Alt-Hohenschönhausen

Ganzer Kiez mauert gegen Abriss-Investor

Mit Gelbwesten wollen 200 Anwohner seinen Kita-Neubau verhindern.

Christian Gehrke
Lesezeit 2 Min
Initiative gegen den Abriss (von links): Bernd Fischbach, Swen-Uwe Berger, Anja Neupert, Winnie Berger, Rosemarie Berger und Uwe Berger. 

Initiative gegen den Abriss (von links): Bernd Fischbach, Swen-Uwe Berger, Anja Neupert, Winnie Berger, Rosemarie Berger und Uwe Berger. 

© Volkmar Otto

Die Wohngegend ist in den 20er-Jahren von Bruno Taut entworfen worden. Idyllisch reihen sich hier die Doppelhaushälften aneinander. Doch die Bewohner zeigen sich jetzt eher unfriedlich. Gelbwesten, das Zeichen der französischen Protestbewegung, flattern aus den Fenstern. An ihre Zäunen sind Plakate mit der Aufforderung, das Haus mit der Nummer 13 nicht abzureißen, geheftet. Denn alles sei dort im Taut-Originalzustand.

Gelbwesten auf fast allen Nachbargrundstücken.

Gelbwesten auf fast allen Nachbargrundstücken.

© Volkmar Otto

Eine Firma (gGmbH) hat das Gebäude vor etwa zwei Jahren erworben, will es in einer Woche abreißen und eine Kita bauen. Doch für die Häuser gilt eine Erhaltungssatzung, umgangssprachlich „kommunaler Denkmalschutz“ genannt.
Auch eine Veränderungssperre gelte. Man kann nicht einfach so etwas verändern, erklärt Architektin Winnie Berger (41). Sie ist in der Straße aufgewachsen und Sprecherin der Anwohnerinitiative.

Um das Haus in der Paul-Koenig-Straße geht es! Der Eigentümer erklärt sich auf einem Plakat.

Um das Haus in der Paul-Koenig-Straße geht es! Der Eigentümer erklärt sich auf einem Plakat.

© Volkmar Otto

Ein Abriss, es wäre der erste nach dem Zweiten Weltkrieg, ist aus ihrer Sicht nicht möglich. „Auf dubiose Weise hat der Neueigentümer die Genehmigung erhalten. Wir fühlen uns so machtlos“, sagt sie. Ein Anwalt kämpft für die Initiative. Er will gegen den Bezirk Lichtenberg und den Investor vor Gericht ziehen. Das zweite Mal. Winnie Berger behauptet, sie erhalte schon Drohanrufe. Ihr Vater Uwe Berger (71) schimpft: „Ich habe gedacht, dass Demokratie herrscht. Das ist aber keine Demokratie.“ Ob der Neu-Eigentümer Fördergeld vom Bezirk erhalten hat, ist unklar.

Stadträtin Birgit Monteiro (SPD) weist Vorwürfe zurück

Dabei hätten die gut 200 Anwohner nichts gegen den Eigentümer und deren Kitapläne. Ihnen gehe es darum, den Abriss zu verhindern. Denn der sei gefährlich. Die Bewohnerin des Nachbarhauses (Nummer 14) macht sich Sorgen, dass ihrem Eigenheim etwas passiert.

Stadträtin Birgit Monteiro (SPD) weist Vorwürfe zurück: „Die Erhaltungssatzung steht Abrissmaßnahmen nicht entgegen, wenn anschließend eine neue bauliche Anlage entsteht, mit der der charakteristische städtebauliche Grundriss der Siedlung wieder aufgegriffen wird.“ Das Verwaltungsgericht habe dem Bezirk per Urteil recht gegeben. Der Abriss sei seit Mai genehmigt. Die Initiative sei informiert worden.

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