-Jahren die ersten Millennials ins Berufsleben einstiegen und damit ältere Generationen (vor allem Boomer), zum ersten Mal in größerem Maße Kontakt zu uns hatten. Sich über die jüngste Generation zu beschweren, das machen wir ja schon seit Anbeginn der Menschheit.
Aber so war ich, beschäftigt damit, für meine ersten Klausuren und Hausarbeiten zu pauken, und vom Arbeitsalltag erst mal noch weit entfernt, gezwungen, meine ganze Generation in jedem Gespräch mit Menschen aus der Gen X aufwärts zu verteidigen. „Stimmt das alles? Was läuft falsch bei euch?“, bekam ich da zu hören. Oder noch schlimmer: die anklagenden Monologe darüber, dass die eigene Generation sich ja niemals so verhalten würde. Auch von anderen Millennials habe ich die Erfahrung oft gespiegelt bekommen: Irgendwie schien man nichts richtig machen zu können.
Das soll keine Selbstmitleidstour werden. Ich kann aber schon verstehen, wenn sich bei jungen Menschen da auch mal eine Trotzreaktion entwickelt. Gerade wenn man dann, sagen wir, mehrere Finanzkrisen durchlebt hat, die besonders junge Menschen treffen, die noch nicht fest in der Arbeitswelt stehen, und die besonders von Babyboomern verschuldet waren, die aber selbst am wenigsten davon abbekommen haben.
Wir Jüngeren, ob Millennial oder Gen Z, sind also vielleicht ein bisschen trotzig, und das nicht immer unberechtigt. Aber das bringt uns natürlich in eine Pattsituation. Immer mehr Menschen identifizieren sich stark mit ihrer Generation und grenzen sich damit von anderen Generationen ab. Die Fronten verhärten sich, bis am Ende niemand mehr auf den anderen zugeht.
Handwerkliche Fähigkeiten wünschen sich viele junge Menschen, auch wenn ihnen der Zugang fehlt.
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Finden auch Sie den Millennial in sich!
Aber soll ich Ihnen mal ein Geheimnis verraten? Generationen gibt es eigentlich nicht.
Klar – es gibt Menschen unterschiedlichen Alters, die von unterschiedlichen Erfahrungen geprägt sind. Aber die starren Kategorien „Babyboomer“, „Gen X“, „Millennials“ und „Gen Z“ sind nur eine bestimmte Betrachtungsweise. Wie hilfreich ist diese Einteilung?
Angeblich gucken wir, Millennials und Gen Z, ständig auf unsere Handys – dabei erlebe ich es hauptsächlich in Gesprächen mit älteren Generationen, dass jemand sein Handy rausholt, während ich noch mitten im Satz bin, nur weil derjenige eine Benachrichtigung bekommen hat.
Wir haben vielleicht keine Sammlung an ledergebundenen Büchern, aber ich erinnere mich noch genau, wie in meiner Schulzeit „Bis(s) zum Morgengrauen“ erschienen ist und alle Mädchen die Bücher in der Pause gelesen haben. Sogar unsere Boomer-Lehrer haben sich darüber lustig gemacht: „So ein dickes Buch hätte ich als Jugendlicher nie angefasst!“
Und was Gen Z angeht: Die größte Gemeinschaft auf der jungen Social-Media-Plattform TikTok ist BookTok – also Menschen, die sich über Bücher unterhalten, eine Art Buchklub im Internet. Junge Menschen sind so vernarrt in Bücher, dass Buchhandlungen von Rekordumsätzen sprechen. Ist diese Beziehung zu Büchern anders als noch vor 50 Jahren? Auf jeden Fall! Aber das macht sie nicht unbedingt schlechter.
Gewusst, wie: Voneinander lernen, statt sich abzukapseln
Wenn ich eines bei jüngeren Menschen beobachte, dann, dass sie neugierig sind. Klar, sie haben Google Maps und müssen deswegen keine Karten mehr lesen können. In der Schule werden handwerkliche Fähigkeiten häufig nicht mehr vermittelt, weil sie im Alltag oft nicht benötigt werden. Aber das heißt nicht, dass Gen Z nicht lernen will.
Viele junge Menschen scheinen diese Fähigkeiten bei sich selbst zu vermissen und bringen sich die Sachen dann autodidaktisch bei: im Internet und im Austausch über Foren und Social Media. Und, das ist das Schöne: Dort finden sie dann auch hin und wieder Babyboomer (und Ältere!), die das, was sie selbst mühsam gelernt haben, an ein aufmerksames junges Publikum weitergeben.
Also, liebe Babyboomer, Millennials und Co: Vielleicht ist es an der Zeit, das Kriegsbeil der Generationen zu begraben. Wir alle können so viel voneinander lernen. Und während Sie Ihren Kindern beibringen, wie man alte Möbel restauriert, können die Ihnen vielleicht sagen, welche Handyhülle die coolste ist.
Jana Hollstein schreibt heute im KURIER über Berliner und Brandenburger Befindlichkeiten.
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