Flughafen

Tegel ist jetzt im Buch gelandet

Beleidigte und Besoffene, Lüsterne und Eitle. Zwei Schwestern haben alles aufgeschrieben.

Katrin Groth
Lesezeit 2 Min
„Letzter Aufruf Tegel“, be.bra verlag, 9,95 Euro.

„Letzter Aufruf Tegel“, be.bra verlag, 9,95 Euro.

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Am Check-In-Schalter nach Istanbul steht eine Frau. Sie bekommt ihre Bordkarte ausgehändigt – und flippt aus.

„Ihr Doktor-Titel stand nicht drauf, deshalb hat die Frau ein Riesentheater veranstaltet“, erinnert sich Filmemacherin Julia Csabai. Sie arbeitet seit 20 Jahren in Tegel. Als Studentin fing sie 1994 mit ihrer Schwester Evelyn an, für eine Fluggesellschaft Äpfel zu verteilen – um den Passagieren mitzuteilen, dass es zukünftig kein Essen mehr an Bord gibt.

Seitdem arbeiten beide nebenberuflich am Flughafen. „Wir führen Fluggastbefragungen durch. Pro Kopf haben wir ungefähr 40 000 Gespräche mit Passagieren geführt“, sagt Csabai.

Und obwohl die Schwestern längst mit dem Studium fertig sind – Tegel lässt sie nicht los. „Ich bin gerne hier. Das ist wie Dauerkino“, sagt Csabai.

Ein Mann blieb in Erinnerung, weil er sich beim Abschied von seiner Frau schreiend auf den Boden warf. Oder das Pärchen, das sich im Wickelraum ineinander verwickelte ...

Ein Problem ist Alkohol. Eine Nadeschda wollte nach Moskau fliegen, war viel zu früh in Tegel. Ihre Wartezeit verkürzte sie mit Wodka. Zum Abflug war die Gute dann so betrunken, dass sie nicht in den Flieger durfte.

Ein Cowboy auf dem Weg nach New York – in Weste, Hut, Stiefel – schlug vor Jahren dem Gast hinter ihm in der Schlange ins Gesicht, als er erfuhr, dass er im Flieger nicht rauchen darf.

„Letzter Aufruf Tegel“, be.bra verlag, 9,95 Euro. KAT

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