Es ist wie „Der Herr der Ringe“ – nur mit Sex: So beschreibt Sean Bean „Game of Thrones“. Er sollte wissen, wovon er spricht, schließlich stand er in beiden Fantasy-Reihen vor der Kamera. Und doch kratzt seine Beschreibung nur an der Oberfläche des Phänomens. Mit nackten Tatsachen allein lassen sich 16 Emmy-Nominierungen für das Fantasy-Epos im vorigen Jahr plus eine weltweit stetig wachsende Fangemeinde nicht erklären.
Was macht die Klasse der momentan besten Serie der Welt aus? Das Produzenten-Duo David Benioff und D. B. Weiss hat mit dem US-Bezahlkanal HBO einen Sender gefunden, der ihnen das Spektakel äußerst großzügig finanziert. Allein die Pilotfolge verschlang an die 10 Millionen US-Dollar, die komplette erste Staffel rund 50 Millionen.
Roman-Vorlage von George RR Martin
Das Geld ist gut angelegt. An überwältigenden Drehorten (Island, Schottland, Marokko, Malta, Irland, Kroatien) erwecken die Filmemacher eine mittelalterliche Welt zum Leben. Und mit dem in Deutschland ansässigen Unternehmen Pixomondo liefert eines der besten Studios großartige visuelle Effekte.
Mit diesen Zutaten wird die Roman-Vorlage „Das Lied von Eis und Feuer“ des US-Amerikaners George RR Martin zum bildgewaltigen Epos. In sieben Königreichen kämpfen zahlreiche Adelshäuser um die Macht auf den Kontinenten Westeros und Essos. Bedroht wird ihr „Spiel der Throne“ durch mysteriöse Kreaturen jenseits einer riesigen Eismauer, die Westeros vom bitterkalten Norden abriegeln soll.
Vorlage rigoros fürs TV umgesetzt
Kult-Autor Martin arbeitet seit 1996 an dem Epos. Fünf seiner geplanten sieben Bände sind bislang erschienen (jeder Band ist in Deutschland auf zwei Bände verteilt). In über 20 Sprachen übersetzt, gingen sie schon 15 Millionen Mal über den Ladentisch. Rund 1000 Personen bevölkern mittlerweile das komplexe Werk, mehr als 30 Hauptdarsteller kämpfen um den „Eisernen Thron“.
Rigoros wird die literarische Vorlage für den Bildschirm umgesetzt, trotz anfänglicher Skepsis seitens der Extremfans unter den Lesern. Martin, der der TV-Serie als Produzent, Autor und Berater beisteht, enttäuscht sie nicht und gestattet kaum gravierende Änderungen im Hinblick auf die dichte Story.
Und sie funktioniert visuell bestens: fein gesponnene Intrigen, grausamer Verrat, blutige Schlachten und immer wieder Sex – alles in epischer Breite, garniert mit geschliffen scharfen Dialogen: „Wie möchtest du sterben, Tyrion, Sohn des Tywin?“ – „Im eigenen Bett, im Alter von 80, mit meinem Bauch voll Wein und meinem Schwanz im Mund einer Jungfrau.“
Starke Frauenrollen bevölkern Game of Thrones
Zum Epos für die Ewigkeit wird „Game of Thrones“ auch durch starke Frauen: Daenerys Targaryen, Cersei Lannister, Brienne von Tarth, Catelyn Stark und ihre Tochter Arya sowie Ygritte, um einige zu nennen, nehmen es mit der harten Männerwelt auf und kämpfen nach ihren eigenen Regeln um Macht, Ehre, Rache oder Freiheit.
Zudem sprengt die Serie herkömmliche Erwartungen. Schon TV-Mega-Erfolge wie „Sopranos“, „Breaking Bad“ oder „Dexter“ haben mit alten Gesetzen aufgeräumt und den liebenswerten Psychopathen ins Zentrum des Geschehens gestellt. Von dieser Spezies tummeln sich etliche in Westeros und Umgebung.
Game of Thrones-Stars leben gefährlich
Martin verzichtet dabei auf gängige Klischees. Seine Helden sind nie ohne Fehler, zwischen Gut und Böse verwischen die Grenzen zusehends. Und er geht noch weiter: Seine Stars sterben völlig unerwartet – und nicht nur nach überhöhten Gagenforderungen. Kein Lieblingsheld ist vor einem plötzlichen Tod sicher. Das steigert die Spannung ins Unermessliche und führt zu dramatischen Höhepunkten.
Schon in der ersten Staffel scheiden zwei der populärsten Charaktere dahin; in der dritten erwischt es gleich mehrere Hauptfiguren auf einmal.
Im Interview mit US-Talk-Legende Conan O’Brien erklärte Martin seine Beweggründe: „Wir haben alle Filme gesehen, in denen der Held in der Klemme steckt – er ist von 20 Leuten umzingelt, aber du weißt, dass er davonkommen wird, weil er der Held ist. Du hast eigentlich keine Angst um ihn. Ich will, dass meine Leser und die Zuseher Angst haben, wenn meine Charaktere in Gefahr sind. Ich will, dass sie sich davor fürchten umzublättern, weil es der nächste Charakter nicht überleben könnte.“
Tatort-Star Sibel Kekilli als verführerische Hure
In höchster Gefahr schwebt auch „Tatort“-Star Sibel Kekilli. Als verführerische Hure Shae, die dem zwergwüchsigen Tyrion Lannister den Kopf verdreht, mischt sie als eine von zwei deutschen Schauspielern mit. Tom Wlaschiha sorgt als „gesichtsloser Mann“ und lautloser Mörder Jaqen H’ghar für Grusel.
Fans (und Schauspieler) sollten vor allem die verflixte 9. Episode einer Staffel fürchten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Serien steuert „Game of Thrones“ immer in der vorletzten Folge auf den unheimlichen Höhepunkt zu.
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