Gestern noch ausschlafen, frühstücken ohne Blick auf die Uhr und höchstens überlegen, ob es an den Strand oder zum Stadtbummel geht. Heute klingelt wieder der Wecker, das E-Mail-Postfach quillt über und im Kalender wartet schon der erste Termin. Willkommen zurück im Arbeitsalltag! Nach dem Urlaub kann die Erholung schneller verschwinden, als einem lieb ist.
Fünf Tipps für den ersten Arbeitstag nach den freien Tagen
Doch der erste Tag muss nicht gleich zum Stress-Marathon werden. Wirtschaftspsychologin Dr. Yana Fehse erklärt im KURIER, wie der Wiedereinstieg gelingt, welche Fehler die Urlaubserholung besonders schnell auffressen und wie Beschäftigte Struktur in das Chaos bekommen.
Der erste Rat: Erwarten Sie nicht sofort wieder Höchstleistungen von sich. „Der erste Arbeitstag ist ein Übergangstag. Konzentration, Tempo und Arbeitsrhythmus müssen sich oft erst wieder einspielen“, erklärt Fehse. Statt bereits am Vormittag 100 Prozent von sich zu verlangen, sollte man sich Zeit zum Ankommen geben.
Zweitens spielt die Einstellung eine wichtige Rolle. Wer morgens bereits denkt: „Oh Gott, jetzt geht das wieder los“, startet laut der Wirtschaftspsychologin innerlich mit Widerstand. Ihr Rat: Den ersten Tag lediglich als Einstieg in den Alltag betrachten.
Dr. Yana Fehses neues Buch „GO! Radikales Selbstvertrauen“ ist seit dem 19. August im Handel.
© Dr. Yana Fehse/PR
Drittens sollte etwas Angenehmes im Kalender stehen. Fehse empfiehlt etwa ein Mittagessen mit einer geschätzten Kollegin, einen Kaffee in Ruhe oder einen Spaziergang.
Viertens: Bloß nicht die Pausen streichen. Gerade nach dem Urlaub komme schnell der Gedanke auf: „Jetzt hatte ich lange genug frei, jetzt muss ich wieder richtig ran.“ Wer deshalb durcharbeitet oder länger bleibt, riskiert, dass die gewonnene Energie schnell wieder verpufft.
Fünftens rät Fehse, eine schöne Urlaubsgewohnheit zu retten. Mehr Bewegung, ein ruhiges Frühstück oder weniger Zeit am Handy müssen mit der Rückkehr nicht verschwinden. „Schon eine kleine Gewohnheit, die Sie beibehalten, kann helfen, ein Stück Urlaubserholung mit in den Alltag zu nehmen.“
Im Urlaub kann man am besten abschalten. Der Start in die Arbeit wird dadurch umso schwerer.
© Julian Stratenschulte/dpa
Diese fünf Fehler fressen die Urlaubserholung auf
Fehler Nummer eins: alles sofort aufholen wollen. Nach mehreren Tagen Abwesenheit stapeln sich naturgemäß Aufgaben. Trotzdem gilt: „Nicht jede E-Mail muss sofort beantwortet und nicht jede offene Aufgabe am ersten oder zweiten Tag erledigt werden“, sagt Fehse. Das erzeugt nur zusätzlichen Druck.
Zweitens sollte der Kalender nicht sofort wieder bis zum Anschlag gefüllt werden. Gerade in den ersten Tagen empfiehlt Fehse etwas Luft zwischen den Terminen.
Selbst wenn das Postfach überquillt: Nicht jede E-Mail muss sofort beantwortet werden.
© Christoph Dernbach
Die dritte Falle wartet möglicherweise bei den Kollegen. „Schon wieder arbeiten“ oder „Ich könnte direkt wieder weg“, solche Sätze können die eigene Stimmung herunterziehen. „Schlechte Laune kann genauso ansteckend sein wie gute“, warnt Fehse.
Viertens ist besonders langes Arbeiten keine gute Wiedergutmachung für wenige freie Tage. „Erholung ist kein Akku, den man im Urlaub einmal vollständig auflädt und anschließend wochenlang ohne Unterbrechung leerfahren kann“, erklärt die Wirtschaftspsychologin. Das sorgt wieder für Erschöpfung.
Fehler Nummer fünf sind die alten Stressmuster: ständig erreichbar sein, am Schreibtisch essen, jede Nachricht sofort beantworten und nach Feierabend gedanklich weiterarbeiten. Nicht jede Gewohnheit muss weitergeführt werden.
Fünf Schritte gegen das Chaos am Schreibtisch
Doch wie anfangen, wenn tatsächlich ein Berg Arbeit wartet? Erstens: Überblick verschaffen. Welche Termine stehen an, welche Aufgaben sind aktuell und was ist während der freien Tage passiert?
Zweitens empfiehlt Fehse ein kurzes Update von einem Kollegen. „Fragen Sie, was während Ihrer Abwesenheit wirklich wichtig war, welche Themen noch offen sind und ob es etwas gibt, das Sie unbedingt wissen sollten.“
Drittens: Drei Prioritäten bestimmen. Nicht 15 Dinge gleichzeitig beginnen, sondern festlegen, welche drei Aufgaben an diesem Tag wirklich wichtig sind. Eine solche Auswahl gebe Orientierung und verhindere ständiges gedankliches Hin- und Herspringen.
Nur weil man eine Zeit weg war, müssen nicht zahlreiche Dinge gleichzeitig angegangen werden.
© Julian Stratenschulte/dpa
Viertens sollte der Einstieg mit einer überschaubaren Aufgabe erfolgen. „Ein erstes Erfolgserlebnis schafft Motivation und hilft dabei, Konzentration und Arbeitsrhythmus wiederzufinden“, erklärt Fehse.
Und fünftens lohnt sich vor Feierabend ein kurzer Blick auf den nächsten Tag. Was ist erledigt, was bleibt offen und womit soll es morgen weitergehen? Die wichtigsten Punkte werden notiert. Fehses Vorteil: „So gehen Sie mit einem klareren Kopf nach Hause und starten am nächsten Morgen nicht wieder bei null.“
Wie schwer fällt Ihnen der erste Arbeitstag nach dem Urlaub? Fühlen Sie sich sofort wieder gestresst? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com