Diagnose: Abschied! Der junge Arzt Dr. Niklas Ahrend verlässt die „Sachsenklinik“ – und damit die Erfolgsserie „In aller Freundschaft“. Seit Mai 2012 hatte Roy Peter Link in der Rolle des sympathischen Mediziners die Herzen der (vor allem weiblichen) Zuschauer erobert, feierte damals sein Debüt in der Folge „Neuigkeiten“. Nun gibt es wieder Neuigkeiten; seine Fans dürfen aber trotzdem aufatmen.
Denn nach dem Abschied aus Leipzig tritt Dr. Ahrend eine neue Stelle an, in einer neuen Stadt, in einer neuen Serie: „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ läuft ab 22. Januar im Vorabendprogramm des Ersten.
Bei aller Freundschaft, liebe ARD, noch eine Krankenhaus-Serie im deutschen Fernsehen? Vorabend-Koordinator Frank Beckmann erklärt die Wahl des Schauplatzes: „In einem Krankenhaus geht es um Existenzielles, um Leben und Tod, um Glück und Leid und es gibt viele spannende und emotionale Geschichten zu erzählen.“
Die neue Serie ist anders. Beckmann: „Sie wurde ganz bewusst eng mit ,In aller Freundschaft’ verknüpft – der beliebtesten Arztserie im deutschen Fernsehen, die gerade erst mit dem Publikums-Bambi ausgezeichnet wurde.“ Die parallele Montage der beiden Serien sei ein im deutschen Fernsehen einmaliges und ehrgeiziges Vorhaben. „Wir sind davon überzeugt, den Zuschauern mit dem Nachwuchs unserer Erfolgsserie gute Unterhaltung bieten zu können.“
So soll der Ableger (englisch: „Spin-off“) alten und neuen Fans den gleichen Mix aus Spannung, Dramatik und Emotion bescheren. Zwölf Folgen sind bereits abgedreht, 30 weitere folgen für die erste Staffel. Die Dreharbeiten in den Studios des Erfurter Kinder-Medien-Zentrums sind derzeit in vollem Gange.
Der KURIER hat Dr. Niklas Ahrend an seiner neuen Dienststelle im Erfurter Johannes Thal Klinikum besucht.
Passt die Kopfbewegung zum vorherigen Bild? Ist die Blickachse richtig? Sollten die Kittel demnächst lieber mit Weichspüler gewaschen werden, damit sie nicht so starr sind? Fragen, die ein 20-köpfiges Team auf Trab halten.
Roy Peter Link, der Dr. Ahrend verkörpert, scheint die Luftveränderung gut zu bekommen, der Abschiedsschmerz verflogen. „Für mich als Schauspieler ist die neue Serie am neuen Schauplatz auch ein abgeschlossener Kosmos“, sagt der 32-Jährige. „Und letztendlich geht es ja auch, genau wie in Leipzig, um die Freuden und Probleme von Menschen, die in einem Krankenhaus arbeiten.“
Und er ist mittendrin. Denn während Dr. Niklas Ahrend bislang Teil eines Serien-Ensembles war, wird er nun zum Dreh- und Angelpunkt der neuen Serie. Als Oberarzt. Eine Beförderung, die dem Gynäkologen und Chirurgen verwehrt blieb in der Leipziger Sachsenklinik.
Die ließ er hinter sich. Samt seiner verfahrenen Situation, beruflich wie privat. 150 Kilometer entfernt, in der neuen Umgebung des Erfurter Johannes Thal Klinikums, wagt er einen Neustart. Der Beginn einer langen Reifeprüfung. Denn nicht nur Notfälle und komplizierte OPs gehören zu Ahrends Alltag.
Schon kurz nach seiner Ankunft legt Chefärztin Prof. Dr. Karin Patzelt (Marijam Agischewa) die Verantwortung für fünf Assistenzärzte in seine Hände. Mit großem Engagement und noch mehr Herzblut wollen die jungen Ärzte im OP-Saal und auf der Station immer alles geben.
Entsprechend ist ein Großteil der Besetzung gerade einmal Ende 20, anders als im Leipziger Original. Eine Umstellung? Link: „Es fühlt sich nicht wirklich anders an. Klar, angehende Ärzte sind nun mal deutlich jünger. Aber es sind genauso Spielpartner dabei, die wieder älter sind.“ Dadurch sei kein großer Unterschied bemerkbar. „Es ist generell eine unglaublich enthusiastische, aufgeregte und freudige Stimmung am Set.“
Das ist in der Serie nicht immer der Fall. Denn nicht nur die jungen Ärzte und seine neue Aufgabe werden Dr. Niklas Ahrend viel abverlangen. So wartet im Johannes Thal Klinikum auch ein knallharter Konkurrent auf ihn – Dr. Matteo Moreau.
Mike Adler spielt in der Serie den arroganten und zynischen Oberarzt, am Set vielmehr den witzigen Pausenclown. „Wir müssen Ballett machen“, lautet die Anweisung der Aufnahme-Leitung. Der Schauspieler reagiert mit einer Prima-Ballerina-Pose. Und einem Lachen.
„Das große Problem von Moreau ist eigentlich, dass seine Sozialkompetenzen mangelhaft sind“, erklärt Adler seine Serien-Figur. „Er ist kein Intrigant, der böswillig seinen Vorteil erhaschen will.“ Aber der Oberarzt duldet auch keine Nebenbuhler in der Klinik.
Denn: „Moreau hat eine ganz klare Schiene und alles, was links und rechts davon ist, darauf nimmt er keine Rücksicht. Also entweder man fährt da mit oder man fällt runter“, sagt Adler. So wie Dr. Niklas Ahrend. „Er ist in Moreaus Augen zwar ein kompetenter Mediziner, aber trotzdem haben die beiden andere Herangehensweisen, zum Beispiel wie mit Patienten oder auch wie mit den Assistenz-Ärzten umzugehen ist“, sagt Adler. Dadurch kommen die Ärzte in der Serie nicht auf einen Nenner.
Am Set ist das anders. „Privat verstehen Roy und ich uns super und mit wenigen Worten, weil wir schauspielerisch die gleiche Sprache sprechen“, sagt Adler. „Da habe ich mit anderen Kollegen schon mehr diskutieren müssen.“
Als die beiden Schauspieler für die Telenovela „Anna und die Liebe“ zusammen vor der Kamera standen, war das bereits ähnlich. Adler: „Aber da haben wir beste Freunde gespielt. Was lustig ist, weil wir hier eben nicht beste Freunde sind, sondern die liebsten Feinde.“
Denn im Johannes Thal Klinikum ist Matteo Moreau für Niklas Ahrend kein angenehmer Kollege. Eine Herausforderung? „Die besteht eher darin, dass es bei meiner Figur einen Haltungswechsel gibt“, sagt Roy Peter Link. Und erklärt: „Niklas ist eigentlich überhaupt kein Lehrertyp. Ganz im Gegenteil – er hat ein Problem mit Autoritäten. Und plötzlich ist er selbst eine.“
Entsprechend gibt es innerhalb der Serie eine schnelle und starke Charakterentwicklung. Link: „Das gab’s so noch nicht in dieser Intensität. Ich bin gespannt, wie der Zuschauer darauf reagiert.“ Und die Zuschauerinnen erstmal!
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