Fördergelder ausgelaufen

Ab Mitternacht sind wir arbeitslos

Fördergelder verfallen, 11 Mitarbeiter von Hilfsprojekten werden nun arbeitslos

Cornelia Schmalenbach
Lesezeit 2 Min
Jeannette Shiferaw (51), Svitlana Danilova (42) und Agnes Eismine-Mensah (51) sind ihre Jobs los.

Jeannette Shiferaw (51), Svitlana Danilova (42) und Agnes Eismine-Mensah (51) sind ihre Jobs los.

© Sabine Gudath

Es geht um die vielen Roma im Stadtbezirk. Etwa 5000 leben in den Plattenbauten. Die meisten von ihnen haben Schwierigkeiten, sich in den Alltag einzuleben. Sie beherrschen die Sprache nur schlecht, kennen sich auch mit Behörden nicht aus. Denkbar ungünstige Voraussetzungen, um in Berlin Fuß zu fassen.

Umso glücklicher waren soziale Vereine wie das Haus der Begegnung M3, Babel und das KiekIn, als der Senat ihre Roma-Projekte mit einem Zuschuss förderte. „Mit 80.000 Euro konnten wir vier Stellen finanzieren“, erklärt Dr. Mekonnen Shiferaw vom Verein Babel in der Stephan-Born-Straße in Hellersdorf stolz. In den Räumen des Vereins kümmern sich Sozialarbeiter um Kinder und Eltern, die Probleme mit der Schule, Vermietern oder Behörden haben. Sie kochen gemeinsam und lernen Deutsch. „Wir bieten auch Konfliktmediation mit Nachbarn an“, ergänzt Shiferaw.

Mekonnen Shiferaw (57), Geschäftsführer von Babel: „Vier Stellen weg, das tut richtig weh.“

Mekonnen Shiferaw (57), Geschäftsführer von Babel: „Vier Stellen weg, das tut richtig weh.“

© Sabine Gudath

Das Nachbarschafts- und Familienzentrum KikIn mietete für ihr Roma-Projekt „Euro-Ma“ extra einen Raum in der Ahrensfelder Chaussee. „Wir schafften, Vertrauen aufzubauen“, sagt Ute Bernier. Die zwei von Fördergeldern bezahlten Sozialarbeiter betreuten 20 bis 30 Roma-Familien, begleiteten sie zu Ämtern oder halfen bei der Wohnungssuche. Den Antrag für 2016 habe der Verein rechtzeitig gestellt.

Agnes Eismine-Mensah (52) fand ihren Traumjob nach vielen beruflichen Umwegen als Streetworkerin bei Babel. „Viele Roma sind misstrauisch. Ich bin zu ihnen nach Hause gegangen und habe ganz langsam ihr Vertrauen gewonnen. Der Bezirk macht unsere Arbeit kaputt“, schimpft die gebürtige Ungarin.

Auch Svitlana Danilova (42) ist entsetzt. Durch das Roma-Projekt war ich endlich unabhängig vom Jobcenter. Bis dahin galt ich als Aufstocker“, sagt sie. Danilova, die einen Magister in Erziehungswissenschaften hat, weiß jetzt nicht, wie es weitergehen soll. „Mein Mann sucht auch Arbeit. Wir haben einen Sohn.“

Sozialstadträtin Dagmar Pohle (Die Linke): „Die diesjährigen Projekte wurden aus zusätzlich vom Senat zur Verfügung gestellten Mitteln finanziert. Es wäre für den Bezirk sehr hilfreich gewesen, wenn das auch für 2016 passiert wäre.“ Es heißt, die zuständige Integrationsbeauftragte des Bezirks sei in Mai in Ruhestand gegangen, ihr Nachfolger kam erst Oktober. 

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