Gekauftes Ja-Wort

Razzia gegen Scheinehen-Mafia

Bundespolizisten verhaften drei Bandenchefs in ihren Wohnungen.

Lutz Schnedelbach Mitarbeit: A. Schmalz
Lesezeit 2 Min
Bundespolizisten bringen Bandenchef Minh B. in Handschellen in einen Gefangenentransporter.

Bundespolizisten bringen Bandenchef Minh B. in Handschellen in einen Gefangenentransporter.

© dpa

Der 35 Jahre alte Minh B. aus der Erich-Kurz-Straße in Friedrichsfelde schreckte um 6 Uhr aus dem Tiefschlaf, als es an seiner Wohnungstür Sturm klingelte. Er öffnete. Dann ging alles sehr schnell. Uniformierte Bundespolizisten fesselten ihn an den Händen und durchsuchten seine Wohnung. Gewehrt hat er sich nicht, sagte Jens Schobranski, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Berlin, dem KURIER.

Zeitgleich stürmten Beamte in zehn weitere Mietshäuser im Ostteil der Stadt. Minh B. soll zusammen mit der 26 Jahre alten Deutschen Sina K. aus der Achillesstraße in Pankow sowie Ngoc P. (57) aus der Bruno-Baum-Straße in Marzahn monatelang mindestens zehn Scheinehen organisiert haben und fünf Vaterschaftserklärungen erschlichen haben.

Scheinehe ist nichts Neues

Die Fahnder waren auf sie gekommen, weil ihre Namen innerhalb eines anderen Falls in Hamburg auftauchten. Tagelang waren die drei observiert worden. „Bei der Durchsuchung haben wir Beweismittel sichergestellt. Darunter sind Unterlagen und Belege, die die Machenschaften belegen sollen“, erklärt Polizeihauptkommissar Schobranski. Insgesamt gibt es zehn Beschuldigte.

Ein Großaufgebot der Polizei stürmt in das Wohnhaus von Minh B. (35).

Ein Großaufgebot der Polizei stürmt in das Wohnhaus von Minh B. (35).

© Bundespolizei

Die Masche mit einer Scheinehe an Aufenthaltsgenehmigungen zu gelangen ist nicht neu.

10.000 Euro für das Ja-Wort

Die Preise jedoch sind stark angestiegen. Heute verlangen die Vermittler bis zu 50.000 Euro für eine Eheschließung. Darin sind häufig die Kosten für die illegale Einreise nicht enthalten. Die Paare werden zunächst nach Dänemark gebracht. Vor der Trauung verbringen die werdenden Eheleute die Nacht zusammen. Die Eheringe besorgen die Schleuser. Am nächsten Tag findet die Hochzeit pro forma statt. Anschließend trennen sich die Wege des Paares wieder.

Die deutschen Partner der vietnamesischen Heiratswilligen erhalten Geld für das Ja-Wort. Der Verdienst ist dabei unterschiedlich. Die Vermittlung einer deutschen Frau an einen Vietnamesen ist teurer als andersherum. Die Summen, die die angeworbenen Partner bekommen, liegen zwischen 3000 Euro und 10.000 Euro pro Scheinehe. Ähnlich ist das Prozedere bei den Vaterschaftsanerkennungen.

Arbeitslose oder Schuldner

Die meisten deutschen Partner, die bei den für die Schleuser lukrativen Geschäften vermittelt werden, suchen sich die Täter unter Arbeitslosen oder Schuldnern. Deshalb gehören zumeist auch Deutsche zu den Banden, die die Anwerbung übernehmen.

Deutschlandweit, so schätzen Fachleute, gibt es jährlich 5000 Fälle.

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