Sein Händedruck war kaum zu spüren. Irgendwie flutschig. Mundfaul war er auch. Wie ein Jugendlicher, der sich gleich wieder in sein Zimmer verkriechen möchte. "Hilf mir bitte! Du bist doch gekommen, um mir zu helfen, oder?", flüsterte er mit seiner Fistelstimme.So verliefen die ersten Minuten meiner Begegnung mit Prince Rogers Nelson. Anfang Mai 1994 in Monte Carlo. Die knabenhafte Gestalt, nur 1,58 Meter groß und grell geschminkt, wirkte verwirrt. Er war gerade aus den USA abgehauen. Das Fürs-tentum hatte er als Exil auserkoren. Der als "Prince" vergötterte Superstar hatte seinen Namen abgelegt. Er wollte als "Symbol" weiter existieren. Ein fettes Amulett baumelte um seinen dünnen Hals - eine Kreuzung aus den grafischen Zeichen für Mann und Frau. Dazu redete er komisches spirituelles Zeug.Der Mann galt bis dahin als Musikgenie. Extrem narzisstisch, klar. Doch Mitte der 90er war er nur noch gaga. Ein Trip der Selbstzerstörung - prophezeiten viele damals.Doch er hat die Kurve gekriegt. Jahre später. Prince heißt längst wieder Prince. Und im Jahr 2010 ist der 52-Jährige keineswegs ein Kandidat für den Legenden-Himmel, sondern äußerst produktiv im irdischen Musikgeschäft tätig. Sein neues Album erscheint Ende Juli.Rückblende: Als er seiner Zeit in Monaco aufkreuzte, bat ihn Thronanwärter Albert um ein Privatkonzert. Der Ex-Prince erschien mit goldenem Zepter. Und er sollte vor Alberts Junggesellen-Clique spielen. Doch die schaute nur perplex in ihre Cocktailgläser. Denn statt Hits wie "Purple Rain" oder "Kiss" bekamen die auserwählten Gäste einen rüden, wirren Sound zu hören. Schwerer Fall von Majestätsbeleidigung. Mister "Symbol" scherte sich damals um nichts, er wollte seine Plattenfirma Warner ärgern. Die hatte ihn mit dem teuers-ten Musik-Deal aller Zeiten (100 Millionen Dollar für sechs Alben) an sich gebunden. Doch der menschenscheue Eigenbrötler versuchte, den Vertrag zu unterlaufen. Auf seiner Wange stand das Wort "Sklave".Der Auftritt in Monte Carlo hinterließ einen Prinzen Albert, dem nach einer brutalen Gitarren-Orgie noch lange die Ohren schlackerten. Der Verursacher verschwand wortlos in seiner Nobel-Suite im Hotel de Paris gegenüber dem Casino. "Prince ist tot. Deshalb gibt er keine Interviews mehr", blockte das Management ab. Doch eines Nachts erschien an der Hotel-Bar eine aufgewühlte Assistentin: "Er wird sie empfangen." - "Wann?" - "Sofort!"Prince ist ein Workaholic, der mit Vorliebe nach Mitternacht arbeitet. Der Mitarbeiter aus dem Schlaf reißt, wenn er etwas braucht. Ein gnadenloser Diktator. Als er mich in sein Reich führt, trägt er ein Seidengewand. Diffuses Kerzenlicht. Er besteht darauf, dass er überall eine Aura wie in seinem legendären "Paisley Park" in Minneapolis vorfindet. Privatgemach und Aufnahmestudio in einem.Es war alles mit weißen Tüchern abgehängt. Eine einzige Spiel- und Liegewiese. Zwischen den Kissen lagen Instrumente herum. Das Nachtreich eines Menschen, der sich schon in früher Kindheit am liebsten in sein eigenes Universum zurück-gezogen hatte. Als herumgeschubstes Scheidungskind war er bei einer Tante im Keller untergekommen. Dort schlief er, spielte Klavier und begann frühreif zu fantasieren und zu komponieren.Der kleine Prince litt unter seiner Körpergröße. Doch wenn er Musik machte, blähte sich sein Ego auf. Seinen Vater, der als Bar-Pianist wenig für ihn da war, bewunderte er. Dessen Liebe bekam er nicht. Umso fanatischer arbeitete das scheue Wunderkind an seiner Karriere. Er kleidete sich extravagant, trug Stöckel-Absätze, um größer zu erscheinen. Seine erste Platte war eine Sensation: Ein 19-Jähriger, der sang, fast alle Instrumente spielte und sich selbst produzierte. Dazu ein Sound, der neu und aufregend war: soulig, fiebrig, rotzig-rockig.Der Aufstieg zum Superstar der 80er verlief phänomenal. Obwohl seine Songs sexuell überhitzt und provokant waren, erreichte er mit "1999" oder "When Doves Cry" ein Massenpublikum. "Luzifers Antwort auf Michael Jackson", schrieb ein Kritiker. Sein Abstieg in den 90ern war die Hölle. Während andere Superstars in Drogen flüchteten, steigerte sich Prince in einen Kontrollwahn hinein. Er komponierte noch schneller (rund 1000 Songs bis heute), aber immer schlechter.Als Prince mich damals in Monaco empfing, war er ganz unten. Er wirkte leer und traurig wie seine Musik. Im Laufe der bizarren Audienz betrat eine junge Frau im aufreizenden Nacht-hemd den Raum. Wortlos legte sie sich zu seinen Füßen. Mayte Garcia tanzte damals in seiner Show. Auf der Bühne kniete sie sich vor Prince und simulierte Oral-Sex. Doch sie war mehr als eine der vielen Gespielinnen. "Zwischen uns herrscht eine Seelenverwandtschaft", hauchte er im Interview. Der Mega-Star hatte die 15 Jahre jüngere Mayte auserkoren, ihn auf den rechten Weg zurückzuführen.Im Jahr 1996 kam es zur Ehe nach dem Ritus der Zeugen Jehovas und zwei Monate später zur Geburt eines Sohnes. Das schwer behinderte Baby starb nach einer Woche, wenig später ließ Prince seine Ehe annullieren. Danach begann er als einer der ersten Pop-Internet-Künstler intensiv mit seinen verloren gegangenen Fans zu kommunizieren. Auch wurde er gegen-über seiner Crew umgänglicher. Und schließlich überraschte er mit CDs und Auftritten, die wieder inspirierter wirkten und an seine frühen Tage anknüpften.Prinz Albert ist inzwischen Staatsoberhaupt im Fürstentum Monaco. Der Prince aus Minneapolis wäre an seinem Größenwahn fast zerbrochen. Doch nun scheint er sich mit seiner Rolle ausgesöhnt zu haben: Lieber ewiger Prince als ein einsamer, ungeliebter König.Für das Prince-Konzert in der Waldbühne (morgen, 5. Juli, ab 19.30 Uhr) gibt es noch Karten. Die Preise liegen zwischen 50 und 155 Euro.------------------------------Die fünf größten Macken des PopstarsDie Farbe Lila (purple): Prince hat viele Räume in seiner Lieblingsfarbe streichen lassen. Und er hat schon verlangt, dass ihm nachts eine lila Torte organisiert wird.Lichtscheu: Er hasst Sightseeing. Auch wenn er in Paris oder Rom spielt, verschwindet er im dunklen Bus oder Hotelzimmer. Nachts zieht er durch Bars.Groß und blond: Früher hingen in seinem Haus überall Pin-ups von Marilyn. Mit Kim Basinger hatte er eine kurze Affäre - die war aber schnell genervt von ihm und seinen "unmännlichen" Posen.Schlaflos: Er braucht höchstens drei Stunden, die nächtliche Unruhe hat geradezu manische Züge.Speise-Tick: Prince ist Veganer (er mag keinerlei Fleisch und Fette). Und er ist gnadenlos pingelig. Unzählige Köche hat er schon verschlissen. Sie müssen überall bereitstehen und werden oft spontan gefeuert.------------------------------BU: Mit Ex-Assistentin Manuele Testolini war Prince von 2001 bis 2006 verheiratet.BU: Tragische Beziehung: 1996 heiratete Prince die Tänzerin Mayte, die als Tocher eines US-Majors in Wiesbaden aufwuchs. Auf der Bühne zelebrierten die Zwei innige Sex-Spiele, privat waren sie zutiefst religiös.Nach dem Tod ihres Kindes ließ er die Ehe annullieren.
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