Explosion in Tiergarten

Die Rumms-Räuber räumen ab

Gangster sprengen Tresor und flüchten mit Gold und mehr als 100.000 Euro in bar.

Lutz Schnedelbach
Lesezeit 3 Min
Es war wie ein Wunder, dass kein Passant oder Autofahrer durch Metallteile und Glassplitter verletzt wurden.Einige Teile flogen bis zum Wintergarten. Noch am Vormittag waren die Spuren der Explosion zu sehen.

Es war wie ein Wunder, dass kein Passant oder Autofahrer durch Metallteile und Glassplitter verletzt wurden.Einige Teile flogen bis zum Wintergarten. Noch am Vormittag waren die Spuren der Explosion zu sehen.

© Morris Pudwell

Der Grund für den ohrenbetäubenden Rumms war eine Explosion in einer sogenannten Scheideanstalt. Die Mitarbeiter der Firma Digosi handeln mit Gold und anderen Edelmetallen. Sie trennen die einzelnen Metallbestandteile und messen deren Reinheitsgrad.

In dem Räumen von Digosi: ein Tresor. Der flog am Sonntag in die Luft. Unbekannte Täter sprengten den Safe und sollen mit über 100.000 Euro sowie Gold entkommen sein. Es sei eine Tat, die an Rücksichtslosigkeit kaum zu überbieten sei, hieß es am Sonntag im Polizeipräsidium. Über den Firmenbüros in der ersten Etage befinden sich Wohnungen. Wie ein Wunder wurde niemand verletzt. 

Es gibt erste Erkenntnisse zum Tatablauf

Die Feuerwehr brachte zunächst die Mieter des Hauses in Sicherheit. Am Morgen konnten sie ihre Wohnungen wieder beziehen. Die Bauaufsicht hatte grünes Licht gegeben.

Die Polizei hat erste Erkenntnisse zum Tatablauf. Demnach war kurz vor zwei Uhr ein dunkles Auto auf den Hinterhof der Firma gefahren. Der Hinterhof befindet sich in der unmittelbaren Nähe des Varietés Wintergarten.

Drei Männer stiegen aus dem Wagen. Bilder aus der Überwachungskamera zeigen, dass sie Masken trugen. Der Fahrer blieb im Auto. Zeugen wollen einen Audi gesehen haben. Andere sprachen von einem BMW. In jedem Fall war es ein Kombi, sagt die Polizei.

Die Täter wussten wohl, welche Werte sich im Tresor befinden

Der Tatort bei Tageslicht.

Der Tatort bei Tageslicht.

© Eric Richard

Die Männer hebelten ein Fenster auf. Dann sprengten sie den Tresor. Sie rafften Geld und Gold aus dem Safe zusammen und verließen die Werkstatt. Dann flohen sie mit dem Auto. Die Täter durchbrachen auf ihrer Flucht mit dem Fahrzeug eine heruntergelassene Schranke. Den Fahrzeughalter konnte die Polizei anhand der Nummernschilder aber nicht identifizieren, da die Kennzeichen gestohlen waren.

Die Ermittler sind sich sicher, dass die Täter wussten, welche Werte sich in dem Tresor befanden. Unklar ist noch, wie die Diebe den Metallschrank gesprengt haben. Die Polizei nannte keine Details. Es könnte sein, dass die Täter ein Loch in den Schrank gebohrt, dann Gas eingelassen und das Gas anschließend gezündet haben. So gehen Diebe vor, wenn sie Geldautomaten sprengen. Eine andere Variante sei, dass der Tresor mit Hilfe von Sprengstoff geöffnet worden sei, erklären Ermittler. Allerdings sei es nicht einfach, Chemikalien mit einer derartigen Wirkung zu bekommen.

Scheideanstalten werden in Berlin vor allem von türkischen und arabischen Edelmetallhändlern betrieben. Polizisten schließen nicht aus, dass die am 27. März vorigen Jahres aus dem Bodemuseum gestohlene 100-Kilogramm schwere Goldmünze in einer Scheideanstalt zerkleinert, anschließend eingeschmolzen und als Barren wieder verkauft wurde. 

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