Sein Fahrzeug, ein Porsche Cayenne mit Diplomatenkennzeichen, stand im Halteverbot auf dem Fahrradstreifen. Der 55-jährige Radfahrer prallte mit voller Wucht gegen die Autotür, zog sich so schwere Kopfverletzungen zu und starb ein paar Stunden später im Krankenhaus.
Die Blutspuren in der Hermannstraße: Der Botschaftsmitarbeiter, der den Unfall verursacht hatte, hat Berlin verlassen.
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Der Unfallverursacher in Diensten der saudi-arabischen Botschaft kam straffrei davon. Das Verfahren gegen ihn wurde gut eine Woche danach eingestellt. Denn: Diplomaten genießen im Ausland Immunität. Gegen sie darf nicht ermittelt werden, sie sind vor Strafverfolgung per Gesetz seit 1961 geschützt. Sinn und Zweck: Vertreter anderer Regierungen sollen so in anderen Staaten nicht einfach festgesetzt werden können. Auch Deutsche genießen im Ausland den Schutz.
2017 kam es zu 55 Unfällen
Doch dieses Botschafter-Privileg scheint gerade im Berliner Straßenverkehr ausgenutzt zu werden. Botschafter-Autos mit dem bekannten 0-Kennzeichen fahren oft zu schnell, sie parken mutwillig falsch und sie bauen Unfälle. Das belegen aktuelle Zahlen aus der Polizeistatistik, die dem KURIER vorliegen: Demnach gab es im vergangenen Jahr 22 903 dieser Verkehrsordnungswidrigkeiten.
Eine leichte Steigerung : Denn 2016 lag die Zahl noch bei 22816. Zum Großteil handelt es um Falschparken und zu schnelles Fahren. Doch Diplomaten-Autos waren eben auch in Verkehrsunfälle verwickelt. 2017 kam es zu 55 Unfällen, bei den 22 Personen leicht und sechs schwer verletzt wurden. Es gab einen Toten – den Mann von der Herrmannstraße.
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Die aktuelle Statistik weist auch aus, welche Nationen besondere Verkehrsrowdys nach Deutschland schicken: Die Top-10 der Sünder wird angeführt von Russland (817 Verstöße im Straßenverkehr), USA (667) und Ägypten (659). Es folgen Jemen (605) und China (561). Besonders krass: Die Vertreter aus dem afrikanischen Botswana haben sich mit nur sieben Wagen 535 Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung geleistet. Wahnsinn: Das entspricht 76 Verstößen pro Auto und ist im Verhältnis die höchste Zahl.
Gegen Diplomaten wird ein härteres Durchgreifen gefordert
Interessant: Die Top-10 der Sünder hat sich an der Spitze verändert. Saudi-Arabien war über Jahre hinweg erster. In den neuesten Zahlen von 2017 aber taucht das Land vorne nicht mehr auf. Hat der tödliche Crash im Juni die Saudis zur Besinnung gebracht? Gut möglich: Denn das Auswärtige Amt hatte nach dem Drama einen „Verbalnote“ an die saudische Botschaft gesendet, mit der Bitte um Stellungnahme. Was folgte, war eine umfangreiche Entschuldigung bei der Familie des Toten und eine Entschädigung für die Witwe. Der 51-Jährige Diplomat, der den Crash in Neukölln verursacht hatte, musste Berlin verlassen.
Politiker und Verkehrsexperten fordern ein härteres Durchgreifen gegen Diplomaten Rowdys. Denn trotz des Unfalls in der Herrmannstraße sinken die Gesamtzahlen an ihren Verkehrsdelikten nicht. Der Diplomatenschutz kennt Ausnahmen: Bei schweren Straftaten kann die deutsche Regierung die Aufhebung der Immunität beantragen. Peter Trapp (CDU): „Das Auswärtige Amt muss Gespräche führen und schriftlich die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung einfordern. Das hat früher etwas gebracht.“ Den Diplomatenschutz dürfe man nicht abschaffen. „Dann werden deutsche Diplomaten in anderen Ländern wegen Kleinigkeiten sofort verhaftet“, so Trapp.
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