Friedrichstraße

Warum jetzt so viele Geschäfte wegziehen

Experten nennen fünf Gründe für den Abwärtstrend der Shopping-Meile.

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min
Das Luxuskaufhaus Galeries Lafayette ist ein Herzstück der Einkaufsmeile Friedrichstraße.

Das Luxuskaufhaus Galeries Lafayette ist ein Herzstück der Einkaufsmeile Friedrichstraße.

© imago

Seit Jahren belastet eine U-Bahn-Baustelle die Aufenthaltsqualität. Die Arbeiten an der Verlängerung der Linie U 5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor und der Bau des neuen Umsteigebahnhofs zur U 6 konnten nicht allein unterirdisch durchgeführt werden. „Diese Dauerbaustelle brachte einen starken Einschnitt für die Geschäfte mit sich“, sagt Nils Busch-Petersen, Chef des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Kunden sei die Querung der Straße erschwert und teils unmöglich gemacht worden. 

Vom Pracht-Boulevard zur Sorgen-Meile: Jetzt wollen auch die Galeries Lafayette wegziehen.

Vom Pracht-Boulevard zur Sorgen-Meile: Jetzt wollen auch die Galeries Lafayette wegziehen.

© Gerd Engelsmann

Mall of Berlin macht Friedrichstraße Konkurrenz

Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Standorts Friedrichstraße nimmt auch die wachsende Konkurrenz. Der ehemalige Prachtboulevard ist nicht mehr die einzige Shopping-Meile in Mitte. Die vor fünf Jahren eröffnete Mall of Berlin am Leipziger Platz zieht viele Kunden an. „Früher hatte man die Hoffnung, dass sich Mall und Friedrichstraße gegenseitig beleben würden“, sagt Busch-Petersen. Aber die Idee, dass Mall-Kunden ihre Shopping-Touren an der Friedrichstraße fortsetzten würden, ging nicht auf. 

Der Leerstand von Geschäften in der Friedrichstraße liegt dem Vernehmen nach bei 20 Prozent. Hauptgrund ist die Insolvenz der Immobilie Quartier 206 neben Galeries Lafayette. Das Gebäude kam unter Zwangsverwaltung, Boutiquen wie Louis Vuitton, Gucci und Yves Saint Laurent verließen die Passage.

Das Nachbarhaus, das Quartier 205, verlor die Modekette H&M als Mieter. Ein zweites H&M-Geschäft in der Friedrichstraße soll zum 31. August dieses Jahres schließen. Als Grund gab eine Sprecherin des Unternehmens „veränderte Kundenströme“ an.

Nils Busch-Petersen sagt, die Entwicklung der Friedrichstraße müsse außerdem in Zusammenhang mit der Entwicklung des Gendarmenmarkts gesehen werden. Im Umfeld des historischen Platzes erlebe das Gastronomie-Geschäft einen Boom. Lokalbetreiber würden von dort auf die Friedrichstraße drängen. „Und sie sind bereit, hohe Mieten zu bezahlen“, sagt Busch-Petersen. Das Nachsehen hätten die bisherigen Mieter – die angestammten Einzelhändler. Sie werden verdrängt.

Internet-Riesen attackieren Einzelhandel in Berlin

Ein Grundsatzproblem für den Handel sieht Busch-Petersen in der Konkurrenz durch das Internet. Immer mehr Kunden bestellen bei Online-Händlern wie Amazon. „Das trifft natürlich nicht nur die Friedrichstraße, aber es ist ein Grund für die aktuelle Entwicklung“, sagt er.

Gleichwohl will Busch-Petersen den Standort Friedrichstraße nicht verloren geben. Er sei weit genug von Einkaufsmeilen wie dem Alexanderplatz entfernt, um eine Zukunft zu haben. Die Friedrichstraße könne sich auf jeden Fall erholen. Es müsse allerdings neue Konzepte geben, die weiterreichen als die Idee einer Fußgängerzone.

Und die Galeries Lafayette? Dem Vernehmen nach könnte das Kaufhaus nach Hamburg umziehen. Dort gibt es einen Markt für Luxus-Anbieter. Zum Beispiel soll in der sogenannten Hafencity im Umfeld der Elbphilharmonie ein neues, großes Shopping-Quartier entstehen. 

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