Es ist traurig und niederschmetternd für den Gemüsehandel „Bizim Bakkal“ (Unser Lebensmittelgeschäft). Seit 28 Jahren existiert das Geschäft in der Wrangelstraße und wird nun wohl ein weiteres Opfer der Gentrifizierung. Ein Investor aus Bonn hat das Haus gekauft und will den Laden raus haben. Im März kam die Kündigung, im September wird der Traditionshandel dann endgültig vor die Tür gesetzt.
Kunden und Anwohner sind schockiert und traurig. Man kennt sich schließlich jahrelang. Den Grund für den Rauswurf weiß Händlerfamilie Caliskan nicht. „Wir haben sogar das doppelte der Miete angeboten“, sagt Juniorchef Sükrü Caliskan (23). „Ich denke, dass die Ladenzeile geteilt werden soll, um mehr Geld zu machen.“
Bereits in dritter Generation wollte Sükrü Caliskan das Geschäft seines Vaters und Großvaters weiterführen. Besonders hart: Vergangenes Jahr wurde der Laden teilsaniert, neue Kühlregale im Wert von 30000 Euro angeschafft. Der Investor soll Privatmietern im Haus mehrere Tausend Euro Abfindung für einen schnellen Auszug gezahlt haben. In den Genuss kommen die Caliskans nicht. Für Gewerbe ist eine Kündigung mit einer sechsmonatigen Frist jederzeit möglich. Doch Kunden und Anwohner wollen das nicht hinnehmen. Magnus Hengge (45), der seit über 20 Jahren hier einkauft und als Kommunikationsexperte mit einer Kampagne zur Belebung des Kiezes beigetragen hat, organisiert den Widerstand. Eine Arbeitsgruppe aus Nachbarn sucht nun Möglichkeiten ihren „Gemüsetürken“ – wie sie ihn selber nennen – hierzubehalten.
Wirklich viel haben Hengge und seine Truppe aber nicht in der Hand. Die Kündigung ist juristisch sauber. „Wir können nur hoffen, mit unserer Aktion den Investor umzustimmen.“ Wenn nicht, dann stirbt für Hengge und viele seiner Nachbarn wieder ein Stück „Heimatgefühl“.
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