Erst in dieser Woche fasste die Berliner Polizei einen Drogendealer, der sich nach seinem erfolgreichen Handel in ein Automatencasino in Kreuzberg zurückzog. Die Beamten und Behörden wissen, dass diese Casinos beliebte Orte sind, um Geld aus Drogen- und anderen illegalen Geschäften zu waschen. Doch wie genau gehen die Kriminellen dabei vor? Und warum ist es für die Behörden so schwer, sie zu fassen
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Mit schusssicheren Westen stehen mehrere Einsatzkräfte der Berliner Polizei vor einem Spielcasino in der Gitschiner Straße in Kreuzberg. Nicht auf dem Bild zu sehen: Weitere Polizisten, die die Daddelhölle auf den Kopf stellen und alles penibel durchsuchen. Der Grund: Kurz zuvor hatten Rauschgiftfahnder einen Dealer beobachtet, der nach erfolgreichem Geschäftsabschluss in den Laden marschiert war. Schon länger stehen die überall in der Stadt verteilten Automaten-Kasinos im Visier der Fahnder. Denn die für Glücksspiel zuständigen Behörden gehen davon aus, dass viele der Spielhöllen reine Geldwaschanlagen sind.
Erst in der Nacht zu Mittwoch schnappte die Polizei einen Rauschgifthändler kurz nach einem Drogengeschäft in Kreuzberg. Die Ermittlungen führten die Fahnder in das besagte Automaten-Kasino in der Gitschiner Straße. Dort konnten Drogen, Bargeld sowie ein Festplattenrekorder sichergestellt werden. Ob und wie weit die Betreiber des Kasinos in die krummen Geschäfte des Festgenommenen eingeweiht oder sogar beteiligt waren, wird jetzt ermittelt. Doch dass Kasinos grundsätzlich beliebte Orte sind, um Geld zu waschen, wissen die Behörden.
Daddelautomaten der rund 470 Berliner Spielhöllen eignen sich hervorragend zur Geldwäsche
So heißt es in einem internen Dokument der „Obersten Glücksspielaufsichtsbehörden der Länder“ in Bezug auf das aktuellen Geldwäschegesetz, dass Glücksspiel sowohl wegen „hoher Transaktionsbeträge, die oftmals auch in bar gezahlt werden“ als auch wegen der „hohen Umlauf- und Transaktionsgeschwindigkeit, mit der Gelder umgeschlagen und verschoben werden können“, besonders attraktiv für „Verschleierung und Strukturierung illegitimer Vermögenswerte“ sei. Im Klartext: Die Daddelautomaten der rund 470 Berliner Spielhöllen eignen sich hervorragend zur Geldwäsche.
Glücksspielautomat (Archivbild).
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Wie funktioniert das in der Praxis? Ein Ermittler erklärt das dem KURIER so: „Ein Dealer geht mit seinem Bargeld, also vielen kleinen Scheinen, in so ein Kasino. Damit füttert er dann die Automaten und drückt sofort auf Auszahlung. Dann hat er fast denselben Betrag wie vorher in der Tasche, kann aber sagen, dass er das Geld gewonnen hat, wenn er gefragt wird. Das Geld ist somit saubergewaschen“.
727 Ausleseprotokolle von Berliner Finanzbehörden genauer überprüft
Zwar müssen die Betreiber der Kasinos bei der Steuer auch anhand von sogenannten Ausleseprotokollen unter anderem angeben, wie hoch Umsatz und Gewinn der einzelnen Automaten sind. Doch diese Ausleseprotokolle können nach Angaben der Senatsfinanzverwaltung vom „Unternehmer, seinen Angestellten oder Beauftragten“ erstellt werden.
Und dass diese Angaben nicht immer stimmen, zeigt eine Antwort der Finanzverwaltung auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe. So wurden im Jahr 2017 insgesamt 727 dieser Ausleseprotokolle von den zuständigen Finanzbehörden genauer überprüft. Bei 90 davon kam es zu Beanstandungen.
„Wenn der Senat die Bekämpfung dieser Form von Organisierter Kriminalität ernst nehmen würde, hätte es erheblich mehr Kontrollen gegeben, die derartige Manipulationen zur Geldwäsche aufdecken“, so Luthe. Da der Senat aber „mit der Spielbank Berlin von der größten Automatendichte in Berlin profitiert“, vermutet der FDP-Mann, sei „das Interesse an engmaschigen Kontrollen eher gering“.
Geld, dass mit dem Verkauf von Rauschgift verdient wurde
Die Glücksspielaufsichtsbehörde geht zudem davon aus, dass illegale Gewinne aus krummen Geschäften teilweise auch „in die Rechnungslegung des Spielbetriebs integriert werden, indem höhere als die tatsächlich erzielten Einnahmen ausgewiesen werden“. So wird aus Geld, dass mit dem Verkauf von Rauschgift verdient wurde plötzlich ganz legales Geld.
Einige Kasinobetreiber würden sogar „die gesamte Geschäftstätigkeit des Glücksspielveranstalters lediglich simulieren“. In Wahrheit würden „die in der Buchhaltung aufscheinenden Gelder allesamt aus illegitimen Tätigkeiten“ stammen.
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