Frage an die Briefträgerin

Ist das Austragen noch zu ertragen?

Zustellerin Manuela Kloß weiß, wie man den Hitze-Sommer übersteht.

Christian Gehrke
Lesezeit 3 Min
Bei der Gluthitze muss Manuela Kloß mehr Pausen machen. Mit einem Handtuch, das sie in einem Extra-Beutel mitnimmt, tropft sie sich den Schweiß vom Kinn.

Bei der Gluthitze muss Manuela Kloß mehr Pausen machen. Mit einem Handtuch, das sie in einem Extra-Beutel mitnimmt, tropft sie sich den Schweiß vom Kinn.

© Thomas Uhlemann

Wenn um 7 Uhr ihr Dienst beginnt, weiß Manuela Kloß schon: Sie muss rund um den Olivaer Platz 1500 Briefe zustellen und wird dafür ungefähr 16 Kilometer mit ihrem E-Bike zurücklegen. Die Briefe wiegen zusammen über 130 Kilogramm, weswegen sie in mehreren Etappen fährt.

Zusteller können aus einer Kollektion das Passende wählen 

„Ich habe mir kurze Hosen angezogen und ein atmungsaktives T-Shirt.“ Die Kleidung wird ihr von der Post gestellt, jeder Zusteller kann aus einer Kollektion das Passende wählen – je nach Wetterlage.

Ihre Haut hat Manuela Kloß vorher mit Sonnencreme eingeschmiert, eine große Wasserflasche hat sie in der gelben Fahrradtasche griffbereit. „Ich muss viel trinken und viele Pausen machen“, sagt sie. Ja, die Hitze mache ihr schon zu schaffen. „Ich bin ein positiver Mensch. An Dingen, die man nicht ändern kann, soll man nicht verzweifeln“, so die Steglitzerin.

Nach etwas Zögern holt Manuela Kloß ein Handtuch aus einem Stoffbeutel hervor und tupft sich die Stirn ab. Für die gute Laune isst sie zwischendurch ein Bonbon oder andere Süßigkeiten. Vor Dienstbeginn spendiert die Post manchmal auch ein Eis.

In den alten aber feinen Häusern in der Pariser Straße muss sie die Treppen hoch. Denn die Briefkästen sind nicht unten im Flur. Es gibt nur den Schlitz in der Wohnungstür. „Na klar ist das Treppensteigen anstrengender für mich als vor 20 Jahren. Doch ich finde meinen Beruf toll“, sagt sie.

Das eigentliche Geheimnis gegen die Hitze: Motivation!

Sie muss noch in die Württembergische Straße, in die Sächsische Straße und in die Bleibtreustraße. Auch die Darmstädter Straße gehört zu ihrem Gebiet. Wer mit Manuela Kloß länger unterwegs ist, erfährt ihr eigentliches Geheimnis gegen die Hitze: Ihre Motivation! Sie kennt fast jeden Anwohner persönlich. Sie wird begrüßt, geherzt, gedrückt. „Hallo Herr Müller, Hallo Herr Beute“, ruft sie. „Das ist für mich wie mein Zuhause.“

Natürlich kennt die Zustellerin auch die Schattenseiten des Jobs: Zweimal wurde sie im Dienst von Autos angefahren, musste lange pausieren. Sie kennt Kollegen mit Rücken- und Knieproblemen, die sie zum Glück nicht hat. Manuela Kloß sagt: „Ich habe nie einen Arbeitstag bereut.“

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