Gebärmutter

Wann muss die Gebärmutter entfernt werden?

Die Diagnose klingt meist schlimmer, als sie es ist: Myome. Etwa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter bekommt einen solchen gutartigen Tumor. Nicht immer ist eine Operation notwendig

BK
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Endoskopische Operation: Der Gynäkologe (links) operiert mit Sonden durch die Bauchdecke ohne den Bauch zu eröffnen. Eine Mini-Videokamera überträgt alle Bilder aus dem Bauchraum gestochen scharf auf den Monitor.

Endoskopische Operation: Der Gynäkologe (links) operiert mit Sonden durch die Bauchdecke ohne den Bauch zu eröffnen. Eine Mini-Videokamera überträgt alle Bilder aus dem Bauchraum gestochen scharf auf den Monitor.

© Michael Timm Lizenz

Die Diagnose klingt meist schlimmer, als sie es ist: Myome. Etwa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter bekommt einen solchen gutartigen Tumor. Ein Viertel der Betroffenen merkt den Muskelknoten in der Gebärmutterwand meist gar nicht. Andere dagegen entwickeln ein Myom, das so groß wie eine Honigmelone werden kann, so dass es dann eng im Bauch wird.

„Bei Beschwerden wie starken Blutungen, die bis zur Blutarmut führen, bei Druck auf einen Harnleiter mit Nierenstau oder bei Verdrängung der Harnblase mit Inkontinenz raten wir zu einer Operation“, sagt Priv. Doz. Dr. Uwe Torsten.

Die Operation: „Je nach Sitz und Größe der Myome werden verschiedene Operationsmethoden angewandt“, so Dr. Torsten. Üblicherweise erfolgen die Operationen heute minimal-invasiv (Schlüsselloch-Operation) und unter Erhalt der Gebärmutter. „Die Myome werden dabei aus der Gebärmutterwand ausgeschält, im Bauchraum mit einem sogenannten Morcellator zerteilt und in kleinen Stücken aus der Bauchhöhle entfernt“, erklärt Dr. Torsten. Schwangerschaften sind danach möglich, es wird aber oft empfohlen, die Geburt per Kaiserschnitt durchzuführen. „Die Patientin muss darauf hingewiesen werden, dass bei schnell wachsenden Myomen in ganz seltenen Fällen auch ein bösartiger Befund vorliegen könnte. Dann sollte kein Morcellement durchgeführt werden.“

Myom-Entfernung ohne OP: Zur Vermeidung einer Operation kann das Myom auch durch eine sogenannte Embolisation ausgetrocknet werden. „Dabei wird unter Röntgenkontrolle durch einen Gefäßkatheter von der Leiste aus mit kleinen Kunststoffpartikeln das Blutgefäß des Myoms verstopft. Durch die fehlende Durchblutung kann das Myom nicht mehr wachsen und schrumpft zusammen“, erklärt Dr. Torsten. Diese Methode führen spezielle Radiologen durch.

Gebärmutterentfernung: Wenn Myome große Beschwerden verursachen, zahlreich vorhanden sind, ungünstig liegen, zum Beispiel in der Muskelschicht der Gebärmutter, wird Frauen oft die Entfernung des Organs empfohlen. Die Gebärmutterentfernung gehört zu den häufigsten gynäkologischen Eingriffen in Deutschland. Jedes Jahr entfernen Ärzte bei über 130 000 Frauen das etwa 80 Gramm schwere Organ.

„Der Gebärmutterhalskrebs sollte durch die seit den 70er Jahren etablierte Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt in seinen Vorstufen erkannt und durch einen kleinen Eingriff therapiert werden“, erklärt Dr. Torsten. Bei dieser sogenannten Konisation wird erkranktes Gewebe vom Gebärmutterhals entfernt – meist mit einer elektrischen Schlinge oder dem Laser.

Ist der Tumor tiefer in das Gewebe eingedrungen und reicht eine Konisation nicht aus, kommt unter Umständen eine Teilentfernung der Gebärmutter in Frage, wenn sich die Patientin noch Kinder wünscht. Voraussetzung für die Operation (Trachelektomie) ist aber, dass der Tumor nicht größer als zwei Zentimeter ist und die Beckenlymphknoten sowie die Lymph- und Blutgefäße frei von Krebsgewebe sind.

Vollständige Entfernung der Gebärmutter: Hat sich der Tumor bereits weiter ausgedehnt und sind der obere Scheidenanteil und/oder der Halteapparat der Gebärmutter befallen, so ist eine vollständige Entfernung der Gebärmutter (Vollständige Hysterektomie), die Entnahme der Lymphknoten und, je nach Ausbreitung der Tumorzellen, auch von weiterem betroffenem Gewebe erforderlich. Unter Umständen müssen auch bei Frauen vor den Wechseljahren die Eierstöcke entfernt werden. Die Radikal-OP nach Wertheim erfolgt über einen Bauchschnitt.

Risiken: Nachblutungen, Wundheilstörung. Gefürchtet sind unbeabsichtigte Verletzungen von Blase, Harnleiter oder Darm, was im schlimmsten Fall zum Darmverschluss oder Bauchfellentzündung führen kann.

Nach der Operation: „Die interdisziplinäre Tumorkonferenz wird nach Vorliegen sämtlicher Befunde klären, ob eine Nachbestrahlung erfolgen sollte“, erklärt Dr. Torsten. „In fortgeschrittenem Stadium ist eine Strahlen-Chemotherapie einer Operation überlegen und wird daher primär angewendet.“

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