Brennende Barrikaden, hunderte verletzte Polizisten und ebenso viele Festnahmen am 1. Mai in unserer Stadt. Jahr für Jahr gab die Polizei am Tag nach den Traditions-Krawallen auf einer Pressekonferenz die erschreckenden Zahlen bekannt. Dieses Jahr gab es zum ersten Mal seit rund 20 Jahren keine Pressekonferenz – weil sie nicht mehr nötig war. Die ebenso erfreuliche wie beruhigende Bilanz: Keine Krawalle, nur 103 Festnahmen und 20 leicht verletzte Polizisten.
1.-Mai-Tradition in Kreuzberg
Über 30 Jahre waren Krawalle und gewalttätige Ausschreitungen linksautonomer Chaoten in Kreuzberg traurige Tradition in Berlin. Zwar nahm die Gewalt in den letzten Jahren ab, dennoch kam es immer wieder zu zahlreichen Festnahmen, viele Polizisten wurden teils schwer verletzt. Auch dieses Mal hatten linke Gruppen zu gewalttätigem Protest aufgerufen.
„Kooperation und Kommunikation mit allen gesprächsbereiten Teilnehmenden und konsequentes Einschreiten gegen Gewalttäter“ – so lautete diesmal die Strategie der Einsatzkräfte. „Unser Konzept ist aufgegangen, die Doppelstrategie hat getragen“, freut sich Polizeipräsidentin Barbara Slowik, die erst seit drei Wochen im Amt ist. Tatsächlich blieben Krawalle bei der berüchtigten Revolutionären 1.-Mai-Demo aus.
Ein großer Schritt zu Normalität
Bei dem Protest waren zwar auch zahlreiche vermummte Demonstranten aus der autonomen Szene mitgelaufen. Nach dem Ende der Demonstration wurden auch vereinzelt Flaschen auf Polizisten geworfen und Rauchbomben gezündet, immer wieder gab es Gerangel und Scharmützel zwischen Polizei und Demonstranten. Doch im Gegensatz zu früher beruhigte sich die Lage immer wieder, größere Krawalle blieben aus.
Friedliche Besucher im Görlitzer Park.
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Polizeipräsidentin Slowik weiter: „Es scheint den linken Gewalttätern nicht mehr ganz so leicht zu fallen, Mitstreiter für Gewalttaten zu finden.“ Polizeisprecher Winfrid Wenzel ergänzt: „Unser Ziel war es immer, Normalität zu erreichen.“ Der 1. Mai 2018 sei dazu ein großer Schritt gewesen.
„Die Ermittlungsgruppe 1. Mai“
Insgesamt nahm die Polizei, die mit 5170 Männern und Frauen im Einsatz war, im Verlauf des 1. Mai 103 Personen fest, unter anderem wegen Landfriedensbruch, Widerstand und Sachbeschädigung. Wie viele von ihnen aus Berlin kommen, wird nun ausgewertet. Gestern nahm laut einem Polizeisprecher zudem „die Ermittlungsgruppe 1. Mai“ ihre Tätigkeit auf. Insbesondere Video- und Fotomaterial“ werden nun ausgewertet, um Straftäter zu überführen.
Polizisten vom Team Kommunikation.
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Insgesamt wurden am diesjährigen 1. Mai 20 Beamte verletzt. Ihnen wünschte die Polizeipräsidentin gestern „eine schnelle und vollständige Genesung.“ Auch der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, freut sich über den Rückgang linker Gewalt bei den Feiern zum 1. Mai. „Dass das MyFest immer mehr die Linksextremisten zurückdrängt, ist für mich wie eine Rückeroberung der Stadt durch die Bürger“, sagt der CDU-Politiker.
„Bier und Schnaps haben den Revolutionsgedanken ganz einfach ertränkt.“
Tatsächlich schien es am Dienstag so, als habe die Feierwut der Berliner die Gewaltgeilheit linker Autonomer schlichtweg überrannt. So feierten bei den Straßenfesten „Myfest“ und „MaiGörli“ in Kreuzberg Zehntausende bis in den späten Abend. Das erstmals organisierte „MaiGörli“ im Görlitzer Park war bereits am Nachmittag wegen Überfüllung zeitweise geschlossen worden. „Auch wenn 160 Personen durch die Polizei des Ortes verwiesen werden mussten und mehrere Strafermittlungsverfahren eingeleitet wurden, verlief die Veranstaltung mit weit mehr als 10.000 Besuchern von 12 bis 23 Uhr nahezu störungsfrei“, so die Polizei.
© Grafik/ Reeg; Quelle: Polizei Berlin
Ein erfahrener Fotograf, der seit über 20 Jahren über die Ausschreitungen berichtet und stets an vorderster Front war, fasst den 1. Mai in Kreuzberg so zusammen: „Bier und Schnaps haben den Revolutionsgedanken ganz einfach ertränkt.“
Für den innenpolitischen Sprecher der AfD-Fraktion, Karsten Woldeit, ist der friedliche Verlauf hingegen vor allem den vor Ort eingesetzten Polizisten zu verdanken. „Es war ausschließlich das beherzte Eingreifen der über 5000 Einsatzkräfte auf den Straßen unserer Stadt in Kombination mit dem erlahmten Geist der verbrauchten linksextremen Szene, das für weniger Randale als sonst gesorgt hat“, so Woldeit.
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