Fußgänger-Zone Unter den Linden

Diese Idee hinkt

Experten kritisieren den Plan. Auch der Senat scheint davon nicht überzeugt.

Peter Neumann
Lesezeit 2 Min
Studenten der Beuth Hochschule für Technik haben Konzepte für die Linden entwickelt. Dieser Plan sieht einen Fußgängerbereich auf der Nordseite vor.

Studenten der Beuth Hochschule für Technik haben Konzepte für die Linden entwickelt. Dieser Plan sieht einen Fußgängerbereich auf der Nordseite vor.

© Rahel Zerbe

Berlins schönste Sackgasse: 1966 endet die Straße vor der Grenze. 

Berlins schönste Sackgasse: 1966 endet die Straße vor der Grenze. 

© Picture Alliance

Paris hat ein Seine-Ufer gesperrt, in New York ist der Times Square Fußgängerzone. So etwas müsste die deutsche Hauptstadt ebenfalls hinbekommen, meinen Teile der Grünen-Basis. Doch für den Senat scheint die Forderung, den 61 Meter breiten Boulevard von Privatautos zu befreien, derzeit kein Herzensthema zu sein.

Er könne jetzt noch nicht sagen, ob sich die Straße dafür eignet, sagte Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner während der Diskussion mit Architekten und Planern. „Wir wissen es noch nicht.“

Zwar kündigte der Grünen-Politiker an: „Wir werden uns dem Auftrag widmen“, im zweiten Halbjahr gebe der Senat eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Offiziell ließ er alles offen. Doch die Argumente, die er danach anführte, sprächen gegen eine Sperrung für Autos.

„In den vergangenen fünf Jahren sind die Verkehrsströme in Berlin explodiert“, gab Kirchner zu bedenken. Die Studie müsse sich auch damit befassen, wie sich eine Sperrung der Linden auf die Umgebung auswirken würde. Er sei nicht der Auffassung, dass das regionale Straßennetz ausreichend leistungsfähig ist. Auf der Leipziger Straße sei eine Straßenbahnstrecke geplant.

Wenn es darum ginge, Anlieger vor Abgasen zu schützen, wären die Linden die falsche Adresse, sagte Thomas Sánchez von der Interessengemeinschaft Leipziger Straße. „An unserer Straße wohnen 10 000 Menschen. Dort müsste ein Fahrverbot verhängt werden.“ Von einem Fahrverbot würden vor allem Touristen profitieren, so Stadtplaner Hildebrand Machleidt. Der „Stadtkitsch“, den es heute auf dem Pariser Platz gibt, würde sich flächendeckend ausbreiten.

Auch 2005 wurde Unter den Linden gebummelt. Heute ist hier Baustelle.  

Auch 2005 wurde Unter den Linden gebummelt. Heute ist hier Baustelle.  

© imago/F. Berger

Bernd Wilde vom Fachverband Fußverkehr (FUSS) ist dafür, die Linden zu einer Flaniermeile zu gestalten – das Konzept des Verbands sieht breitere Gehwegen und eine attraktivere Mittelpromenade vor. Doch sogar der Fußgänger-Vertreter hat nichts dagegen, dass weiter Autos über den Boulevard fahren. Ein Fahrstreifen pro Richtung reiche aus, um den Verkehr staufrei abzuwickeln. Aber autofrei? Nein. „Von einer Fußgängerzone haben wir nie gesprochen.“  

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