„Hallo, ich bin Claudio!“, sagt der Rekordspieler der Bundesliga kurz nachdem er das TV-Studio im Bauch des Bremer Weserstadions betritt. Fester Händedruck, dann schaut er dem KURIER-Reporter tief ins Gesicht und setzt dieses lausbübische Lächeln auf. Die Grübchen um die Mundpartie herum erreichen fast die Augenwinkel. Seit nunmehr 20 Jahren kennt ihn die Bundesliga so.
Sonnabend gastiert der sympathische Stürmer mit seinen Bremern in der Alten Försterei. Neuland für ihn. Ja, auch ein alter Haudegen wie „Pizza“ entdeckt auf seine alten Tage noch neue Spielstätten. „Wie ist denn so die Stimmung an der Alten Försterei?“, will Pizarro wissen. Laut, sehr laut, lauter als sehr laut. Ein kompaktes Stadion, die Fans dicht am Spielfeldrand. Pizarro grinst glücklich: „So etwas mag ich ja sehr.“
Freude auf Kroos und Ujah
Herzlich willkommen in der Försterei, Pizza! „Um ehrlich zu sein“, verrät Pizarro dann, „weiß ich nicht so viel über Union. Ich habe nur gehört, dass die Fans unfassbar emotional sind, dass uns ein kleines, enges Stadion erwartet.“ Er hat das Spiel gegen Dortmund, dieses sensationelle 3:1 gesehen und war beeindruckt von der Mentalität der Mannschaft und der Atmosphäre im Stadion. „Das war super. Die haben richtig gute Jungs in der Mannschaft. Da müssen wir aufpassen.“
KURIER-Reporter Patrick Berger schmökert beim Besuch in Bremen mit Claudio Pizarro auch im aktuellen UNVEU-Magazin.
© Andreas Gumz
Mit Felix Kroos (28) und Anthony Ujah (28) spielen zwei ehemalige Werder-Teamkollegen von Pizarro in Köpenick. Die Pizarro nicht vergessen hat: „Felix war mal in Bremen zu Besuch, da haben wir gesprochen. Das ist aber schon länger her. Mit Tony schreibe ich ab und zu über Instagram. Ich freue mich darauf, beide wiederzusehen.“
Und auch die 22 012 Fans am Sonnabend an der Alten Försterei werden sich sicherlich alle über das peruanische Schlitzohr freuen. Selbst einen Treffer, sollte das Spiel denn zugunsten der Unioner ausgehen, wird ihm sicher kein Rot-Weißer übelnehmen.
Der Rekord-Rekordhalter
Was viele nicht wissen: Pizarro könnte an der Wuhle einen neuen Rekord aufstellen. Mal wieder. Seine Liste an aufgestellten Bestmarken ist ewig lang: Ältester Torschütze der Bundesliga, der am meisten eingesetzte Ausländer in der Bundesliga, Rekordtorschütze von Werder, Rekordjoker der Bundesliga, ältester Dreier- und Viererpacker der Bundesliga, meiste Einwechslungen der Bundesliga …
Der Peruaner könnte gegen Union eine Uralt-Bestmarke von Lothar Matthäus (58) knacken. „Ich erfahre das ja auch immer nur von Reportern oder lese das in der Zeitung“, erzählt Pizarro. Zwischen Matthäus’ erstem und letztem Bundesligator lagen 7287 Tage, trifft Pizarro, der am 12. September 1999 für Werder Bremen sein erstes Tor im Oberhaus erzielte, am Sonnabend in Köpenick sind es 7307 Tage. „Verrückt“, sagt er und schüttelt den Kopf, „vielleicht haut es ja auch tatsächlich gegen Union hin.“ Er grinst wieder lausbübisch. So, wie er es eben immer tut. Seit Jahrzehnten.
Kaum Weizen und Milchprodukte
Pizarro, der in 475 Bundesligaspielen für Bremen, Bayern und Köln satte 197 Tore erzielte, ist ein Phänomen. Noch im hohen Fußballeralter kickt der Ex-Nationalspieler auf Topniveau, ist selten bis gar nicht verletzt. Nur mit der Regeneration braucht er nach Spielen halt „etwas länger als die jungen Kollegen um mich herum“. Sein Fitnessgeheimnis? Ein Ernährungstrick! Pizarro hat vor fünf Jahren seine Kost umgestellt, verzichtet weitestgehend auf Weizen und Milchprodukte. Er fühlt sich seither besser und vitaler.
KURIER trifft Claudio Pizarro in Bremen
KURIER-Reporter Patrick Berger im Gespräch mit Claudio Pizarro.
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Fleisch und Fisch isst Pizarro trotzdem, dem veganen Trend möchte er nicht nachgehen. Als Südamerikaner ist das mit seiner Kultur nicht vereinbar.
Pünktlich wie ein Deutscher
Pizarro, der während des Gesprächs wild gestikuliert, auch mit seinen Händen spricht („das ist mein südamerikanisches Temperament“) ist in all den Jahren aber auch ganz schön Deutsch geworden. Die ewige Nummer 14 der Bundesliga („el catorce“) sagt: „Ich bin mittlerweile sehr pünktlich und diszipliniert. Das habe ich mir hier in der ganzen Zeit angeeignet. Früher war das sicher nicht so. Wenn ich in Peru zu Besuch bin und wir mit Freunden 8 Uhr als Zeit ausmachen, dann bin ich auch um 8 Uhr da. Der eine kommt um 8.30 Uhr, der andere um neun. Die Leute sind dort nie pünktlich. Ailton zum Beispiel, mein ehemaliger Sturmkumpel aus Bremer Zeiten, würde bei 8 Uhr wahrscheinlich um 9.30 Uhr kommen. Bei ihm weiß ich mittlerweile sogar, dass ich ruhig später kommen kann. Bei den deutschen Freunden und Teamkollegen bin ich dagegen sehr pünktlich. Das habe ich meinen Kindern übrigens auch so weitergegeben. Ich finde das sehr gut.“
Ob nach der Saison denn endgültig Schluss mit dem Fußball ist, wollen alle von Claudio Pizarro wissen. Seine Antwort: „Nach der Saison ist Schluss – und dann werden wir sehen.“ Er lacht. „Aber im Ernst: Ich glaube, dass dann wirklich Schluss ist.“
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