Auf dieses Weihnachtsgeschenk hätten Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel sicher gern verzichtet: Friedrich Merz ist auch nach seiner Niederlage „bereit, wirklich mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen“, und traut sich ein Ministeramt zu, in dem er seine Wirtschaftserfahrung einsetzen kann. Eine Bewerbung und eine böse Bescherung, die dazu geeignet ist, den Machtkampf in der CDU neu aufbrechen zu lassen. Dieses Angebot könnte das ganze Gerede von einer „tragenden Rolle“ für Merz, von „einbinden“ und „er werde gebraucht“ als hohle Phrasen entlarven. Denn diese Ankündigungen waren nur in der Erwartung gemacht worden, Merz werde ohnehin wieder zurück in die Wirtschaft gehen. Versprechungen in der Hoffnung, sie nie einlösen zu müssen.
Jetzt ist für die neue CDU-Führung der Ernstfall eingetreten. Im Kabinett ist derzeit kein Platz frei. Frühestens nach der Europawahl könnte der Sessel des Wirtschaftsministers frei werden, falls Peter Altmaier EU-Kommissar wird. Aber ein Merz im Kabinett Merkel, die ihn einst aus seinem Führungsamt vertrieb – kann das gut gehen? Würde sich Merz der Kabinettsdisziplin fügen?
Weigern sich aber Merkel und Kramp-Karrenbauer, ihn zum Minister zu machen, dann legen sie den Keim für eine neue Legende. Dann hätten sie nicht nur versäumt, die Partei zu befrieden und den Helden des konservativen CDU-Flügels mit einem hohen Amt einzubinden, sondern hätten auch die Chance verpasst, mit einem Minister Merz die Wahlchancen 2019 zu erhöhen. Eine schwierige Entscheidung. Merz kann in Ruhe den Ausgang abwarten.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com