Flussbad in Mitte

Nicht nur sauber, sondern rein

Ein Filterschiff startet einen Test, um die Badequalität des Wassers zu prüfen.

Stefan Strauß
Lesezeit 4 Min
Kritik an der Treppe: Wird das Flussbad am Lustgarten eröffnet, müsste das von Schinkel gestaltete Ufer umgebaut werden.

Kritik an der Treppe: Wird das Flussbad am Lustgarten eröffnet, müsste das von Schinkel gestaltete Ufer umgebaut werden.

© Privat

In die Laderäume werden Filteranlage und Wasserbecken gebaut. Kommende Woche fährt der Kahn nach Mitte, er wird  dort das Wasser der Spree auf natürlichem Wege so sauber filtern, dass es in diesem Bereich Badequalität haben wird. Man könnte dann in der Spree baden. Was zurzeit noch unvorstellbar klingt, soll bis zum Jahr 2025 möglich sein.

Flussbad Berlin heißt das Projekt. Es ist mehr als ein Badespaß. „Das Projekt bedeutet eine grundlegende Neubewertung der Rolle des Flusses für die Stadt“, sagt Barbara Schindler vom Verein Flussbad.  Mitten in Berlins historischer Mitte  soll es auf einer Länge von etwa 850 Metern das  größte Schwimmbecken der Stadt geben.  

Der umgebaute Lastkahn „Hans Wilhelm“ wird jetzt vom Westhafen nach Mitte gebracht.

Der umgebaute Lastkahn „Hans Wilhelm“ wird jetzt vom Westhafen nach Mitte gebracht.

© Axel Schmidt

Das Flussbad ist eines von drei Teil-Projekten entlang des fast zwei Kilometer langen  Spreekanals zwischen Historischem Hafen und der Monbijoubrücke am Bodemuseum. Der Uferbereich am Historischen Hafen wird renaturiert, es entsteht eine Parklandschaft.  Zudem wird ein Filterbecken aus Kieseln und Schilf angelegt. Der alte Kahn mit seiner Filteranlage gilt als vorläufiger Test, darin probieren Wissenschaftler die beste Methode  zum mikrobiologischen Reinigen des Spreewassers. Später wird das Wasser  in der Spree mit Kieseln und Schilf gereinigt.

Das Flussbad zwischen Schleusenbrücke und Bodemuseum  knüpft an eine alte Tradition  an. In Berlin gab es einst 15 solcher Badeanstalten, eine befand sich am Mühlengraben. Doch bald verbot der Magistrat das Baden in der Spree, 1925 schloss das letzte innerstädtische Freibad, das Wasser war zu schmutzig.

Heutzutage hängt die Wasserqualität der Spree vom Niederschlag  ab. Bei starkem Regen gelangt Abwasser, also auch Fäkalien, und Straßendreck mit Hundekot in die Spree. Die Berliner Wasserbetriebe bauen Stauraumbecken, um das zu beenden. Es gibt aber auch Zeiten, da kann man in der Spree baden, so sauber ist das Wasser. „ Wir wollen eine Wasserqualität erzeugen, damit man jederzeit in der Spree baden kann“, sagt  Barbara Schindler. „Deutschland ist eines der reichsten Länder, und hat immer noch verschmutzte  Gewässer.“

Die Jungfernbrücke spiegelt sich im Wasser. Denkmalschützer fordern, dass diese Reflexion erhalten bleibt .

Die Jungfernbrücke spiegelt sich im Wasser. Denkmalschützer fordern, dass diese Reflexion erhalten bleibt .

© AKUD/Lars Reimann

Eine Studie hat nachgewiesen, dass das Projekt aus technischer Sicht realisiert werden kann. Der Bund und das Land Berlin stellen aus dem Förderprogramm Nationale Projekte des Städtebaus vier Millionen Euro zur Verfügung. Am vergangenen Wochenende bot der Verein Führungen an, es war der  Tag der Städtebauförderung. Die Touren  waren schnell ausgebucht.

Es gibt aber auch Kritiker. Denkmalschützer sind dagegen, dass das Filterbecken an der Jungfernbrücke mit Schilf bepflanzt wird, die Gewächse würden verhindern, dass sich Berlins älteste Brücke aus dem Jahr 1798 im ruhigen Wasser   spiegelt. Dieser Anblick gehöre zum Stadtbild.  „Der Denkmalschutz ist kein Freund des Projekts“, sagt Barbara Schindler.

Kritisch reagiert auch der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, auf die Idee, das Flussbad am Lustgarten einzurichten.  Dort  würden „Hunderte nicht nur baden, sondern feiern wollen“, gab Parzinger vor zwei Jahren zu Bedenken. „Unmengen von Müll, Polizei, Anwohnerklagen, Dauerparty, gute Nacht Museumsinsel!“ Zu den Einrichtungen der Stiftung gehören auch die Staatlichen Museen zu Berlin wie die  Museumsinsel.

Geplantes Filterbecken: Schilf und Kiesel reinigen das Wasser der Spree.

Geplantes Filterbecken: Schilf und Kiesel reinigen das Wasser der Spree.

© Privat

Gestern sagte Parzinger dem KURIER: „Wir  sind nicht gegen das Projekt, aber gegen den Abriss der Ufermauer von Schinkel am Lustgarten. Damit liefe die Museumsinsel Gefahr, den Welterbestatus der Unesco zu verlieren.“ Im Verein heißt es jetzt:  „Die Zugangsmöglichkeiten müssen noch geklärt werden.“ Möglich sei eine Treppe am Humboldtforum.

Anfang Juni wird der Verein seine Pläne in einer Ausstellung  an der Spree präsentieren. Der Verein  bleibt bei seinem Ziel, das Flussbad spätestens 2025 zu eröffnen. Es wäre ein historisches Datum: 100 Jahre zuvor musste das letzte innerstädtische Flussbad schließen.

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