Die Ärgernisse bewegen sich auf drei Achsen, wiegen gut zwölf Tonnen, kommen aus Rottweil, Borken oder Wetzlar. Reisebusse. Zu Spitzenzeiten drängeln sich täglich 70 von ihnen durch die Freienwalder und die Genslerstraße. „Die schmalen Straßen liegen in einem zu DDR-Zeiten abgesperrten Gebiet, das nur von Mitarbeitern des Staatssicherheitsdienstes betreten werden durfte. Sie sind dem Besucheransturm kaum noch gewachsen“, so Knabe.
Die Folge: Gefährliche Verkehrssituationen, Parkplatzprobleme sowie Lärm- und Abgasbelastungen. Die Anwohner haben die Nase voll. Wie Rentner Reinhard Pfeifer. „Es wird immer schlimmer. Wenn wir nachmittags beim Kaffee sitzen, wackeln alle fünf Minuten die Wände, weil ein Bus vorbei fährt. Außerdem lassen viele Fahrer während des Wartens den Motor laufen. Es gibt für sie ja keinen Parkplatz, die bleiben auf der Straße stehen.“ Einige Anwohner erwägen nun gar eine Klage.
Klar ist: Eine Lösung muss her. Dringend. Zumindest eine kurzfristige Entlastung könnte die Erschließung einer nahen Brache bringen, groß genug für etwa 20 Busse. Doch es gibt ein Problem. Das Ödland gehört einem Lebensmittel-Discounter. Der hat dem Bezirk schon angeboten, die Fläche zur Verfügung zu stellen und herzurichten. Zum Nulltarif macht der Discounter dies nach KURIER-Informationen aber nicht – man möchte etwas dafür. Nämlich die Genehmigung zur Vergrößerung des bereits bestehenden Supermarkts ohne langwieriges Verfahren.
Doch da spielt der Bezirk nicht mit. Stadtentwicklungs-Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel (CDU): „Wir brauchen in dem Bereich eine Entspannung der Verkehrslage, das ist unstrittig. Aber nicht um jeden Preis.“
Die Gedenkstätte wurde nun selbst aktiv, hat die Technische Universität um Hilfe gebeten. Im Wintersemester sollen Studenten des Fachgebietes Integrierte Verkehrsplanung ein Konzept für eine Verbesserung der Verkehrssituation erarbeiten. Geleitet wird das Ganze von Prof. Oliver Schwedes, dem Chef des Fachgebiets am Institut für Land- und Seeverkehr. Vorgesehen sind Befragungen von Besuchern, Busfahrern, Anwohnern und Experten. Zudem soll das Verkehrsgeschehen mit Hilfe von Beobachtungen, Zählungen und Videoaufnahmen analysiert werden.
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