Berlin/Wittenberge - Bisher war Siegfried Sievert (58) als westdeutscher Nahrungsmittel-Panscher bekannt. Aber der Ex-Brandenburger, der dioxinverseuchtes Tierfutter verkaufte und damit einen der größten deutschen Lebensmittelskandale auslöste, kann auch mit einer vergifteten Ost-Biografie aufwarten: Sievert arbeitete 18 Jahre lang als Stasi-Spitzel.Schon als 18-Jähriger unterschrieb Sievert eine Verpflichtungserklärung als Informeller Mitarbeiter (IM). Das schreibt die "Märkische Allgemeine". Den Decknamen gab er sich selbst: "Pluto" - Gott der Unterwelt und des Reichtums. Laut Akten der Birthler-Behörde hatte die Stasi den Abiturienten wegen eines Fehlverhaltens unter Druck gesetzt. Sein "provozierendes" Auftreten und "dekadentes Äußere" war genau das, was die Stasi brauchte, um leichter an "verdächtige" Jugendliche ranzukommen.Zwar wurde Sievert vom Physik-Studium in Greifswald exmatrikuliert, seine Spitzeltätigkeit litt aber nicht darunter. Ein Führungsoffizier: "Der IM hatte keinerlei Vorbehalte bei der Belastung von Personen aus seinem Umgangskreis."Vor allem während seiner Zeit im Volkseigenen Betrieb Märkische Ölwerke schrieb Sievert emsig Berichte über Kollegen. Über politische Ansichten bis zum Sex-Leben. Und er kassierte Geld - mal 20, mal 200 Mark. Bei den Schnüffeleien zog "Pluto" laut Akten "persönliche Vorteile/Nachteile in Erwägung". Sein Haus in Wittenberge beispielsweise gehörte vor seinem Einzug einer Familie, die in den Westen ausgereist war.Bis ins Jahr 1989 wurde Sievert als IM geführt. Nach der Wende ging das Wittenberger Ölwerk den Bach runter - und Sievert in den Westen. Ab 1993 machte er in Uetersen beim Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch Karriere, erst als Prokurist, ab 2005 als Chef. Im gleichen Jahr steigerte er den Firmen-Gewinn um etwa 20 Prozent, von knapp 555 000 auf gut 677 000 Euro.------------------------------
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