In die Laderäume werden Filteranlage und Wasserbecken gebaut. Kommende Woche fährt der Kahn nach Mitte, er wird dort das Wasser der Spree auf natürlichem Wege so sauber filtern, dass es in diesem Bereich Badequalität haben wird. Man könnte dann in der Spree baden. Was zurzeit noch unvorstellbar klingt, soll bis zum Jahr 2025 möglich sein.
Flussbad Berlin heißt das Projekt. Es ist mehr als ein Badespaß. „Das Projekt bedeutet eine grundlegende Neubewertung der Rolle des Flusses für die Stadt“, sagt Barbara Schindler vom Verein Flussbad. Mitten in Berlins historischer Mitte soll es auf einer Länge von etwa 850 Metern das größte Schwimmbecken der Stadt geben.
Der umgebaute Lastkahn „Hans Wilhelm“ wird jetzt vom Westhafen nach Mitte gebracht.
© Axel Schmidt
Das Flussbad ist eines von drei Teil-Projekten entlang des fast zwei Kilometer langen Spreekanals zwischen Historischem Hafen und der Monbijoubrücke am Bodemuseum. Der Uferbereich am Historischen Hafen wird renaturiert, es entsteht eine Parklandschaft. Zudem wird ein Filterbecken aus Kieseln und Schilf angelegt. Der alte Kahn mit seiner Filteranlage gilt als vorläufiger Test, darin probieren Wissenschaftler die beste Methode zum mikrobiologischen Reinigen des Spreewassers. Später wird das Wasser in der Spree mit Kieseln und Schilf gereinigt.
Das Flussbad zwischen Schleusenbrücke und Bodemuseum knüpft an eine alte Tradition an. In Berlin gab es einst 15 solcher Badeanstalten, eine befand sich am Mühlengraben. Doch bald verbot der Magistrat das Baden in der Spree, 1925 schloss das letzte innerstädtische Freibad, das Wasser war zu schmutzig.
Heutzutage hängt die Wasserqualität der Spree vom Niederschlag ab. Bei starkem Regen gelangt Abwasser, also auch Fäkalien, und Straßendreck mit Hundekot in die Spree. Die Berliner Wasserbetriebe bauen Stauraumbecken, um das zu beenden. Es gibt aber auch Zeiten, da kann man in der Spree baden, so sauber ist das Wasser. „ Wir wollen eine Wasserqualität erzeugen, damit man jederzeit in der Spree baden kann“, sagt Barbara Schindler. „Deutschland ist eines der reichsten Länder, und hat immer noch verschmutzte Gewässer.“
Die Jungfernbrücke spiegelt sich im Wasser. Denkmalschützer fordern, dass diese Reflexion erhalten bleibt .
© AKUD/Lars Reimann
Eine Studie hat nachgewiesen, dass das Projekt aus technischer Sicht realisiert werden kann. Der Bund und das Land Berlin stellen aus dem Förderprogramm Nationale Projekte des Städtebaus vier Millionen Euro zur Verfügung. Am vergangenen Wochenende bot der Verein Führungen an, es war der Tag der Städtebauförderung. Die Touren waren schnell ausgebucht.
Es gibt aber auch Kritiker. Denkmalschützer sind dagegen, dass das Filterbecken an der Jungfernbrücke mit Schilf bepflanzt wird, die Gewächse würden verhindern, dass sich Berlins älteste Brücke aus dem Jahr 1798 im ruhigen Wasser spiegelt. Dieser Anblick gehöre zum Stadtbild. „Der Denkmalschutz ist kein Freund des Projekts“, sagt Barbara Schindler.
Kritisch reagiert auch der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, auf die Idee, das Flussbad am Lustgarten einzurichten. Dort würden „Hunderte nicht nur baden, sondern feiern wollen“, gab Parzinger vor zwei Jahren zu Bedenken. „Unmengen von Müll, Polizei, Anwohnerklagen, Dauerparty, gute Nacht Museumsinsel!“ Zu den Einrichtungen der Stiftung gehören auch die Staatlichen Museen zu Berlin wie die Museumsinsel.
Geplantes Filterbecken: Schilf und Kiesel reinigen das Wasser der Spree.
© Privat
Gestern sagte Parzinger dem KURIER: „Wir sind nicht gegen das Projekt, aber gegen den Abriss der Ufermauer von Schinkel am Lustgarten. Damit liefe die Museumsinsel Gefahr, den Welterbestatus der Unesco zu verlieren.“ Im Verein heißt es jetzt: „Die Zugangsmöglichkeiten müssen noch geklärt werden.“ Möglich sei eine Treppe am Humboldtforum.
Anfang Juni wird der Verein seine Pläne in einer Ausstellung an der Spree präsentieren. Der Verein bleibt bei seinem Ziel, das Flussbad spätestens 2025 zu eröffnen. Es wäre ein historisches Datum: 100 Jahre zuvor musste das letzte innerstädtische Flussbad schließen.
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