Frank Zander im KURIER-Interview

„Ich bin der letzte Mohikaner“

Frank Zander über das Weihnachtsfest für Obdachlose, das er zum 25. Mal veranstaltet.

Katja Schwemmers
Lesezeit 3 Min
Mit Gänsekeule und Rotkohl: Frank Zander (77) organisiert seit 25 Jahren für Obdachlose ein Weihnachtsfest.

Mit Gänsekeule und Rotkohl: Frank Zander (77) organisiert seit 25 Jahren für Obdachlose ein Weihnachtsfest.

© picture alliance / Jens Kalaene

Frank Zander: Ich hatte eine Prostata-OP und im Frühjahr kam noch eine Hüftoperation dazu. Aber ich habe mich wieder aufgerappelt und viel Physiotherapie gemacht. Ich bin jetzt guter Dinge.

Viele Ihrer Kollegen hatten nicht so viel Glück. Ich bin der letzte Mohikaner! Ich sehe Kollegen verschwinden, und denke: Mensch Meier, die Leute, die den Löffel abgeben, werden deutlich mehr. Das ist schon sehr traurig. Der Tod von Costa Cordalis hat mich sehr mitgenommen, auch der von Karel Gott – der hat ja wunderbare Sachen geschrieben. Es gibt nur noch ganz wenige von den Urgesteinen. 


Wie erklären Sie sich, dass Sie bis heute nicht in Vergessenheit geraten sind?
Unsere Obdachlosenfeier in Berlin trägt mich durch die Jahre. Ich habe so viele Sendungen hinter mir, jede Menge Kokolores und Verrücktes – aber das bleibt. Und dadurch wissen die Leute: Der ist noch da. Denn heute muss man einiges anstellen, um in die Zeitungen zu kommen. Ich möchte aber nun mal keine Dinge machen, die mir unangenehm sind. 

Auch in diesem Jahr werden Sie mit Ihrer Familie, Freunden, Sponsoren und Helfern das Weihnachtsessen für Obdachlose und Bedürftige in Berlin veranstalten. Wie kamen Sie auf die Idee? 

Schon vor 1995 war es mein Weihnachtsritual, Sachspenden für Obdachlose am Bahnhof Zoo abzugeben. Irgendwann kam meine Plattenfirma auf die Idee, ein Album rauszubringen und arme Menschen zur Veröffentlichungsparty einzuladen. Bruce Springsteen hatte das in New York vorgemacht. Letztendlich haben wir nur das Fest gefeiert mit 120 Bedürftigen. Das war eine wundervolle Erfahrung. 

Und der Startschuss für die folgenden 25 Jahre?
Genau. Wir machten weiter, und jedes Jahr wurden es mehr Gäste. Mittlerweile kommen 3000 Menschen zum Gänsebraten-Essen. Gott sei dank haben wir jetzt 17 Städte, die das Prinzip übernommen haben und das auch machen. Obwohl es ein bisschen nach Alkohol und Schweiß riecht.

Worauf freuen Sie sich bei dem Fest?
Ich lasse es mir nie nehmen, jeden Gast persönlich an der Tür zu begrüßen. Auf diese Begegnungen freue ich mich am meisten, denn um die Menschen geht es an diesem Abend. Wenn ich sie dann umarme, sind sie glücklich, und ich bin gerührt. Denn da sehe ich alle: von Muttchens mit Kindern und Hunden bis zu Gestalten mit zernarbten Gesichtern. Aber diese Menschen wollen an diesem Tag auch nicht bemitleidet werden. 

Packt Sie dabei auch selbst die Weihnachtsstimmung?
Ich brauche immer zwei Tage, um alles sacken zu lassen. Das ist auch wichtig, denn ich will ja mit meiner Familie auch noch ein schönes Fest feiern

Das Gespräch führte Katja Schwemmers. 

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