„Pietätlos und geschichtsvergessen“

Heftige Kritik an Gedenkstätte aus Asche

In der Säule soll sich Asche von Nazi-Opfern befinden.

Norbert Koch-Klaucke
Lesezeit 2 Min
Die Mahnsäule vor dem Reichstag, in der sich die Asche von Nazi-Opfern befinden soll.

Die Mahnsäule vor dem Reichstag, in der sich die Asche von Nazi-Opfern befinden soll.

© Florian Boillot

Die Aktion wurde als Versammlung „Mahnwache – Nie wieder Auschwitz“ bis Sonnabend von der Polizei genehmigt. Mittelpunkt ist eine Säule. Laut den Aktivisten, die 2017 Särge mit toten Flüchtlingen in Berlin aufstellen wollten, sei darin auch die Asche ermordeter KZ-Häftlinge, die man in Auschwitz nahe dem Konzentrationslager gefunden haben will.

Vize-Präsident des Auschwitz-Komitees entsetzt

Doch darf Kunst wirklich alles? Auch mit der Asche von Nazi-Opfern mahnen und provozieren? Das ZPS will’s. Seine Säule steht da, wo einst die Kroll-Oper war, in der 1933 die Ermächtigungsgesetze verabschiedet wurden. Eine wichtige Basis der Nazi-Diktatur, in der Millionen von Menschen ermordet wurden, so das ZPS. „Der Verrat an die Demokratie“ drohe wieder, „wenn sich heute konservative Kreise der AfD nähern wollen“.

Lea Rosh, Chefin des Fördervereins „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ nannte die Aktion großartig. Christoph Heubner, Vize-Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, ist dagegen entsetzt: „Auschwitz-Überlebende sind bestürzt darüber, dass mit dem Mahnmal die ewige Totenruhe ihrer ermordeten Angehörigen verletzt wird.“ Aus diesem Grund erklärte der Grüne-Politiker Volker Beck über „Twitter“: „Ich habe beim Staatsschutz Strafanzeige erstattet.“

Bundesregierung nennt die Aktion „pietätlos und geschichtsvergessen“

Auch die Bundesregierung kritisiert die Aktion: Sie sei „pietätlos und geschichtsvergessen“, so eine Sprecherin. Ähnlich argumentiert der Deutsche Historikerverband. Es sei richtig und wichtig, sich kritisch der Vergangenheit zu stellen, auch auf heutige Angriffe auf die Demokratie aufmerksam zu machen, so Verbandschefin Prof. Eva Schlotheuber. „Die Todesasche von KZ-Opfern auszustellen, sollte es sich bei der Aktion tatsächlich um sterbliche Überreste handeln, gehört aber ganz und gar nicht zu den angebrachten Mitteln, diesen Zweck zu erfüllen. Dagegen sprechen sowohl ethische als auch religiöse Gründe“, sagte sie dem KURIER. 

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